Streit um Mitgliedschaft Palästinas Unesco entsetzt über israelische Karikatur

Pressefreiheit oder pure Provokation? Eine Karikatur, in der Israels Ministerpräsident Netanjahu seine Piloten zu Angriffen auf Iran und die Unesco auffordert, sorgt für Ärger. Die Uno-Kulturorganisation ist empört und reichte eine Protestnote ein.

Israels Ministerpräsident Netanjahu: Streit mit der Unesco
DPA

Israels Ministerpräsident Netanjahu: Streit mit der Unesco


Jerusalem/Berlin - Es war eine Überraschung: Als Ende Oktober die Unesco Palästina als 195. Vollmitglied aufnahm, sorgte das für diplomatischen Wirbel. Israel und die USA zeigten sich irritiert, Zahlungen an die Uno-Kulturorganisation wurden eingestellt.

Der Streit geht nun auf etwas anderer Ebene weiter. Die israelische Zeitung "Haaretz" veröffentlichte eine Karikatur, in der Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine Piloten auffordert, zuerst Iran, und auf dem Rückweg das Büro der Unesco gleich noch mit zu bombardieren. Die Zeichnung sollte das Unverständnis der israelischen Regierung über die Palästina-Entscheidung illustrieren.

Die Unesco ist empört - und intervenierte prompt. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte am Freitag, die Uno-Sonderorganisation habe dem israelischen Gesandten in der Unesco, Nimrod Barkan, eine Protestnote überreicht, in der stehe, die Karikatur "gefährde das Leben unbewaffneter Diplomaten".

Barkan, so schildert es die "Haaretz", habe einigermaßen verdutzt erwidert, in Israel herrsche Pressefreiheit. Dann gab er dem Unesco-Vertreter noch eine Spitze mit auf den Weg. "Fragen Sie sich doch vielleicht mal, was Sie angerichtet haben, wenn sogar eine moderate, dem Internationalismus verpflichtete Zeitung eine solche Karikatur veröffentlicht", sagte Barkan: "Vielleicht liegt das Problem auch bei Ihnen."

Auch in anderer Hinsicht herrscht bei der Unesco Alarmstimmung. Seit Israel und die USA die Zahlungen gestoppt haben, wird das Geld knapp. Ein Notfonds soll jetzt die wichtigsten Programme retten. Der ölreiche afrikanische Staat Gabun leistete als erster eine Spende von zwei Millionen Dollar. Trotzdem warnte Unesco-Chefin Irina Bokowa zum Abschluss der Generalversammlung vor schweren Einschnitten.

vme/dapd/dpa

insgesamt 40 Beiträge
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Ezer 11.11.2011
1. das übersteigerte Selbstverständnis der UN-Funktionäre
die Reaktion ist typisch für das übersteigerte Selbstwertgefuehl und Sendungsbewusstsein der Funktionäre/innen der UN. Die UNESCO bestand zu 80% aus drittklassigen Wissenschaftlern und Politikern, die noch nicht einmal für die EU gut genug waren. DIe UNESCO hat jahrelang stumm zugesehen, dass unter dem Tempelberg in Jerusalem radikale Moslems illegale Grabungen durchführen und lastwagenweise Erde und Artefakte auf Mülldeponien ausserhalb verbrennen. Das einzige Ziel ist jüdische historische Existenz zu vernichten. CHantalle Ezer
bigpeng 11.11.2011
2. Schon sehr "interessant" und aufschlussreich...
Zitat von sysopPressefreiheit oder pure Provokation? Eine Karikatur, in der Israels Ministerpräsident Netanjahu seine Piloten zu Angriffen auf Iran und die Unesco auffordert, sorgt für Ärger. Die Uno-Kulturorganisation ist empört und reichte eine Protestnote ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797318,00.html
...was den Umgang Israels mit den Ergebnissen demokratisch vorgenommener Prozesse anlangt. Das ist natürlich nicht neu. Man stelle sich doch mal die Reaktion Israels vor, wenn diese "Karikatur" im umgekehrten Sinne in einem anderen Land erschienen wäre...P r e s s e f r e i h e i t ??
Gandhi, 11.11.2011
3. Was hat die UNESCO denn angerichtet?
Ich koennte ja den Vorwurf von Herrn Barkan verstehen, haette die UNESCO ihre Statuten geaendert, um eine Mitgliedschaft Palaestinas zu ermoeglichen. Doch dem war nicht so. Das hindert die Scharfmacher nicht daran, gegen die UNESCO zu sticheln. Man koennte fast den Eindruck erhalten, Netanjahu trage sich tatsaechlich mit dem Gedanken.
pax, 11.11.2011
4. Umgekehrt
Zitat von bigpeng...was den Umgang Israels mit den Ergebnissen demokratisch vorgenommener Prozesse anlangt. Das ist natürlich nicht neu. Man stelle sich doch mal die Reaktion Israels vor, wenn diese "Karikatur" im umgekehrten Sinne in einem anderen Land erschienen wäre...P r e s s e f r e i h e i t ??
Ja die Karikaturen der arabischen Nachbarstaaten über Israel sind natürlich völlig harmlos : http://www.adl.org/anti_semitism/gaza_cartoons.asp
franzdenker 11.11.2011
5. Für Israel gelten andere Regeln, da kann einen schon mal Angst werden.
Zitat von sysopPressefreiheit oder pure Provokation? Eine Karikatur, in der Israels Ministerpräsident Netanjahu seine Piloten zu Angriffen auf Iran und die Unesco auffordert, sorgt für Ärger. Die Uno-Kulturorganisation ist empört und reichte eine Protestnote ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797318,00.html
Die Karikatur sagt viel darüber aus, was die Zeitung Haaretz von ihrer Regierung hält. Die UNESCO reagiert nicht ohne Grund besorgt, geht doch Israel gegen seine Widersacher alles andere als zimperlich vor (siehe Dubai, Gaza, Grenze zu Ägypten, Westjordanland, Türkei, Gaza-Flottille, Goldstone-Bericht...).
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