Suche nach Kriegsgrund US-Geheimdienst bezweifelte Existenz von Saddams Chemiewaffen

Was auch immer den Ausschlag für den Beginn des Feldzuges gegen Saddam Hussein gegeben hat – der amerikanische Geheimdienst hatte zumindest noch im September Zweifel an der Existenz chemischer und biologischer Waffen im Irak.

Washington - Es gebe keine "zuverlässigen Informationen" über chemische Waffen, heißt es in einer Studie der Defense Intelleigence Agency (DIA), des militärischen Geheimdienstes der USA. Auch der Umfang biologischer Waffen sei ungewiss. Dies berichteten am Freitag mehrere US-Medien.

"Es gibt keine zuverlässige Information darüber, ob der Irak chemische Waffen herstellt und lagert oder ob der Irak Produktionsstätten für chemische Waffen eingerichtet hat oder einrichten wird", heißt es in dem Bericht nach Angaben amerikanischer Medien. Das Land besitze aber "möglicherweise" verbotene Chemikalien. Es habe mutmaßlich auch biologische Stoffe, die für Waffen benutzt werden könnten. Ihr Umfang und Zustand seien aber ungewiss.

Der Bericht zeige, dass es bedeutend mehr Unsicherheit über die Bedrohung durch Bagdad gegeben habe, als von der Regierung seinerzeit behauptet worden sei, sagte der Waffenspezialist Kenneth Katzmann der Agentur Bloomberg.

Die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen war von der US-Regierung als Hauptgrund für den Irak-Krieg genannt worden. Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gaben sich am Donnerstag überzeugt, dass die Suche nach Waffen im Irak noch zum Erfolg führen werde.

Als weitgehend unbrauchbar bezeichnete Uno-Chefinspektor Hand Blix das Geheimdienstmaterial über die angeblichen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein. "Wir haben zahlreiche Anlagen in Irak untersucht, die uns von Geheimdiensten genannt wurden. Nur in drei davon fanden wir überhaupt etwas, und auch das hatte nichts mit Massenvernichtungswaffen zu tun", sagte Blix dem Fernsehsender BBC.

Er halte es aber nach wie vor für möglich, dass noch irakische Massenvernichtungswaffen existieren. "Ich möchte nicht ausschließen, dass sie noch etwas finden", sagte Blix. "Ich glaube, ich wäre nicht überrascht darüber."