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Studentenproteste in London Angriff auf Charles erschüttert Briten

Wütende Studenten haben den Rolls Royce von Kronzprinz Charles und seiner Frau Camilla angegriffen. Nun fragen sich die Briten: Wie konnte das passieren? Nach Ansicht des Polizeichefs haben die Beamten "enorm zurückhaltend" gehandelt - schließlich seien sie bewaffnet gewesen.

London - Sie schlugen Scheiben ein, warfen Farbbeutel - und attackierten das Auto von Thronfolger Charles. Studenten haben in London ihrer Wut über die Erhöhung der Studiengebühren freien Lauf gelassen. Der Vorfall löste im Königreich eine Diskussion über den Umgang der Polizei mit den Studentenprotesten aus.

Die Royals legten Wert darauf, nahe an der Bevölkerung zu sein und sich nicht abzuschotten, sagte Polizeichef Paul Stephenson. Die Sicherheitsvorkehrungen seien darauf abgestimmt. Die Situation am Donnerstag aber sei extrem schwierig und nicht vorhersehbar gewesen. "Die Beamten, die ihre königlichen Hoheiten beschützten, haben enorme Zurückhaltung bewiesen. Einige von ihnen waren bewaffnet." Er kündigte an, dass es eine vollständige Aufklärung des "schockierenden Vorfalls" geben werde. Die Demonstranten nannte der Polizeichef "Gangster". Mit der Attacke auf den Wagen des Kronprinzenpaares seien die Demonstranten ein hohes Risiko eingegangen. Die Polizei erklärte auch, es sei unklar, ob der Thronfolger und seine Frau bewusst angegriffen worden oder nur zufällig in die Auseinandersetzungen geraten seien. Allerdings gibt es Berichte wonach einige der Angreifer riefen: "Ab mit ihren Köpfen!"

Der Wagen von Prinz Charles und seiner Frau Camilla war am Donnerstagabend auf dem Weg zu einer Benefizveranstaltung angegriffen worden. Dabei wurde auch eine Fensterscheibe im Fond des Wagens zertrümmert, auf dieser Seite saß Charles. Das Paar blieb bei dem Vorfall unverletzt - und trug die Attacke mit Fassung. Als sie im Blitzlichtgewitter aus dem beschmierten Rolls Royce ausstiegen und ins Theater gingen, lächelten die beiden tapfer. Camilla sagte später, es gehe ihr gut. Und: "Es gibt für alles ein erstes Mal."

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Studentenproteste: Aufruhr in London

Foto: CARL DE SOUZA/ AFP

Auch Regierungschef David Cameron verurteilte den Übergriff auf das Thronfolgerpaar als "schockierend und bedauerlich". Die Angreifer würden zur Verantwortung gezogen und "die volle Kraft des Gesetzes" zu spüren bekommen, sagte Cameron in der Nacht zum Freitag.

Studiengebühren sollen drastisch steigen

Studiengebühren

Unterschiedlichen Angaben zufolge demonstrierten 20.000 bis 30.000 Menschen gegen den Gesetzentwurf, wonach die Obergrenze für auf bis zu 9000 Pfund (umgerechnet 10.700 Euro) erhöht wird. Britische Hochschulen könnten somit die Studienbeiträge verdreifachen. Der Beschluss ist Teil des Sparpakets der britischen konservativ-liberalen Regierung, die damit den Schuldenberg des Landes in den Griff bekommen will.

Für die kommenden Wochen stellt sich die Polizei auf weitere Demonstrationen ein, da noch Details der Gebührenreform zur Abstimmung stehen. Die Koalitionsregierung aus Konservativen und Liberaldemokraten setzte mit knapper Mehrheit die ersten Beschlüsse durch. Besonders die Liberaldemokraten stehen bei den Wählern in der Kritik. Sie hatten im Wahlkampf noch versprochen, bei einer Erhöhung der Studiengebühren nicht mitzumachen. Auch innerhalb der Partei gibt es deshalb Streit. Weniger als die Hälfte der liberalen Abgeordneten stimmten der Erhöhung der Studiengebühren zu. Auch sechs Konservative stimmten dagegen.

mmq/AFP/dpa
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