Revolution im Sudan Sicherheitskräfte schießen auf Demonstranten - zwei Tote

Im Sudan hat das Militär offenbar mit Gewalt ein Camp von Demonstranten aufgelöst. Dabei seien in der Nacht zwei friedliche Demonstranten erschossen worden, twittert ein sudanesischer Ärzteverband.

Sit-in nahe des Armeehauptquartiers am 22. Mai
AMEL PAIN/EPA-EFE/REX

Sit-in nahe des Armeehauptquartiers am 22. Mai


Im Sudan hat das regierende Militär offenbar damit begonnen, eine Protestkundgebung Tausender Demonstranten vor dem Armeehauptquartier aufzulösen.

Der an der Spitze der Proteste stehende Berufsverband SPA erklärte, der Militärrat habe einen "Versuch" gestartet, den Platz vor dem Armeehauptquartier in der Hauptstadt Khartum "gewaltsam" zu räumen. Die Demonstranten fordern eine zivile Regierung für den Sudan.

Auch das Zentralkomitees der sudanesischen Ärzte, das während der seit Jahresbeginn andauernden Protesten Nothilfe leistet und der Opposition nahesteht, meldete Gewalt gegen Demonstranten. Dabei seien in der Nacht zu Montag zwei friedliche Teilnehmer des Protest erschossen worden, meldet der Ärzteverband.

Im Sudan war Im April nach monatelangen Protesten der Machthaber Umar al-Baschir gestürzt worden, nach 30 Jahren an der Spitze des Landes. Danach hatte ein Militärrat die Führung übernommen.

Bislang hatte die Armee das Protestcamp mit Tausenden Teilnehmern in der Nähe des Armeehauptquartiers geduldet, es war aber wiederholt zu gewaltsamen Übergriffen gekommen. Dafür machten die Protestierenden den früheren Sicherheitsdienst Baschirs verantwortlich. Wie unter dem Diktator hatten Männer Demonstranten mit Pick-ups verfolgt und mit automatischen Waffen mehrere Menschen getötet.

Das Militär will offenbar keine Macht abgeben

Bereits Ende April schickte das Militär erstmals eine Drohung an die Demonstranten, Streiks und Blockaden zu beenden. Mitte Mai hatte sich die Protestbewegung mit dem Militärrat darauf geeinigt, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Unterschrieben wurde das Abkommen aber trotz Ankündigung durch den Militärrat nicht.

Es herrscht offenbar Streit darüber, welche Seite das Übergangsgremium führen soll. Die Demonstranten wollen das Militär aus seiner dominierenden Rolle drängen, das Militär hält offenbar an seinem Machtanspruch fest. Hinzukommt, dass Sicherheitskräfte und Armee selbst stark zersplittert sind.

Zur Gewalt in der vergangenen Nacht sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur AFP, er habe Schüsse gehört und Rauch gesehen. Ein anderer Anwohner sagte, Einsatzkräfte in Polizeiuniformen hätten versucht, eine Straße nahe der Proteste zu räumen.

Der SPA warnte vor einem "blutigen Massaker" und forderte die Sudanesen zu "totalem zivilen Ungehorsam" und neuen Protesten auf, um den Militärrat zu stürzen. Unbestätigten Berichten zufolge begannen Demonstranten in einer Nachbarstadt Khartums am Montag damit, eigentlich geräumte Straßensperren wieder aufzubauen.

cht/dpa/Reuters/AFP

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