Mindestens zwei Tote Tausende protestieren im Sudan

Im Sudan protestieren tausende Menschen wegen wirtschaftlicher Probleme des Landes. In zwei Städten wurde der Ausnahmezustand verhängt; mindestens zwei Menschen starben. Die Proteste gehören zu den schlimmsten seit 2013.

Feuer bei Protesten in Atbara, Sudan
REUTERS

Feuer bei Protesten in Atbara, Sudan


Am zweiten Tag in Folge brachen in einer Reihe sudanesischer Städte gewalttätige Proteste gegen die Regierung aus. In Sudans Hauptstadt Khartum setzte die Polizei Tränengas ein, um Hunderte Protestierende zu trennen. In Al-Qadarif im Osten des Landes sind laut offiziellen Angaben zwei Menschen bei den Protesten gestorben.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters teilten Beamte einem lokalen Fernsehsender mit, dass sogar acht Menschen gestorben seien. Mindestens 20 Demonstrierende seien festgenommen worden.

Am Mittwoch hatte ein Mob in Atbara das örtliche Hauptquartier der Regierungspartei von Präsident Umar al-Baschir in Brand gesetzt. Daraufhin verhängten die Behörden in der Stadt den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass laut Aussagen eines Beamten auch in Al-Qadarif der Ausnahmezustand und nächtliche Ausgangssperren verhängt worden seien.

Grund für die Proteste sind Preiserhöhungen und Inflation: Nach wochenlangen Engpässen erhöhten die Behörden den Brotpreis um das Dreifache auf etwa sechs US-Cents. Der Preis für eine Reihe von Basisprodukten ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen und hat die Inflation auf mindestens 60 Prozent erhöht.

Unterstüzer des Oppositionspolitikers Sadiq al-Mahdi in Khartum
REUTERS

Unterstüzer des Oppositionspolitikers Sadiq al-Mahdi in Khartum

Die derzeitigen Proteste fielen mit der Rückkehr des Oppositionspolitikers Sadiq al-Mahdi in den Sudan zusammen. Er war das letzte frei gewählte Regierungsoberhaupt des Landes und am Mittwoch in den Sudan zurückgekehrt. Seine Regierung war 1989 bei einem von Bashir angeführten Militärputsch von gestürzt worden. Seit fast einem Jahr lebte er im Exil. Tausende Anhänger begrüßten ihn bei seiner Rückkehr am Mittwoch.

Seit 2013 gab es nicht mehr so schlimme Proteste im Sudan. Damals gingen Massen gegen Subventionskürzungen auf die Straße. Viele forderten eine neue Regierung - eine seltene Forderung in einem von Armee und Sicherheitsdiensten beherrschten Staat.

Die sudanesische Wirtschaft erholt sich nur schwer von dem Verlust von drei Vierteln ihres Ölertrags, seit sich der Südsudan mit den meisten Ölfeldern im Jahr 2011 abspaltete.

mal/AP/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.