SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

17. Juli 2019, 14:45 Uhr

Vertrag unterzeichnet

Militär und Opposition einigen sich auf Machtteilung im Sudan

Seit dem Sturz von Sudans Diktator Baschir im April klammerte sich die Armee an die Macht. Jetzt kann die zivile Opposition einen Durchbruch feiern: Beide Seiten unterschrieben eine Einigung.

Nach monatelangen Unruhen im Sudan mit Hunderten Toten haben das Militär und die Opposition eine Einigung über die Bildung einer Übergangsregierung unterschrieben.

Das Dokument wurde in Khartum von Vertretern des militärischen Übergangsrats (TMC) und des Oppositionsbündnisses Deklaration für Freiheit und Wandel unterzeichnet. Damit beginne eine neue Ära der Zukunft Sudans, sagte ein Vermittler der Afrikanischen Union.

Die Übereinkunft sieht vor, dass ein elfköpfiger Souveränitätsrat die Macht übernimmt, in dem Zivilisten eine Stimme Mehrheit haben. Dieser Rat soll dann eine Expertenregierung bestimmen, bis es in spätestens drei Jahren zu Wahlen kommen kann.

Am Freitag soll zudem eine Verfassungserklärung unterzeichnet werden. Darin soll dann die künftige Aufgabenverteilung zwischen Souveränitätsrat und Expertenregierung festgeschrieben werden.

Seit die Armeeführung im April Diktator Omar al-Baschir stürzte, regiert im Sudan das Militär. Baschir hatte das Land im Nordosten Afrikas fast drei Jahrzehnte lang brutal beherrscht. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste und eine Sitzblockade in Khartum vorausgegangen.

Seit dem Umsturz ringen zivile Aktivisten mit der TMC, dessen Generäle nahezu alle zur alten Garde Baschirs gehören, um eine Übergabe der Macht. Ein erster Versuch scheiterte Anfang Juni, als der Militärrat ein Protestlager der Demonstranten vor dem Armeehauptquartier in Khartum gewaltsam räumte. Dabei töteten Sicherheitskräfte mehr als hundert Menschen und vergewaltigten Dutzende Frauen. Anfang Juli gab es bei Demonstrationen wieder zahlreiche Tote.

Vor knapp zwei Wochen hatten beide Seiten dann eine Einigung über Sudans Zukunft erzielt. Dann allerdings hieß es, ein Teil der Armee habe am Donnerstag versucht, gegen die Führung des militärischen Übergangsrats zu putschen. Unklar blieb, ob es den Umsturzversuch wirklich gab oder ob Teile der Armee damit nur eine Einigung auf eine Machtteilung verzögern wollten.

mfh/cht/dpa/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung