Nach Militärputsch Sudans neuer Präsident vereidigt

Sudans Militär festigt seine Macht nach dem Putsch: Als Nachfolger des gestürzten Langzeitdiktators Umar al-Baschir wurde dessen bisheriger Verteidigungsminister Awad Ibn Auf als Präsident vereidigt.

Ahmed Awad Ibn Auf
ASHRAF SHAZLY / AFP

Ahmed Awad Ibn Auf


Die EU und die USA haben nach dem Sturz von Sudans Präsident Umar al-Baschir eine rasche Übergabe der Regierungsverantwortung an Zivilisten gefordert. Nur ein "glaubwürdiger und inklusiver politischer Prozess" könne den Erwartungen der sudanesischen Bevölkerung gerecht werden und zu den notwendigen politischen und wirtschaftlichen Reformen führen, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Dazu müsse die Macht schnell an eine zivile Übergangsregierung übergeben werden.

Auch die USA riefen die neuen Machthaber auf, Zivilisten an der Regierung zu beteiligen. "Die sudanesische Bevölkerung sollte bestimmen, wer sie in Zukunft führt", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington.

Baschirs bisheriger Verteidigungsminister Awad Ibn Auf wurde jedoch am Abend als Präsident des militärischen Übergangsrates vereidigt. Ibn Aufs Stellvertreter wurde Generalstabschef Gamal Abdel-Maruf, wie der sudanesische Staatsrundfunk berichtete.

Opposition ruft zu Demonstrationen auf

Der Übergangsrat soll dem Militär zufolge zwei Jahre im Amt bleiben und Wahlen vorbereiten. Doch das Oppositionsbündnis Erklärung von Freiheit und Wandel, das Massenproteste gegen al-Baschir organisiert hatte, lehnt das Vorhaben der Militärs ab. Es fordert ebenfalls eine Übergangsregierung und ruft die Bürger auf, ihre Proteste fortzusetzen. Der militärische Übergangsrat vertrete keinen Wandel, erklärte das Bündnis in Khartum. "Wir rufen unser großes Volk auf, ihre mutigen Sit-ins vor dem Hauptquartier der Streitkräfte fortzusetzen." In allen Städten sollten die Menschen auf den Straßen bleiben.

Das Militär verhängte für einen Monat eine Ausgangssperre jeweils ab 22 Uhr Ortszeit bis 4 Uhr morgens. Viele Demonstranten hielten sich aber am Donnerstagabend nicht daran.

Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Auslöser war eine Erhöhung der Benzin- und Brotpreise gewesen. Am Ende blockierten Demonstranten die Militärzentrale und Residenz al-Baschirs mit einer Sitzblockade. Tausende wurden festgenommen. Einem Ärzteverband zufolge kamen mindestens 21 Menschen um.

Al-Baschir hatte sich 1989 unblutig an die Macht geputscht. Trotz eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofes wegen Massakern im Ostsudan reiste er wiederholt ins Ausland. Der Sudan mit etwa 40 Millionen Einwohnern gehört zu den 25 ärmsten Länder der Welt.

als/dpa/AFP



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-facebook-10000015195 12.04.2019
1. Nach dem Diktator ist vor dem Diktator
Das ist in vielen afrikanischen Ländern leider ein historisch gewachsenes Problem. Nachdem die Europäer ihre Kolonien aufgaben und die Bevölkerung allein ließen, konnten sich viele Warlords an die Spitze bringen. Das Problem ist immer nur, sobald einer gestürzt wird, rutscht einfach der nächste nach.
Nandiux 12.04.2019
2. Nicht verallgemeinern.
Es gibt mittlerweile auch einige afrikanische Staaten, wo die Demokratie ganz gut funktioniert und akzeptiert ist. Richtig ist, dass manche Länder unter einem autoritären Regime politisch stabiler waren/sind als nach einem Putsch. Was aber nur funktioniert, wenn gleichzeitig auch eine solide Wirtschaftsstruktur aufgebaut wird. Sonst gehen die Leute aus Hunger und Not auf die Straße und alles geht von vorne los. Zudem sollt es wirklich zeitlich begrenzt sein.
wannbrach 12.04.2019
3.
Trotzt des Ölreichtums ist das Land unterentwickelt und das liegt an den hohen Kosten der Armee und der herrschenden Korruption die jeden Fortschritt zu Nichte macht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.