Gewerkschaftsstreit in Südafrika Dutzende Tote nach Polizeieinsatz in Platinmine

In Südafrika haben Polizisten das Feuer auf streikende Minenarbeiter eröffnet. Dabei kamen mehr als 30 Menschen ums Leben. Die Minenbetreiber halten den Streik für illegal. Reporter vor Ort berichten von einem Massaker.

REUTERS

Marikana - Bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und streikenden Arbeitern einer südafrikanischen Platinmine in Marikana sind am Donnerstag mehr als 30 Menschen getötet worden. Zudem seien zahlreiche Menschen verletzt worden, sagte Polizeiminister Nathi Mthethwa am Freitag im Radio. Die Polizei eröffnete nach eigenen Angaben "in legitimer Selbstverteidigung" das Feuer auf eine Gruppe von Arbeitern, als die Beamten mit Schusswaffen angriffen wurden.

Vertreter der Gewerkschaften sprachen von noch mehr Opfern: Sie gaben die Zahl der Toten mit 36 an. "Wir sind bestürzt über diese Toten", sagte der Generalsekretär der landesweiten Bergarbeitergewerkschaft NUM, Frans Baleni, im Radio. Bei dem Streik geht es vor allem auch um Differenzen zwischen zwei Gewerkschaften: NUM und AMCU. Sie streiten, wer mit dem Minenbesitzer über Löhne verhandeln soll.

"Wir sind geschockt und bestürzt über diese sinnlose Gewalt", sagte Präsident Jacob Zuma.

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Platinmine in Südafrika: Tödlicher Streik
Ultimatum zurückgewiesen

Polizeisprecher Dennis Adriao sagte, die streikenden Arbeiter hätten ein Ultimatum des Bergwerkbetreibers, der ihnen mit Entlassung drohte, zurückgewiesen. Die Männer hätten sich geweigert auseinanderzugehen. Die mit Macheten, Schusswaffen und Eisenstangen bewaffneten Arbeiter hätten die Polizei angegriffen, der daher keine Wahl geblieben sei, als selbst das Feuer zu eröffnen, sagte Adriao.

Auch Polizeiminister Mthethwa berichtete von Schusswaffen in den Händen der Streikenden. Die Menge sei auf die Polizei vorgerückt, als diese einen Absperrung mit Stacheldraht errichtete. Für Streiks, Märsche und Demonstrationen gebe es Gesetze, sagte Mthethwa. Illegale Streiks wie dieser führten zu einer "schrecklichen Situation für alle in der Gemeinde". Mthethwa wies darauf hin, dass die Polizei über drei Tage mit den Streikenden verhandelt habe.

Örtliche Medien sprachen am Freitag vom "Marikana Massaker". In dem Konflikt hatte es bereits Anfang der Woche zehn Tote gegeben. Auslöser war der Streit zwischen der NUM und der kleineren AMCU um den Streik, mit dem die Mitglieder der Splittergewerkschaft ein Verdreifachung ihres Lohns erreichen wollten.

Bereits im Januar war es zu ähnlichen gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Daraufhin war eine Mine von Impala Platinum für sechs Wochen geschlossen worden. Der Bergbau in Südafrika ist ohnehin geschwächt, seit Jahrzehnten fehlt es an Investitionen.

ler/AFP/dpa



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Seite 1
Litajao 17.08.2012
1. Zur Klarstellung noch eine Frage?
Zitat von sysopREUTERSIn Südafrika haben Polizisten das Feuer auf streikende Minenarbeiter eröffnet. Dabei kamen mehr als 30 Menschen ums Leben. Die Minenbetreiber halten den Streik für illegal. Reporter vor Ort berichten von einem Massaker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850540,00.html
Es wurden also mehr als 30 Menschen getötet. Die Polizei sagt, dass sie sich nur verteidigt habe, (und dies mit Maschinengewehren, wie man auf einem Bild sehen kann). Meine Frage nun zur Klarstellung des Sachverhaltes: "Wieviel Polizisten wurden getötet oder verletzt?
pseudokater 17.08.2012
2. -
Zitat von LitajaoEs wurden also mehr als 30 Menschen getötet. Die Polizei sagt, dass sie sich nur verteidigt habe, (und dies mit Maschinengewehren, wie man auf einem Bild sehen kann). Meine Frage nun zur Klarstellung des Sachverhaltes: "Wieviel Polizisten wurden getötet oder verletzt?
Womit würden sie sich denn verteidigen wenn tausende Menschen mit Macheten, Prügeln und Schusswaffen "protestieren" und Kriegslieder anstimmen? Einstimmig wird berichtet das die Polizei Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt haben (Sehen sie sich das Video von Reuters an, dort erkennt man was passiert ist) und die Gewerkschafter darauf mit Schüssen reagiert haben und auf die Polizisten gestürmt sind. Bisher wurden 2 Polizisten bei den Auseinandersetzungen getötet. Und hätten sie den Mob nicht niedergeschosen wären es garantiert mehr gewesen. Protest ist etwas anderes, als das was dort geschieht.
Litajao 17.08.2012
3. Vielen Dank!
Zitat von pseudokaterWomit würden sie sich denn verteidigen wenn tausende Menschen mit Macheten, Prügeln und Schusswaffen "protestieren" und Kriegslieder anstimmen? Einstimmig wird berichtet das die Polizei Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt haben (Sehen sie sich das Video von Reuters an, dort erkennt man was passiert ist) und die Gewerkschafter darauf mit Schüssen reagiert haben und auf die Polizisten gestürmt sind. Bisher wurden 2 Polizisten bei den Auseinandersetzungen getötet. Und hätten sie den Mob nicht niedergeschosen wären es garantiert mehr gewesen. Protest ist etwas anderes, als das was dort geschieht.
Vielen Dank für diese Informationen! Aber woher wissen Sie denn dies Alles?
Xangod 17.08.2012
4. optional
Ich glaube, daß was die da auf dem einen Bild auf der LKW-Ladefläche aufgepflanzt haben ist kein Maschinengewehr mehr, sondern eine richtige Maschinenkanone mit satten 2cm Kaliber. Krass, daß dort die "Polizei" so etwas hat. Eigentlich eine reine Kriegswaffe. Nur ein paar Warnschüsse damit sollten ausreichen, um jeden Pistolen- oder Gewehrschüssen zur Räson zu bringen.
Hotte Hitzig 17.08.2012
5.
Zitat von LitajaoVielen Dank für diese Informationen! Aber woher wissen Sie denn dies Alles?
Dafür hätten Sie nur deas Posting lesen müssen. Im Ernst: Ich verachte Gewalt und auch wie mit dem Menschen dort in Afrika umgegangen wird. Auch unterstütze ich eine gerechte Entlohnung der Bergarbeiter, darum geht es aber nicht. Das Problem ist hier IMHO das sich dort immer sofort bis an die Zähne bewaffnet wird. Wenn ich auf Polizisten schieße oder sie mit Macheten auf sie los stürme, sollte ich mir ausrechnen können was passiert. Wenn ich Polizist wäre und ein bewaffneter Mob auf mich zu stürmt, würde ich mich auch zur Wehr setzen. Waffen auf beiden Seiten, Agressionen ohne Ende..... Irgendeiner schießt immer als erster und dann gehts rund.
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