Streit unter Terroristen Bin Ladens Stellvertreter kritisiert irakische Qaida-Filiale

Der Bin-Laden-Stellvertreter Sawahiri hat den Qaida-Terroristen Sarkawi in einem Brief wegen dessen Angriffen auf Schiiten im Irak kritisiert. Die Attacken seien für die meisten Muslime inakzeptabel. US-Geheimdienste halten das Schreiben für höchstwahrscheinlich authentisch.


Washington - "Viele unserer muslimischen Anhänger im einfachen Volk wundern sich über Eure Angriffe auf die Schiiten", hieß es in dem zwölfseitigen Schreiben von al-Qaida-Vize Aiman al-Sawahiri, das gestern von US-Behörden veröffentlicht wurde und auf Arabisch und in englischer Übersetzung vorlag. Das Befremden verstärke sich noch, wenn Moscheen ins Visier der Extremisten gerieten. Die Attacken seien für die meisten Muslime inakzeptabel - unabhängig davon, wie sehr Sarkawi sie zu begründen versuche, erklärte Sawahiri weiter.

Zum Sieg des Islams werde es erst kommen, wenn ein islamischer Staat in der Region gegründet worden sei, erklärte Sawahri weiter. Langfrister Plan der al-Qaida sei es, zunächst die US-Truppen aus dem Irak zu vertreiben und eine islamische Regierung einzusetzen. Danach solle der Krieg in die Nachbarländer getragen werden: den Libanon, Jordanien und Syrien. Zum Schluss werde es zum Krieg mit Israel kommen.

Die US-Behörde des Direktors der nationalen Geheimdienste (DNI), die das Schreiben vollständig veröffentlichte, hält den Brief für höchstwahrscheinlich authentisch. Der sunnitische Jordanier Sarkawi hatte Mitte September den Schiiten im Irak einen "umfassenden Krieg" erklärt. Er warf den Schiiten vor, einen "Vernichtungskrieg" gegen die Sunniten eingeleitet zu haben. Sarkawis irakische Qaida-Gruppe bekannte sich zu zahlreichen Anschlägen im Irak.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.