Machtwechsel in Khartum Sudans Militär stürzt Staatschef Baschir

Sudans Armee hat Staatspräsident Omar al-Baschir nach 30 Jahren an der Macht gestürzt und festgenommen. Das verkündete Verteidigungsminister Ahmad Awad Ibn Auf in einer TV-Ansprache.

Omar al-Bashir (r.)
REUTERS

Omar al-Bashir (r.)


Als sich Omar al-Baschir im Sudan an die Macht putschte, stand die Berliner Mauer noch: Seit Juni 1989 hatte er sein Land diktatorisch regiert, nun ist er am Ende: Das Militär hat den Staatschef abgesetzt.

Ahmed Awad Ibn Auf, Vizepräsident und Verteidigungsminister, verkündete den Sturz des Präsidenten in einer TV-Ansprache. Die Sicherheitskräfte hätten Baschir "an einem sicheren Ort" festgesetzt.

In den nächsten zwei Jahren werde ein Militärrat das Land regieren, verkündete Ibn Auf. Am Ende dieser Übergangsperiode sollen Wahlen stattfinden. Die Verfassung sei so lange ausgesetzt. Die Armee verhängte zudem einen dreimonatigen Ausnahmezustand. Der Luftraum über dem Land bleibe für die nächsten 24 Stunden gesperrt, sämtliche Grenzübergänge sollen bis auf weiteres geschlossen werden. Ab 22 Uhr gelte eine tägliche Ausgangssperre.

Jahrelang führte Baschir als Staatsoberhaupt und Oberkommandierender der Streitkräfte einen Bürgerkrieg gegen die Aufständischen im christlich-animistischen Südsudan. Erst 2005 schlossen beide Seiten einen Friedensvertrag, der 2011 zur Unabhängigkeit des Südsudan führte.

Rücksichtslos schlugen Milizen mit Billigung Baschirs ab 2003 eine Sezessionsbewegung in der Provinz Darfur nieder. Deshalb erließ der Internationale Strafgerichtshof vor zehn Jahren Haftbefehl wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen gegen Baschir. Es war der erste Haftbefehl des Strafgerichtshofs gegen einen amtierenden Staatschef.

Doch die Anklage in Den Haag konnte Baschir ebenso wenig anhaben wie Proteste gegen seine Herrschaft im Zuge des Arabischen Frühlings 2011. Zwar hatte er damals angekündigt, bei der Präsidentschaftswahl 2015 nicht wieder anzutreten, allerdings nahm er diese Zusage später wieder zurück.

Im Dezember 2018 erhob sich eine neue Protestbewegung gegen den Diktator. Sie brachte Woche für Woche mehr Demonstranten auf die Straße, am vergangenen Wochenende umstellten sie das Hauptquartier der Armee. Für das Militär war das offenbar das Signal, den Staatschef abzusetzen.

syd/Reuters/AP



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