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"Stuttgart 21": Protest gegen den Abrissbagger

Foto: Uwe Anspach/ dpa

"Stuttgart 21" Polizei holt Demonstranten vom Bahnhofsdach

Die Besetzung des Stuttgarter Hauptbahnhofs ist beendet. Polizisten haben die Gegner des umstrittenen Bahn-Projekts "Stuttgart 21" vom Dach des Gebäudes geholt - jetzt geht der Abriss weiter.

Stuttgart - Der Bagger rollt wieder. Wenige Stunden nach dem Ende der Besetzung des Bahnhofsgebäudes wurden am frühen Donnerstagabend die Abrissarbeiten für "Stuttgart 21" fortgesetzt. Die Polizei hatte zuvor den Weg frei gemacht: Spezialkräfte holten die Demonstranten am Nachmittag vom Dach. Die Aktion verlief ohne Zwischenfälle, die sieben Besetzer wurden in Gewahrsam genommen.

Am Mittwoch waren die Gegner des "Stuttgart 21"-Projekts auf das Dach des Nordflügels geklettert, nachdem Bagger mit dem Abriss begonnen hatten. Ursprünglich wollten sie das Dach nur verlassen, wenn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) einen Baustopp verhängt hätte.

"Stuttgart 21"

- die Verlegung des Stuttgarter Bahnhofs unter die Erde sowie der Bau einer neuen Bahntrasse zum Flughafen und nach Ulm - gilt als das derzeit größte Infrastrukturprojekt Europas. Die Gegner kritisieren unter anderem die Kosten und warnen vor geologischen Sicherheitsgefahren wegen der vielen unterirdischen Wasservorkommen in Stuttgart.

Heribert Rech, Innenminister in Baden-Württemberg, übte schon vor der Räumung deutliche Kritik an den Demonstranten. Es gehe nicht, "dass Züge behindert, Rettungskräfte gestört, Straßen blockiert und die Innenstadt lahmgelegt wird", sagte er. "Das hat nichts mehr mit demokratischem Protest zu tun, hier werden die Grenzen eindeutig überschritten."

Die Gegner sollten die demokratischen Entscheidungen zum Bau des Bahnhofs akzeptieren und erkennen, dass ihr Protest viel zu spät komme, Unfrieden und Zwietracht säe. Sie handelten "in höchstem Maß unredlich" und weckten falsche Erwartungen. Die Proteste seien in dieser Form und Schärfe unangemessen.

Demonstrationen halten an

Nachdem bereits am Mittwoch nach Polizeiangaben 6000 Menschen - laut Veranstalter der Demonstration 12.000 Menschen - gegen den Beginn der Abrissarbeiten demonstriert hatten, setzten sich die Proteste auch am Donnerstag fort.

Genaue Angaben zur Teilnehmerzahl konnte der Polizeisprecher nicht machen. Zwischenzeitlich seien aber Straßen und Kreuzungen besetzt gewesen. Auf dem Bahnhofsvorplatz verharrten unterdessen erneut Hunderte Demonstranten, die Zufahrtswege für Baufahrzeuge bis Freitag blockieren wollten.

Die Aktionen werden der Polizei zufolge zunehmend aggressiver. Feuerwehr und Sanitäter wurden bei einem Rettungseinsatz bedrängt und behindert. "Die Proteste haben damit ihren friedlichen Charakter verloren und die Grenzen des zivilen Ungehorsams überschritten", sagte der Polizeisprecher. Die Polizei ist inzwischen durchgängig mit mehreren hundert Beamten im Einsatz. Nach Angaben des Sprechers wurden neben den Besetzern neun weitere Demonstranten vorübergehend festgenommen, ihnen werde unter anderem Nötigung und Beleidigung vorgeworfen.

can/AFP/ddp/dpa
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