Sudan Proteste gegen Präsidenten - Polizei setzt Tränengas ein

Seit fast einem Monat protestiert die Opposition im Sudan gegen den Präsidenten des Landes. Die Polizei geht gewalttätig gegen sie vor - dabei sollen mindestens zwei Menschen getötet worden sein.
Proteste im Sudan im Dezember 2018

Proteste im Sudan im Dezember 2018

Foto: Sudanese Activist/ AP

Die Polizei in Sudans Hauptstadt Khartum hat Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt, um erneute Proteste der Opposition zu verhindern. Dabei seien mindestens zwei Menschen getötet worden - ein Kind und ein Arzt - berichteten ein unabhängiger Ärzteverband und Angehörige. Zudem seien mehr als zehn Menschen verletzt worden.

Hunderte Demonstranten forderten im Zentrum Khartums den Rücktritt des seit knapp 30 Jahren regierenden Präsidenten Omar al-Baschir. Die Polizei feuerte unter anderem Tränengas in eine Menge Hunderter Demonstranten, die zum Präsidentenpalast marschierten. Die Demonstranten riefen Parolen wie "Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit". Ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa beobachtete mehrere Festnahmen.

Der nordostafrikanische Sudan befindet sich derzeit in einer schweren Wirtschaftskrise. Wegen einer sehr hohen Inflationsrate haben die Menschen zuletzt deutlich an Kaufkraft verloren. Die Proteste dauern seit rund vier Wochen an und wurden ursprünglich durch eine Erhöhung der Brot- und Ölpreise ausgelöst.

Bis Anfang Januar waren der Regierung zufolge bereits mehr als 800 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen worden. Nach amtlichen Angaben wurden bei den Kundgebungen bisher 24 Menschen getötet. Menschenrechtsgruppen sprechen dagegen von mindestens 45 Todesopfern.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, zeigte sich angesichts der "exzessiven Gewalt" bei der Unterdrückung der Proteste besorgt. "Eine Niederschlagung kann die Klagen der Menschen nur verschlimmern", sagte sie.

Auch das Europaparlament verurteilte die blutige Unterdrückung der Proteste im Sudan: Die Regierung in Khartum müsse den willkürlichen Festnahmen, der Inhaftierung und Folter friedlicher Demonstranten ein Ende setzen, verlangte das Parlament in einer Entschließung.

mal/dpa/AFP/Reuters
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