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24. November 2010, 19:35 Uhr

Streit um Kirchenbau

Ein Toter bei Krawallen in Kairo

Weil die Bauarbeiten an einer Kirche gestoppt wurden, lieferten sich Christen in Ägypten schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ein Mann kam bei den Kämpfen ums Leben, Dutzende Menschen wurden verletzt.

Kairo - Im Streit um einen Kirchenbau in Kairo ist bei Zusammenstößen zwischen Christen und der Polizei am Mittwoch ein Mensch ums Leben gekommen. Nach Polizeiangaben kam es bereits am Morgen zu heftigen Protesten wegen eines erzwungenen Stopps der Bauarbeiten unweit der Pyramiden. Am Nachmittag hätten dann mehrere hundert Menschen vor dem Gebäude der örtlichen Verwaltung randaliert.

Die Christen demolierten den Angaben zufolge Autos und warfen Fenster ein. Die Polizei setzte Tränengas ein. Einer der Demonstranten wurde von einer Kugel ins Bein getroffen und starb wenig später in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena meldete, wurden insgesamt 68 Menschen bei den Zusammenstößen verletzt, 133 Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Christen in Ägypten klagen oftmals über Diskriminierung. Rund zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner gehören der koptischen Kirche an. Für den Kirchenbau am Stadtrand von Kairo soll nach offiziellen Angaben keine Genehmigung vorgelegen haben.

Gericht verbietet Stimmabgabe in Alexandria

Unterdessen hat am Mittwoch ein ägyptisches Verwaltungsgericht vier Tage vor der Parlamentswahl die Stimmabgabe in der zweitgrößten Stadt Alexandria untersagt. Begründet wurde dies mit der von den Behörden angeordneten Streichung zahlreicher Kandidaten von der Wahlliste. Die meisten davon gehören der oppositionellen Muslimbruderschaft an. Das Wahlverbot betrifft zehn von elf Bezirken in der Millionenmetropole. Die Partei von Präsident Husni Mubarak hat bereits Berufung gegen das Urteil eingelegt. Er regiert Ägypten seit fast 30 Jahren.

Die verbotene Muslimbruderschaft ist die stärkste Oppositionsbewegung gegen die Regierung des 82-jährigen Mubarak. Bei der Wahl 2005 überraschte die Bewegung, als 88 ihrer Kandidaten, die sich als Unabhängige zur Wahl stellten, ins Parlament einzogen.

hut/ulz/dapd

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