Streit um Terrorbekämpfung Bush-Regierung bestreitet Verschleppung von Clintons Aktionsplan

Hat die Regierung von US-Präsident George W. Bush verschlafen, rechtzeitig gegen Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida vorzugehen? Vorwürfe, einen "aggressiven neuen Plan" der Clinton-Regierung zu lange ignoriert zu haben, hat das Weiße Haus zurückgewiesen.


Bush-Konzept oder Clinton-Plan - die Aktionen gegen Osama Bin Laden kamen zu spät
DPA

Bush-Konzept oder Clinton-Plan - die Aktionen gegen Osama Bin Laden kamen zu spät

Washington - Das Nachrichtenmagazin "Time" berichtet, Clinton habe detaillierte Vorschläge zum Kampf gegen das Terrornetzwerk gemacht. Dieser Aktionsplan habe der Bush-Regierung vorgelegen, sei jedoch durch bürokratische Hürden nicht umgesetzt worden.

Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice kommt damit erneut in die Kritik. Ihr sollen die Pläne bereits im Januar 2001 zugegangen sein. Präsidialamtssprecher Sean McCormack sagte in Kennebunkport im US-Bundesstaat Maine: "Wir wurden über die al-Qaida-Bedrohung unterrichtet." Dabei habe es sich aber nicht um ausgearbeitete Pläne gehandelt. Die Regierung habe mit der gebotenen Eile an einem Plan zum Vorgehen gegen die Extremistengruppe gearbeitet. Der Entwurf für eine veränderte Strategie gegen Bin Ladens Truppe in Afghanistan und für die entsprechende Präsidenten-Direktive sei dann aber erst eine Woche vor den Anschlägen vom 11. September verabschiedet worden.

Aus Regierungskreisen verlautete ferner, die Bush-Regierung habe weit reichendere Initiativen gegen al-Qaida beabsichtigt. Die Vorschläge der Clinton-Regierung hätten lediglich darin bestanden, das Terrornetzwerk in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren zurückzudrängen. Die Regierung Bush habe jedoch entschieden, dass ein Zurückdrängen nicht ausreiche. Sie habe begonnen, die Zerschlagung des Netzwerks zu planen - Arbeiten, die dann erst eine Woche vor dem 11. September abgeschlossen waren.

Die Clinton-Maßnahmen gegen al-Qaida waren von dem Anti-Terror-Spezialisten Richard Clarke ausgearbeitet worden. Sie beinhalteten "Time" zufolge die Zerschlagung der al-Qaida-Zellen, die Festnahme führender Mitglieder, Schläge gegen die finanziellen Unterstützernetze, aber auch Geld für Länder, die sich aktiv für die Bekämpfung des Terrorismus einsetzten. Clarke hatte dem Bericht zufolge auch eine Intensivierung geheimdienstlicher Aktivitäten in Afghanistan vorgeschlagen, um die Unterstützung der al-Qaida durch die radikalislamischen Taliban zu brechen.



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