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25. Juni 2007, 07:55 Uhr

Sudan

Rice wirft internationaler Gemeinschaft Versagen in Darfur vor

Zehntausende Tote, Millionen Vertriebene - seit Jahren tobt in der westsudanesischen Provinz Darfur ein mörderischer Konflikt. Zu lange habe die Welt dem Töten tatenlos zugesehen, räumt nun US-Außenministerin Rice ein. Sie wirft der internationalen Gemeinschaft vor, versagt zu haben.

Paris - Es sei nicht gelungen, das Töten zu stoppen, sagte Condoleezza Rice gestern Abend vor einem Außenministertreffen in Paris, bei dem es um die dramatische Lage in der Krisenregion Darfur gehen sollte. "Ich denke nicht, dass die internationale Gemeinschaft ihrer Verantwortung dort wirklich gerecht geworden ist", erklärte die US-Außenministerin auf einer Pressekonferenz mit ihrem französischen Amtskollegen Bernard Kouchner. Die Weltgemeinschaft müsse nun den Sudan dazu zwingen, eine internationale Friedenstruppe für die Krisenregion zu akzeptieren.

Der Sudan hatte unlängst nach monatelangem Zögern einer Stationierung von Uno-Friedenssoldaten in Darfur zugestimmt. Demnach könnten 20.000 Soldaten und Polizisten einer gemeinsamen Truppe der Uno und der Afrikanischen Union in der westsudanesischen Provinz stationiert werden. Viele Diplomaten bezweifeln jedoch, dass sich der Sudan an seine Zusagen hält.

Rice warnte die sudanesische Regierung, neue Bedingungen für den Einsatz der Uno-Friedenstruppe zu stellen. Zugleich begrüßte die US-Außenministerin die Ankündigung der neuen französischen Regierung für eine verstärkte Zusammenarbeit zur Lösung des Darfur-Konflikts. Frankreich hat vorgeschlagen, auch die Flüchtlingslager im Tschad mit einer kleinen internationalen Einheit zu sichern.

In Darfur gehen arabische Milizen mit offenkundiger Duldung der Regierung gegen sudanesische Stämme vor. Schätzungen zufolge kamen in dem Konflikt mehr als 200.000 Menschen ums Leben, 2,5 Millionen wurden vertrieben. Der Sudan spricht von 9000 Toten.

phw/AP/Reuters

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