Mahnung aus Washington Chinesisch-japanischer Inselstreit alarmiert die USA

Die USA schalten sich in den Streit zwischen China und Japan um eine Inselgruppe im ostchinesischen Meer ein. Nach gewaltsamen Protesten in der Volksrepublik fordert US-Verteidigungsminister Panetta beide Seiten zur Ruhe auf. Die Regierung in Peking gelobt, weitere Randale zu verhindern.
Anti-japanischer Protest in Chengdu: Künftig will China Ausschreitungen stoppen

Anti-japanischer Protest in Chengdu: Künftig will China Ausschreitungen stoppen

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Tokio/Peking - Die Vereinigten Staaten sind besorgt wegen des chinesisch-japanischen Konflikts um eine Inselgruppe im ostchinesischen Meer. US-Verteidigungsminister Leon Panetta mahnte bei einem Besuch in Tokio beide Staaten zur Zurückhaltung.

"Wir sind wegen der Demonstrationen besorgt, und wir sind wegen des Konflikts um die Senkaku-Inseln besorgt", sagte Panetta vor Reportern in Tokio. Er habe die Botschaft überbracht, "dass wir alle Seiten zu Ruhe und Zurückhaltung drängen müssen". Es sei im Interesse aller, dass die größten Volkswirtschaften Asiens gute Beziehungen pflegten.

Hintergrund ist der Streit um die Inselgruppe, die auf japanisch Senkaku und auf chinesisch Diaoyu heißt. Auslöser der aktuellen Proteste ist der geplante Kauf der umstrittenen Inseln durch die japanische Regierung von einem privaten Besitzer, was in China als Affront betrachtet wird.

Daraufhin gab es in China gewaltsame Proteste wütender Chinesen gegen die japanische Politik. In den vergangenen Tagen wurden vor allem japanische Unternehmen Zielscheibe der Proteste - nun schlossen einige Elektronikhersteller ihre Fabriken und Geschäfte in China zumindest vorübergehend.

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China und Japan: Inseln im Fokus von Nationalisten

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Die Regierung in Peking hatte Japan gewarnt, ein Kauf der Inseln von privaten japanischen Besitzern werde Konsequenzen haben. Japan kontrolliert die Inseln seit 40 Jahren, nachdem sie von den USA, die sie im Zweiten Weltkrieg erobert hatten, aufgegeben worden waren. Beansprucht werden die Inseln aber auch von China und Taiwan.

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Japans Außenminister Koichiro Gemba sagte am Montag, ihm gegenüber habe Panetta das Thema nicht angesprochen. Beide Länder seien sich aber einig, dass auch die Inseln Teil des japanisch-amerikanischen Sicherheitspakts seien.

Panetta betonte, dass die USA vertragliche Verpflichtungen mit Japan erfüllen, aber in dem Konflikt nicht Partei ergreifen würden.

Die Regierung in Peking bemüht sich nun um eine Unterdrückung der Spannungen. Sie drohte mit der Festnahme von Demonstranten, die gegen Gesetze verstoßen, und entfernte von mehreren Websites Fotos und Einträge zu den Protesten vom Wochenende. Die Bürger sollten ihren Protest "ordentlich, rational und gesetzestreu" artikulieren, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Man werde Japaner und deren Eigentum schützen.

Vor der japanischen Botschaft in Peking demonstrierten auch am Montag etwa 60 Menschen. Den Demonstranten standen etwa 1000 Sicherheitsbeamte gegenüber. Für Dienstag wurden weitere Protestaktionen erwartet.

USA ziehen in Japan zweiten Raketenschirm auf

Die USA und Japan verständigten sich unterdessen auf die Errichtung eines zweiten Raketenabwehrsystems in Japan. Das Radarsystem solle unter anderem dem Schutz vor einer Bedrohung durch nordkoreanische Raketen dienen, sagte Panetta bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem japanischen Kollegen in Tokio. Auch US-Territorium werde damit vor einer Bedrohung geschützt.

US-Experten prüfen derzeit einen geeigneten Ort in Japan, um das Radarsystem zu installieren, wie ein Beamter des Verteidigungsministeriums zuvor erklärte. Vermutlich werde das System im Süden Japans errichtet. Viele der rund 47.000 US-Soldaten in Japan sind auf der südlichen Inselkette Okinawa stationiert. Japan verfügt bereits über ein vergleichbares Raketenabwehrsystem im Norden der Hauptinsel Honshu.

Der US-Beamte betonte, dass sich das Radarsystem nicht gegen China richte, sondern lediglich der Abwehr gegenüber Nordkorea diene.

fab/dapd/Reuters