Militär meldet Umsturzversuch im Sudan Putsch oder Propaganda?

Aufruhr im Sudan: Nach den blutigen Protesten standen Armee und zivile Kräfte kurz vor einem Deal zur Bildung einer Übergangsregierung. Nun soll es einen Putsch gegeben haben. Was steckt dahinter?
Revolutionäre Street-Art in Khartum, Juli 2019

Revolutionäre Street-Art in Khartum, Juli 2019

Foto: Mohamed Nureldin Abdallah/REUTERS

Die Eilmeldung kam am späten Donnerstagabend: Im sudanesischen Staatsfernsehen verkündete Jamal Omar Ibrahim, Leiter des Sicherheitskomitees des militärischen Übergangsrats (TMC), man habe einen "Putschversuch" vereitelt. 16 mutmaßlich Verantwortliche seien festgenommen worden, der Umsturz abgewendet.

Seit die Armeeführung im April Diktator Umar al-Bashir im April nach knapp drei Jahrzehnten als Diktator abgesetzt hat, regiert das Militär in der Hauptstadt Khartum. Vorausgegangen waren monatelange Massenproteste im ganzen Land, die sich an gestiegenen Lebensmittelpreisen entzündet hatten, aber bald in einer Freiheits- und Demokratiebewegung mündeten.

Viele Proteste, noch mehr Tote - und keine Einigung

Seitdem ringen zivile Aktivisten mit den Militärmachthabern, von denen nahezu alle zur alten Garde Bashirs gehören, um eine Übergabe der Macht:

Die beiden Konfliktparteien hatten einen Deal ausgearbeitet. Dessen Entwurf umfasst zwei Kernpunkte:

  • Der militärische Übergangsrat wird aufgelöst.
  • Eine elfköpfige Administration aus sechs Zivilisten und fünf Militärs übernimmt die Kontrolle über das Land.

Die Militärherrschaft wäre nach der Umsetzung des Deals faktisch zu Ende. Die Menschen feierten den Durchbruch auf den Straßen Khartums überschwänglich.

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Foto: Mohamed Nureldin Abdallah/REUTERS

Doch bevor die Einigung unterschrieben wurde, erklärte die Armee nun, es habe einen Putsch vereitelt. Noch sind die Hintergründe offen. Klar ist nur: Im Militärrat tobt seit Monaten ein Machtkampf zwischen Abdel Fattah Burhan, Chef der Übergangsregierung, und seinem Vize Mohamed Hamdan Dagalo, genannt Hemedti.

Dieser führt die besonders brutale Eliteeinheit RSF an, die in der Darfur-Region einen Völkermord begangen und das Massaker vor dem Armeehauptquartier in Khartum Anfang Juni verübt hatte. Möglicherweise ist dieser Machtkampf am Donnerstag eskaliert.

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Anhänger der Opposition gehen hingegen von einer Finte der Militärregierung aus. Sie vermuten, diese wolle weiter an der Macht bleiben. "Es gibt bisher keine Beweise für einen Putsch, nur eine Presseerklärung und die Propaganda des Militärrats", sagte Eiman Seifeldin, Oppositionelle und Gründerin der Menschenrechtsorganisation International Crimes Monitor, im Rahmen einer Sudan-Konferenz in Berlin.

Am Samstag soll der Deal unterschrieben werden

"Es ist nicht das erste Mal, dass die Armee einen Putschversuch meldet und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Immer wenn eine Einigung mit der Opposition kurz bevorsteht, kommt angeblich ein Putschversuch." Seifeldin sieht darin den Versuch des Militärs, ein Klima der Angst und Unsicherheit zu erzeugen. "Sie wollen das Bild vermitteln, dass der Sudan ohne eine Militärregierung in Chaos versinkt."

Ursprünglich war der Donnerstag als Tag der Unterzeichnung vorgesehen, dann kam der angebliche Putschversuch. Nun hat der Sudan-Vermittler der Afrikanischen Union, Mohamed Al-Hacen Lebatt, öffentlich versichert, am Samstag werde die Einigung unterschrieben.

Kommt es so, wäre das ein Durchbruch. Doch nach Monaten des Kampfes, zahlreichen Rückschlägen und vielen Toten wird die Opposition diesmal erst feiern, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.

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