Durchbruch in Khartum Sudans mächtiger Militärrat dankt ab

Ist das der Aufbruch in eine bessere Zukunft? Im Sudan hat der Militärrat seine Abschaffung gebilligt, ein neuer Regierungschef wird bald ernannt. Jetzt müssen alle Seiten den Deal mit Leben füllen.

Höchster Besuch bei der Unterzeichnung: Abiy Ahmed (l.), Äthiopien, Idriss Deby, Tschad, Salva Kiir, Südsudan, Uhuru Kenyatta, Kenia. Im Vordergrund: Abdel Fattah al-Burhan (r.), Anführer der Proteste, und die Militärs al-Burhan und "Hemedti"
Ebrahim Hamid/ AFP

Höchster Besuch bei der Unterzeichnung: Abiy Ahmed (l.), Äthiopien, Idriss Deby, Tschad, Salva Kiir, Südsudan, Uhuru Kenyatta, Kenia. Im Vordergrund: Abdel Fattah al-Burhan (r.), Anführer der Proteste, und die Militärs al-Burhan und "Hemedti"

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Als sich Militär und Opposition im Juli auf eine Teilung der Macht im Sudan einigten, waren vor allem die zivilen Kräfte und die vielen Demonstranten auf der Straße skeptisch, ob es der Armee diesmal wirklich ernst ist.

Nun haben sich der militärische Übergangsrat (TMC) und Vertreter der Zivilgesellschaft auf eine Übergangsregierung in dem ostafrikanischen Land verständigt. Am Sonntag wird der Militärrat TMC aufgelöst, noch im August soll dann das Kabinett für die kommenden drei Jahren stehen.

Vier Monate nach dem Sturz von Diktator Umar al-Baschir, der den Sudan fast drei Jahrzehnte lang brutal beherrscht hatte, endet damit in Kürze die Herrschaft der Militärs in Khartum.

Die Armee hatte Diktator Bashir im April nach monatelangen Protesten und Blockaden abgesetzt. Anschließend rangen zivile Kräfte und Militärs jedoch weiter um die Macht, die Demonstranten hielten eine Blockade des Armeehauptquartiers aufrecht.

Bei zwei blutigen Zwischenfällen starben in den Wochen danach Hunderte: Anfang Juni hatten Einheiten des berüchtigten Generals Mohamed Hamdan Daglo, genannt Hemedti, das Protestlager in den Morgenstunden angegriffen und Dutzende getötet. Einen Monat später meldete die Armee einen angeblichen Putschversuch, wieder starben viele Zivilisten.

Hemedti: "Werden uns an jeden Buchstaben halten"

Nun scheint es so, als könnte dem Sudan womöglich der Aufbruch weg von einer Militärdiktatur gelingen: Wird der Zeitplan eingehalten, tritt Mitte der Woche Abdalla Hamdok, ein Ökonom, als Premierminister der neuen Regierung an.

Ökonom, bislang Uno-Funktionär und designierter Regierungschef: Abdalla Hamdok
Gabriel Dusabe/ imago images

Ökonom, bislang Uno-Funktionär und designierter Regierungschef: Abdalla Hamdok

Ausgewählt haben ihn die zivilen Vertretern der Kräfte für Frieden und Wandel (FFC). Die weiteren zehn Ministerposten bestimmen je zur Hälfte das Militär und die FFC.

Entscheidend wird sein, ob die Militärs sich an den Geist des Abkommens halten. Hermetik, Anführer der Sondereinheit RSF und Vize-Chef des bald obsoleten Übergangsrats, sichert das in einem Interview mit der BBC am Samstag zu: "In Übereinstimmung mit dem Abkommen werden wir uns an jeden einzelnen Buchstaben halten, den wir vereinbart haben." Der Sudan trete nun in eine neue Phase ein, und diese Phase erfordere "ehrliche Absichten und loyale Akteure".

Damit sagt er, was von ihm an so einem Tag erwartet wird. Doch auch ohne den Militärrat als Machtzentrum werden die Männer in Khaki wohl ein einflussreicher Faktor bleiben. Nur wenn Hemedti und die anderen Armeeführer es mit den nun gemachten Zusagen ernst meinen, hat der Sudan eine Chance auf echten Wandel.



insgesamt 4 Beiträge
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WilhelmTell 17.08.2019
1. Naja....
...man muss nun schauen, zu welcher Seite sich die Machthaber zuwenden. Zur Seite von "Freiheit und Demokratie" der USA (Ironie) oder zur Seite der (leider oft einseitigen) wirtschaftlichen Entwicklung (Indien / China). Auf jeden Fall wird dieses Land nicht zur Ruhe kommen, wie jedes Land in Afrika, das Rohstoffe hat.....
schorsch_69 17.08.2019
2. Och Joh!
"Ist das der Aufbruch in eine bessere Zukunft?" - ganz ehrlich, wie grottentief blöde ist die Journallie eigentlich? Als ob sich jemals in der Historie eines Landes Afrikas etwas wesentlich zum Wohle der Einwohner geändert hat, nachdem sich dort irgendwelche Machtverhältnisse verändert haben!
tafelsilber 17.08.2019
3. Afrika ist nicht Afrika
In Liberia und Sierra Leone hat sich sehr wohl etwas zum guten gewandelt. Wie es im Sudan läuft, bleibt abzuwarten.
juba39 18.08.2019
4. Erinnern hilft
Habe gerade nochmal nachgelesen. Die Unabhängigkeit des Südsudan 2011, besser wäre Abspaltung, geschah nicht ohne aktives Zutun des Auslandes, besonders des westlichen. Wie schrieb damals schon die BGB? Durch "zügige Anerkennung" des Südens wolle Deutschland zur Stabilität in der Region beitragen. Obwohl damals schon Experten warnten. Das Öl im Süden, unter christlicher Regie, die benötigte Infrastruktur im muslimischen Norden. Das MUSS scheitern. Das Leben hat nur wieder einmal bestätigt. Überall dort, wo der Westen hilft, Demokratie nach unseren Vorstellungen einzuführen, bleibt Chaos zurück. Was am Beispiel Sudan wieder bestätigt wurde.
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