Grenzstreit Rajoy wirft Gibraltar inakzeptables Verhalten vor

Der Konflikt um die Fischgründe vor Gibraltar eskaliert: Jetzt schalten sich der spanische Regierungschef Mariano Rajoy und der britische Premier David Cameron in den Streit ein - und geben sich alles andere als versöhnlich.

Heizt den Streit weiter an: Spaniens Premierminister Mariano Rajoy (Archiv)
REUTERS

Heizt den Streit weiter an: Spaniens Premierminister Mariano Rajoy (Archiv)


Madrid - Die Spannungen zwischen Spanien und Großbritannien um die britische Exklave Gibraltar haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Der britische Premierminister David Cameron rief den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy an, um seine Sorge über spanische Maßnahmen an der Grenze zum britischen Territorium im Süden der iberischen Halbinsel zu äußern, teilte die Regierung in London mit.

Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb David Cameron: "Ich habe unsere Sorgen bezüglich Gibraltar klar zum Ausdruck gebracht, und dass sich unsere Position in der Souveränitätsfrage nicht ändern wird."

Nach Angaben der spanischen Regierung bezeichnete Rajoy in dem zehnmütigen Gespräch die Aktionen Gibraltars zur Behinderung der spanischen Fischereiflotte als "inakzeptabel". Der konservative Regierungschef habe gefordert, dass die Konflikte zwischen Madrid und London mit "Ehrlichkeit und Transparenz" beigelegt werden.

Spanien wirft dem britischen Überseegebiet an der Südspitze der iberischen Halbinsel vor, Ende Juli 70 Betonblöcke mit Metallstacheln in spanische Gewässer geworfen zu haben, um so ein künstliches Riff zu schaffen und die Arbeit der spanischen Fischer zu behindern. Solche Aktionen, ließ das Madrider Außenministerium über die staatliche Nachrichtenagentur Efe verbreiten, "seien schädlich sowohl für die Umwelt als auch für die spanische Fischereiflotte".

Seitdem hatten die spanischen Behörden die Grenzkontrollen verschärft und bei hochsommerlichen Temperaturen stundenlange Verzögerungen der Abfertigung verursacht. Die Regierung des britischen Territoriums sprach unter anderem von "Folter". Gibraltars Chefminister Fabian Picardo warf der spanischen Regierung vor, sich wie Nordkorea zu verhalten.

Rajoy sagte Cameron, die Grenzkontrollen erfolgten im Rahmen des EU-Rechts, um unter anderem Schmuggelhandel zu unterbinden. Der britische Premier entgegnete den Angaben zufolge, es gebe ein "reales Risiko", dass die Zwischenfälle zum Hindernis in den bilateralen Beziehungen werden könnten, falls sich die Situation an der Grenze nicht bessere.

Beide Seiten haben sofortige Gespräche zwischen ihren Außenministern vereinbart.

mon/dpa/AP

Mehr zum Thema


insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Herzbubi 07.08.2013
1. moderner Kolonialismus
hier wäre mal ein klärendes Gespräch angebracht. Zudem sollte sich GB mal Gedanken machen wie es die Kolonie wieder zurück an Spanien gibt. David Cameron fände es bestimmt auch nicht so toll wenn Spanien einen Felsen im Ärmelkanal besetzt halten würde.
karl41 07.08.2013
2. Karl 41
Spanien beschwert sich bitterlich, daß GB die Souveränität über Gibraltar hat. Die Spanier, die in der Nähe dieses Gebietes wohnen sind glücklich dort einen Arbeitsplatz zu haben. Die Schikanen treffen eigentlich nur die Spanier die im eigenen Land keinen Job fanden. Und was sagt Spanien zu Melilla und Ceuta? und wie will Spanien die Bewohner von Gibraltar überzeugen, daß ein "Anschluß" an Spanien positiv für deren Freiheit und Wohlergehen sei? Und wie würde eine Abstimmung der Bewohner der Stadt Linea de Concepcion ausgehen die über einen Wechsel dieser Stadt nach Gibraltar ausgehen? Für die spanische Regierung ist aber sicher einfacher über Gibraltar zu meckern als über die eigene Korruption und die kranke Wirtschaft im eigenen Land zu sprechen.
ausmisten 07.08.2013
3. Penon de alhucemas
Zitat von karl41Spanien beschwert sich bitterlich, daß GB die Souveränität über Gibraltar hat. Die Spanier, die in der Nähe dieses Gebietes wohnen sind glücklich dort einen Arbeitsplatz zu haben. Die Schikanen treffen eigentlich nur die Spanier die im eigenen Land keinen Job fanden. Und was sagt Spanien zu Melilla und Ceuta? und wie will Spanien die Bewohner von Gibraltar überzeugen, daß ein "Anschluß" an Spanien positiv für deren Freiheit und Wohlergehen sei? Und wie würde eine Abstimmung der Bewohner der Stadt Linea de Concepcion ausgehen die über einen Wechsel dieser Stadt nach Gibraltar ausgehen? Für die spanische Regierung ist aber sicher einfacher über Gibraltar zu meckern als über die eigene Korruption und die kranke Wirtschaft im eigenen Land zu sprechen.
kann Ihnen nur beipflichten.noch erwaehnenswert ist der penon de alhucemas,eine winzige felseninsel ca 200 m vom marokkanischen festland gelegen und ausschliesslich von spanischen militaer bewohnt.da sind sogar ceuta und melilla ueber 100 km weit weg. wenn ueber den status von gibraltar gesprochen wird, dann bitte immer im zusammenhang mit erwaehnten resten spanischer konolialherrlichkeit.
delta058 07.08.2013
4.
Zitat von sysopREUTERSDer Konflikt um die Fischgründe vor Gibraltar eskaliert: Jetzt schalten sich der spanische Regierungschef Mariano Rajoy und der britische Premier David Cameron in den Streit ein - und geben sich alles andere als versöhnlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-um-fischgruende-rajoy-wirft-gibraltar-inakzeptables-verhalten-vor-a-915321.html
Ich frag mich wo hier das Problem ist? Wen die Briten das getan haben was die Spanier behaupten kann man das nachweisen (meinetwegen mit indischen Satelliten, die sind in dem Fall ja wohl neutral). Wenn die Spanier das getan haben was die Briten behaupten (Folter) kann man das auch nachweisen, wobei sich die Brien angesichts ihrer tollen Erfolge im Irak mit unbeweisenen Vorwürfen etwas zurückhalten sollten. Dort wurden nämlich nachweisbar Menschen durch Briten aus purer Bösartigkeit heraus gefoltert. Des weiteren sollten sämtliche Streithähne in Gibraltar auf diesen Felsen gebracht und runtergestoßen werden. Da wo prozentual mehr überleben, denen ist der liebe Gott gewogen und der soll auch diesen Felsen haben.
Gott steh uns bei... 07.08.2013
5. Ablenkungsmanöver
Spaniens Regierung will nur von den eigenen Problemen ablenken. Die wären vor allem hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Bildung. Daraus resultiert eine Perspektivlosigkeit für die jüngere Generation, denn mittlerweile hat es sich aus ge boomt mit dem Bau von Hotels und Touristenattraktionen. Man kann ja schon für 300€ egal wo in die Sonne für ne Woch all inc. Die sollen mal lieber Englisch lernen und an den Schulen unterrichten, anstatt sogar in den Medien sich vor der englischen Sprache zu verschliessen. Teilweise unglaublich, dass die Kinder in zB Kambodscha besser Englisch sprechen als in Spanien. Da liegt auch der Hund begraben. Wäre Gibraltar ein deutsches Gebiet, würde da sicherlich weniger Ärger in der Luft liegen bzw von den Politikern und Medien angestachelt. Ich frag mich wie der englische Premier den spanischen Premier angerufen hat, wenn dieser Ihn doch gar nicht versteht. Andersrum genauso. Aber es kann nunmal nur eine Weltsprache geben. Und ich dachte da hätten wir Erdenbewohner uns schon alle schon auf eine geeinigt!!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.