SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

31. Mai 2014, 20:30 Uhr

Christin im Sudan

Zum Tod verurteilte Mutter soll doch freigelassen werden

Zwei Jahre sollte Mariam Jahia Ibrahim Ishak noch für ihr Neugeborenes sorgen dürfen, dann wegen der Ehe mit einem Christen sterben. Doch nun will der Sudan die 27-Jährige freilassen - angeblich, um die Religionsfreiheit zu schützen.

Khartum - Vor wenigen Tagen erst brachte sie ihr zweites Kind im Gefängnis zur Welt, nun winkt der sudanesischen Todeskandidatin Mariam Jahia Ibrahim Ishak plötzlich die Freiheit. Die Behörden wollen die 27-Jährige in die Freiheit entlassen. Ein ranghoher Vertreter des Außenministeriums sagte mehreren Nachrichtenagenturen zufolge, dass der Sudan die Religionsfreiheit schütze und zum Schutz der Frau verpflichtet sei. Eine weitere Bestätigung für die geplante Freilassung gibt es bisher aber nicht.

Ein Gericht in der Hauptstadt Khartum hatte Ishak vor zwei Wochen wegen Abfalls vom islamischen Glauben zum Tod durch Erhängen verurteilt. Kurz nach dem Richterspruch brachte die junge Frau Anfang der Woche im Gefängnis eine Tochter zur Welt - ihrem Ehemann zufolge war sie dabei angekettet. Auch ihr 20 Monate alter Sohn soll mit der jungen Frau in der Zelle gelebt haben.

David Cameron nannte den Vorgang "barbarisch"

International hatte der Fall für Schlagzeilen gesorgt. Zahlreiche Unterstützerseiten im Internet fordern die Freilassung der Inhaftierten. Amnesty International hat sich eingeschaltet, Human Rights Watch bezeichnete den Fall als Beispiel "drakonischer Intoleranz". 620.000-mal wurde im Netz eine Petition für Mariam Jahia Ibrahim Ishak unterzeichnet.

Auch aus Europa gab es Unterstützung für Ishak. Der britische Premier David Cameron bezeichnete die Behandlung der zweifachen Mutter laut der Nachrichtenagentur AP als "barbarisch", sein Amtsvorgänger Tony Blair sprach von einer "brutalen und widerlichen Entstellung von Gläubigkeit".

Ishak war von ihrer Mutter christlich-orthodox erzogen worden, nachdem ihr muslimischer Vater die Familie verlassen hatte. Die Anklage des Ehebruchs wurde erhoben, weil sie 2011 einen Christen geheiratet hatte. In der sudanesischen Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts, darf eine Muslimin keinen Christen heiraten - ansonsten wird eine solche Ehe als Ehebruch gewertet.

mxw/AP/AFP/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung