Militärmachthaber im Sudan "Nach heute muss Schluss mit Chaos sein"

Demonstranten im Sudan harren auf ihren Barrikaden aus, sie fordern eine Zivilregierung. Mohamed Hamdan Dagolo, starker Mann der Militärjunta, spricht weiter von Verhandlungen, warnt aber auch vor Chaos.

Demonstrant im Sudan, Barrikaden auf der Straße zum Verteidigungsministerium in Karthum
REUTERS

Demonstrant im Sudan, Barrikaden auf der Straße zum Verteidigungsministerium in Karthum


Die Militärregierung im Sudan hat erklärt, sie sei nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Umar al-Baschir vor drei Wochen auch weiterhin bereit, mit den Anführern der Protestbewegung zu verhandeln. Die Demonstranten hatten den Diktator Baschir mit andauernden Streiks und Kundgebungen und mit Hilfe der Armee am 11. April nach 30 Jahren von der Macht vertrieben.

Am Montag kam es laut Angaben der Militärregierung offenbar zu Gewalt gegen Sicherheitskräfte in mehreren Landesteilen. Dabei seien sechs Menschen auf Seiten der Behörden getötet und 16 weitere Sicherheitsvertreter verletzt worden, sagte der Vize-Chef des Militärrates, Mohamed Hamadan Dagolo.

Die Demonstranten müssten aufhören, Straßen und Bahnlinien zu blockieren, dann sei der Militärrat auch weiter kooperationsbereit. "Wir sind bereit zu verhandeln, aber nach heute muss Schluss mit Chaos sein", sagte Dagolo.

Die Armeeführung um General Abdel Fattah al-Burhan gab dem Druck der Protestbewegung bereits teilweise nach: Am vergangenen Samstag einigten sich beide Seiten auf die Bildung eines gemeinsamen Regierungsgremiums, in dem auch Zivilisten vertreten sein sollen. Dem will Burhan selbst vorstehen, verkündete Generalleutnant Salah Abdelkhalik. "An der Spitze des neugeformten Rates wird der Chef des Militärrates stehen."

Außerdem gab der Militärrat einer Forderung des sudanesischen Gewerkschaftsbundes nach und akzeptierte den Rücktritt von drei hochrangigen Mitgliedern ihres Rates. Omar Zain al-Abideen, Jalal al-Deen al-Sheikh und Al-Tayeb Babakr Ali Fadeel wurde vorgeworfen, sie hätten zur Zeit des Aufstands die Gewalt gegen die Demonstranten organisiert und seien für Dutzende Tote verantwortlich.

Trotz der Einigung vom Samstag blockieren immer noch Tausende Demonstranten das Armeehauptquartier in Khartum. Die Militärführung gab bekannt, sie "habe nichts" gegen die Protestierenden und werde "niemals Gewalt gegen sie anwenden". Viele der Demonstranten wollen erst gehen, wenn eine Zivilregierung an der Macht ist.

cht/Reuters/AFP

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