Sudans Präsident Gerüchte um Baschirs Flucht aus Südafrika

Ist Umar Hassan al-Baschir noch in Südafrika? Oder ist er vor einer Festnahme geflüchtet? Erst verfügte ein Gericht sein Ausreiseverbot, dann gab es widersprüchliche Meldungen über seinen Verbleib.

Sudans Präsident Umar al-Baschir: Wegen Völkermords gesucht
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Sudans Präsident Umar al-Baschir: Wegen Völkermords gesucht


Der wegen Völkermordes mit internationalem Haftbefehl gesuchte sudanesische Präsident Umar Hassan al-Baschir hat möglicherweise Südafrika verlassen.

Am Sonntagmorgen, wenige Stunden zuvor, hatte ein Gericht in Pretoria verfügt, dass Baschir das Land vorerst nicht verlassen dürfe. Die Anwältin einer südafrikanischen Menschenrechtsvereinigung hatte dies bekannt gegeben.

Am Sonntagabend dann meldete der Finanznachrichtendienst "Bloomberg" unter Berufung auf den sudanesischen Informationsminister Ahmed Bilal Osman, Baschir habe Südafrika verlassen und sei auf dem Rückweg in die sudanesische Hauptstadt Karthum. "Der Präsident hat seine Geschäfte in Südafrika beendet und kommt zurück nach Hause", wird Osman nach einem Telefonat zitiert. Ein Sprecher des südafrikanischen Regierung sei für eine Stellungnahme jedoch nicht zu erreichen gewesen.

Eine gute Stunde später meldete derselbe Nachrichtendienst, Baschir sei von Reportern auf dem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in Johannesburg gesehen worden. Auch die Deutsche Presseagentur meldete, seine Teilnahme sei zwar nicht offiziell bestätigt worden, er ist jedoch auf dem sogenannten Familienfoto der Staats- und Regierungschefs zu sehen. Dieses wurde am Sonntag gemacht.

Staatschefs auf dem Gipfel der Afrikanischen Union am Sonntag in Johannesburg: Baschir ist der Vierte von rechts in der ersten Reihe.
AFP

Staatschefs auf dem Gipfel der Afrikanischen Union am Sonntag in Johannesburg: Baschir ist der Vierte von rechts in der ersten Reihe.

Die Menschenrechtsgruppe South African Litigation Centre hatte am Samstagabend einen Eilantrag eingereicht, um zu erreichen, dass die südafrikanische Regierung den vom Internationalen Strafgerichtshof gesuchten Baschir festnimmt. Der Konflikt in Darfur hat UN-Schätzungen zufolge seit 2004 etwa 300.000 Menschenleben gekostet. Mehr als 2,5 Millionen Menschen flohen vor der Gewalt.

Richter Hans Fabricius erklärte, Baschir müsse in Südafrika bleiben, bis das Gericht am Montagmorgen über seine Festnahme befinde. Jeder einzelne Grenzkontrollpunkt müsse informiert werden, dass Baschir Südafrika unter keinen Umständen verlassen dürfe, sagte Fabricius.

Video: Umar al-Baschir beim Gipfeltreffen der AU

kbl

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Seite 1
llych2001 14.06.2015
1. Viel Glück dabei !
Das wäre ein großartiger Coup. Ab nach Den Haag mit ihm.
Halfstep 14.06.2015
2. Entweder extrem unprofessionell - oder ...
Falls er wirklich abgehauen ist, wäre das seeehr unprofessionell: Man hätte ihn natürlich seit der Quasi-Ankündigung seiner Verhaftung gut beobachten müssen. Wenn nicht, dann wäre das eine große Dummheit, die ich (ausgerechnet) den südafrikanischen Behörden eigentlich nicht zutraue. Auch nicht, dass die sich mit einfachen Mitteln austricksen lassen ... Anderer Erklärungsansatz: Aus den Augen, aus dem Sinn. Keine diplomatischen Verwicklungen (evtl. hat da wer Druck gemacht?). "Sorry, wir haben uns ja bemüht - aber leider ist er uns durch die Lappen gegangen."
gandhiforever 14.06.2015
3. Problematisch
Wenn dem Diktator die Einreise mit einem Diplomatenpass gestattet wurde, dann verstoesst suedafrika gegen das wiener Abkommen, wenn es ihn verhaftet. Ganz unabhaengig davon, dass der Mann es sicher verdient hat, in Den Haag antreten zu muessen, sollten dennoch diplomatische Gepflogenheiten nicht mit Fuessen getreten werden. Sonst sollte man sich nicht wundern, wenn iregendwelche Regime sich ebenfalls nicht mehr daran halten.
Meconopsis 14.06.2015
4. Man merke sich...
nicht der Richter Hans Fabricius regiert Südafrika, sondern immer noch Staatspräsident Jacob Zuma und das Parlament nebst Regierung. Ich würde mal davon ausgehen, dass der sudanesische Präsident irgendwie Südafrika verlassen und heil in Khartum ankommen wird. Alles andere wäre eine echte Überraschung. Ich persönlich hätte kein Problem damit.
worldalert11 14.06.2015
5. Bloß nicht entkommen lassen
Die Assads, Kim Jong Uns und mittlerweile auch Putins dieser Welt halten sich eh an kein Gesetz, da kann man die Samthandschuhe ruhig ausziehen. Das ist die wohl letzte Chance, ihn zu erwischen. Also, Freiflug nach Den Haag!
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