Suche nach den Terroropfern Vermutlich 5000 Tote

Noch graben die Rettungskräfte unverdrossen in den Trümmern des World Trade Center. Doch von Stunde zu Stunde schwinden die Hoffungen weiter, noch Überlebende zu finden. Immer mehr deutet darauf hin, dass die 5000 Menschen, die zurzeit vermisst werden, bei den Terroranschlägen ums Leben kamen.


Die Trümmer des WTC: Mehr als 5000 Menschen werden noch vermisst
DPA

Die Trümmer des WTC: Mehr als 5000 Menschen werden noch vermisst

New York/Berlin - New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani veröffentlichte am Sonntag eine Liste mit 180 bestätigten Todesopfern, darunter 115 identifizierte. Die Zahl der Vermissten in dem gigantischen Trümmerberg des World Trade Centers wurde auf 5097 beziffert. Wie ein Fernsehsender berichtete, gelang es den Rettungsmannschaften seit drei Tagen nicht, Überlebende zu bergen.

In der offiziellen Zahl der New Yorker Toten sind die 92 Insassen der American-Airlines-Boeing und die 65 der United-Maschine enthalten. Nach dem Absturz eines American-Jets auf das Pentagon wurden den bisherigen Ermittlungen 188 Menschen vermisst; darunter die 64 Flugzeuginsassen. Beim Absturz der entführten United-Maschine in Pennsylvania wurden 45 Menschen getötet. Nach diesem Zwischenstand muss mit dem Tod von 5353 Menschen am vergangenen Dienstag gerechnet werden.

Verbleib unklar: 270 Deutsche

Das Auswärtige Amt in Berlin dementierte US- Medienberichte, nach denen die meisten der ausländischen Opfer Deutsche seien. CNN hatte zuvor von noch 550 vermissten Deutschen in New York berichtet. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes teilte am Sonntag mit, derzeit sei der Verbleib von 270 Deutschen noch nicht geklärt. Dies bedeute aber nicht, dass all diese Menschen vermisst würden.

Das Außenministerium führt seit dem Anschlag eine ständig aktualisierte Liste, auf der diejenigen deutschen Bürger notiert werden, deren Aufenthaltsort im Raum New York unbekannt ist. Sobald sich ein Betroffener meldet, wird er von der Liste gestrichen. Noch am Freitag waren 600 Personen registriert, zu denen bis dahin kein Kontakt aufgenommen werden konnte. Die Zahl wurde täglich kleiner. Das Ministerium arbeite "weiter unter Hochdruck daran, diese Zahl auf eine verlässliche Angabe einzugrenzen", sagte die Sprecherin.

Bis Sonntag war damit lediglich der Tod von vier Deutschen bei den Terroranschlägen bestätigt. Sie saßen in den entführten Passagierflugzeugen, die die Selbstmordattentäter am Dienstag als fliegende Bomben benutzt hatten.

Auf der Suche nach Angehörigen
AP

Auf der Suche nach Angehörigen

Für einige New Yorker Familien ist die Angst zur Gewissheit geworden. Von den geborgenen Todesopfern wurden bis zum Sonntag 115 identifiziert. In der Hoffnung noch Überlebende zu finden, setzen die Rettungstrupps bisher nur leichtes Gerät ein - mit der Folge, dass weniger Schutt vom Unglücksort entfernt wird, als dies möglich wäre. Bisher wurden an vier Tagen rund 10.000 Tonnen Material weggefahren. Der Schuttberg ist nach diversen Schätzungen 450.000 bis 1,25 Millionen Tonnen schwer. Sollte sich die Menge des täglich abtransportierten Materials an Beton, Stahl und Dreck nicht kräftig steigern lassen, dauerten die Aufräumarbeiten länger als ein Jahr an.

Noch länger dürfte es dauern, wenn möglichst jede einzelne Leiche geborgen werden soll. In diesem Fall dürfte man nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" nicht mehr als 1000 Tonnen Schutt am Tag wegschaffen. Wegen des bald einsetzenden Verwesungsgeruch an der Unglücksstelle wird man auf die Einzelbergung der Toten wohl verzichten.

Anti-Terror-Mahnmal oder neues WTC?

Die Vorstellung, dass die Toten einfach auf irgendwelchen Lastwagen weggekarrt werden und auf irgendeiner Abraumhalde landen, ist jedoch schrecklich. Daher gibt es offenbar die Idee, eine Beton- oder Erdmantel über den ganzen Trümmerberg zu ziehen und den Terroropfern so ein Denkmal setzen. Ob sich diese Idee ausgerechnet in Manhattan, dem Wirtschaftszentrum der USA, durchsetzen lassen wird, ist mehr als fraglich. Die wohl realistischere Variante äußerte kürzlich ein Helfer, der vor der Kamera sagte: "Lasst uns einen neues World Trade Center bauen, noch viel größer und besser als das alte."



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