Scharia im Sudan Gericht verurteilt Christin zum Tod

Sie lebt als Christin, doch ihr Vater war Muslim - deshalb gilt Mariam Jahia Ibrahim Ishak im Sudan als Muslimin. Weil sie ihren Glauben nicht verleugnen wollte, ist sie nun zum Tod verurteilt worden.


Hamburg - Wegen Gotteslästerung ist Mariam Jahia Ibrahim Ishak im Sudan zum Tode verurteilt worden. Der Christin wurden "Ehebruch" und "Apostasie", also der Abfall vom Islam, vorgeworfen. Zurzeit sitzt die 27-Jährige mit ihrem 20 Monate alten Sohn hinter Gittern. Sie ist hochschwanger.

Ein Richter in Khartum verurteilte die Christin zum Tod durch Erhängen. "Wir haben Ihnen drei Tage gegeben, um zu widerrufen, aber Sie haben darauf beharrt, nicht zum Islam zurückzukehren", sagte Richter Abbas Mohammed al-Chalifa. Demonstrativ nannte er die Angeklagte bei ihrem muslimischen Namen. Wegen des Ehebruchs erhöhte das Gericht das Urteil um hundert Peitschenhiebe.

Der Fall hat international Empörung ausgelöst. Amnesty International hatte einen dringenden Appell für die umgehende Freilassung gestartet: "Mariam Jahia Ibrahim ist eine gewaltlose politische Gefangene, die allein wegen ihrer religiösen Überzeugung und Identität schuldig wurde", heißt es in dem Aufruf der Menschenrechtsorganisation.

Ehebruch und Apostasie als Straftaten zu behandeln, widersprechen den internationalen Menschenrechtsabkommen wie dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, der vom Sudan ratifiziert wurde. "Die Kriminalisierung von Ehebruch verstößt gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit, und ihre Umsetzung stellt eine ausnahmslose Diskriminierung von Frauen dar", erklärt Amnesty.

Botschaften forderten Kurswechsel

Die Frau wurde im August 2013 festgenommen. Wie es dazu kam, beschreibt Amnesty so: Ein Familienangehöriger soll behauptet haben, dass sie sich mit der Heirat eines südsudanesischen Christen des Ehebruchs schuldig gemacht habe. Nach dem im Sudan geltenden Gesetz der Scharia ist es Musliminnen nicht erlaubt, einen Andersgläubigen zu heiraten.

Das Gericht fügte im Februar 2014 die Anklage wegen Apostasie hinzu, nachdem Ischak versichert hatte, dass sie keine Muslimin, sondern als orthodoxe Christin aufgewachsen sei. Ihre Mutter war Christin, ihr Vater Muslim. Nach sudanesischem Recht gilt sie daher selbst als Muslimin - auch wenn ihr Vater nach ihren Angaben nie zu Hause war und sie daher von ihrer Mutter als Christin erzogen wurde.

Auch ausländische Botschaften haben sich bereits zu Wort gemeldet: Die Regierung solle den Kurs wechseln, fordern die Botschaften der USA, Großbritanniens, Kanadas und der Niederlande. "Wir rufen die Regierung im Sudan dazu auf, das Recht auf Religionsfreiheit zu achten, inklusive des Rechts, den Glauben zu ändern", zitiert CNN das Statement.

vek/AFP



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