Südafghanistan Verbündete planen Großangriff auf die Taliban

Der Westen hat sich geschworen, das Taliban-Problem zu lösen - jetzt kommt es zur Schlacht: Gemeinsam mit afghanischen Einheiten sollen Tausende Isaf-Soldaten die Aufständischen aus der Unruheprovinz Helmand vertreiben. Militärs rechnen mit einer der größten Offensiven seit Beginn des Einsatzes.

Angriff in Helmand: Tausende Soldaten sollen das Gebiet von den Taliban zurückerobern
REUTERS

Angriff in Helmand: Tausende Soldaten sollen das Gebiet von den Taliban zurückerobern


Kabul - Auf der Londoner Konferenz haben sich die westlichen Verbündeten geschworen, bei ihrem Kampf gegen die Taliban in Afghanistan mehr Entschlossenheit zu zeigen. Einerseits sollen Mitläufer von den Extremisten "weggekauft" werden, andererseits sollen Aufständische kompromisslos bekämpft werden. Jetzt beginnt die Staatengemeinschaft mit der Umsetzung des zweiten Teils der Strategie: Im Süden des Landes bereiten sich Tausende Soldaten auf einen Großeinsatz gegen die Taliban vor. Die Provinz Helmand gilt als Hochburg der Aufständischen.

Nach Angaben von Nato-Sprecher Eric Tremblay sollen an der Offensive Tausende afghanische Soldaten, mehrere tausend Isaf-Soldaten und mindestens tausend afghanische Polizisten beteiligt sein. Damit handelt es sich um eine der größten Militäraktionen seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes im Jahr 2001. Es gehe darum, die Aufständischen aus der Gegend zu vertreiben, die Gebiete unter die Kontrolle der Regierung in Kabul zu stellen und den Menschen vor Ort Alternativen anzubieten, sagte Tremblay.

Laut dem Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul, Mohammed Sahir Asimi, sollen afghanische Sicherheitskräfte die Offensive in der Unruheprovinz leiten. Wann die Aktion startet, sagte er zunächst nicht. Es wird jedoch damit gerechnet, dass sie bereits in wenigen Tagen in der Region Mardscha beginnen könnte. Zuletzt hatten die USA im vergangenen Jahr im Bezirk Garmser eine Großoffensive internationaler und afghanischer Truppen gegen die Taliban angeführt.

Bei einem Sprengstoffanschlag im Süden Afghanistans wurden unterdessen zwei US-Soldaten getötet. Die Internationale Schutztruppe Isaf teilte am Mittwoch mit, der Anschlag habe sich bereits am Dienstag ereignet.

Nach Angaben des unabhängigen Internetdienstes icasualties.org sind seit Jahresbeginn bereits mindestens 47 ausländische Soldaten in Afghanistan gewaltsam ums Leben gekommen. Das vergangene Jahr war das bislang verlustreichste für die internationalen Truppen seit Beginn des Einsatzes Ende 2001. Bei Anschlägen und Gefechten wurden mehr als 450 Soldaten getötet.

Anschlag auf pakistanische Mädchenschule

Drei US-Soldaten wurden am Mittwoch auch im Nordwesten Pakistans getötet. Taliban zündeten neben einer Mädchenschule einen Sprengsatz - dabei kamen sieben Menschen ums Leben. Unter den Toten waren auch drei Kinder. 45 Menschen wurden verletzt.

Die Radikalislamisten drohten mit weiteren Attentaten auf US-Bürger. Die drei getöteten amerikanischen Soldaten zählten zu einer kleinen Einheit, die pakistanische Grenzwächter in der Region ausbilden. Sie wollten an der Eröffnungsfeier der Schule teilnehmen. Die Taliban haben mehrfach Anschläge auf Mädchenschulen verübt. Während ihrer Herrschaft in Afghanistan hatten sie die Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen massiv eingeschränkt.

ler/AFP/dpa/Reuters



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akolyth2 23.01.2010
1. Zusammenarbeit
Dies ist vollkommen undenkbar. Eine Erhöhung der Militärpräsenz und eine Ausweitung der militärischen Maßnahmen in Zahl, Intensität und Härte sind die einzigen angezeigten Mittel.
Panslawist 23.01.2010
2.
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Gestern Russlands Mahnung zur Bekämpfung der Finanzierung des Terrorismus und heute die Frage nach einer Zusammenarbeit mit den Taliban. Der geneigte Forist mag sich an meine Voraussage bezüglich des kommenden Konflikts zwischen der Nato auf der einen und Russland und China auf der anderen Seite erinnern. Ein möglicher Konflikt zwischen Pakistan und Indien wird der beginn für den grossen Kriegt sein.
Peter Uhlemann 23.01.2010
3.
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Eindeutig ja. Um diesen unseligen Krieg endlich zu beenden und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle leben können, müssen alle Kräfte in Afghanistan eingebunden werden, auch die "Taliban". Die "Taliban" zu vernichten wird nicht gelingen, nicht heute, nicht morgen, nicht in 100 Jahren.
natterngesicht 23.01.2010
4.
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Ja was denn sonst? Schließlich gibt es genug gemäßigte Taliban. Der Westen kann nichts von oben bestimmen, die einheimischen Politiker und Eliten sind zuständig. Und dazu gehören nun mal die Taliban (übersetzt heißt Taliban: Theologe, jemand der sich in Glaubensdingen anstrengt bzw bemüht. Quasi ein Theologiestudent. "Freedom & democracy" ist nur eine andere Theologie. Der Islam hat natürlich bessere Karten bei den Einheimischen.)
natterngesicht 23.01.2010
5.
Zitat von Peter UhlemannEindeutig ja. Um diesen unseligen Krieg endlich zu beenden und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle leben können, müssen alle Kräfte in Afghanistan eingebunden werden, auch die "Taliban". Die "Taliban" zu vernichten wird nicht gelingen, nicht heute, nicht morgen, nicht in 100 Jahren.
Wer die Taliban vernichten will, der will die meisten Afghanen vernichten. Warum sollte das jemand wollen, außer vielleicht Bush, der wußte, wer oder was böse ist.
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