Debakel für den ANC Südafrikas Wähler strafen Regierungspartei ab

Südafrikas allmächtige Regierungspartei ANC galt als unangreifbar. Bei Kommunalwahlen ist sie nun abgestürzt. Das liegt vor allem am selbstherrlichen Präsidenten Jacob Zuma.

Jacob Zuma, Präsident von Südafrika
REUTERS

Jacob Zuma, Präsident von Südafrika


Südafrika hat gewählt, und das voraussichtliche Ergebnis ist ein politisches Erdbeben.

Seit Ende der Apartheid 1994 regiert in dem Land - mit Ausnahme der Region um Kapstadt - fast überall der Afrikanische Nationalkongress (ANC). Die Partei, aus der auch Südafrikas erster frei gewählter schwarzer Präsident Nelson Mandela hervorging.

Bei den landesweiten Kommunalwahlen am Mittwoch haben die Wähler den ANC und damit die Partei des Präsidenten Jacob Zuma deutlich abgestraft: Vielerorts büßte der ANC die absolute Mehrheit ein, in manchen Gegenden verlor die Partei verglichen mit 2011 mehr als zehn Prozentpunkte. Die Auszählung der Wahl vom Mittwoch wird live im Internet veröffentlicht. Die endgültigen Ergebnisse werden für Freitagnachmittag erwartet.

Landesweit liegt der ANC, der bislang bei keiner großen Wahl weniger als 60 Prozent holte, demnach nur noch bei rund 50 Prozent. In mehreren Metropolen zog die bisherige Opposition am ANC vorbei.

Schuld am Absturz des ANC ist vor allem der Präsident des Landes.

Jacob Zuma eilte in den ersten zwei Jahren seiner zweiten Amtszeit von einem Skandal zum nächsten. Binnen vier Tagen wechselte er zweimal den Finanzminister aus. Studenten trieb er mit Studiengebührenplänen auf die Barrikaden. Sein protziges Anwesen ließ Zuma auf Staatskosten renovieren, einen Swimmingpool deklarierte er zum Löschwasserbecken. Erst nach langem Hin und Her willigte er ein, einen Teil der Summe an die Staatskasse zurückzuzahlen.

Zehntausende Menschen gingen bei #ZumaMustFall-Protesten gegen den Präsidenten auf die Straße, ganz vorn dabei viele der 1,3 Millionen Studenten. Sie gaben Zumas ANC nun auch an der Wahlurne die Quittung für seine Politik.

Es ist ein Debakel für den ANC, von dem die Oppositionsparteien Democratic Alliance (DA) und Economic Freedom Fighters (EFF) profitieren. Die DA legte in vielen Kommunen zweistellig zu. Die linksradikale EFF unter ihrem umstrittenen "Oberbefehlshaber" Julius Malema trat zum ersten Mal bei Regionalwahlen an und erreicht mancherorts ebenfalls zweistellige Resultate. In zwei der neun Provinzen wurden die Linksradikalen mit 15 und 16 Prozent sogar zweitstärkste Kraft hinter dem ANC.

Mehr als 95 Prozent der Stimmen sind mittlerweile ausgezählt, in der Metropolregion Nelson Mandela Bay konnte die DA offenbar den ANC als stärkste Kraft ablösen. In Johannesburg mit seinen 4,4 Millionen Einwohnern sind die Verluste des bislang allein regierenden ANC besonders krass: Die Partei verlor mit 17 Prozentpunkten mehr als ein Viertel ihres Stimmenanteils 2011. von 2011. Momentan liegen ANC und DA mit rund 41 Prozent fast gleichauf. Die EFF holte aus dem Stand zehn Prozent und könnte damit, wie auch andernorts, zum Königsmacher werden.

cht

insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
forumgehts? 05.08.2016
1. Erst
wenn Schwarzafrika von Peking gesteuert wird, kann man mit der dortigen Bevölkerung ernsthaft reden. Deren Gesprächspartner werden allerdings keine Europäer sein.
syssifus 05.08.2016
2. Kein Wunder
wenn sich die Menschen dort schlecht regiert fühlen.Korruption und Postengeschacher blühen im ANC wie nie zuvor und die Kriminalität in der Gesellschaft explodiert regelrecht.Die Machenschaften der ehemaligen "Freiheitskämpfer" erweisen sich als das Gegenteil von den vorher propagierten Idealen.
mds 05.08.2016
3. Zuma zahlt nicht freiwillig!
Von den ca. 250 mio Rand fuer seine Residenz Nkandla zahlt Zuma NUR 7.8 zurueck, und dass auch nur, weil das Gericht so entschieden hat. Er zahlt keinesfalls freiwillig zurueck wie im Artikel beschrieben...
twister13 05.08.2016
4. Seien wir ehrlich
Der ANC ist keine Spur besser als das Apartheid Regime vorher. Im Gegenteil. Die Wirtschaft beschleunigt ihren Sturzflug immer mehr. Mit dem Rand kann man bald die Tapeten bekleben. Die Intellektuellen fliehen in Scharen und der Präsident baut sich eine Protzvilla und heiratet noch eine junge Frau. Nicht dass ich der Apartheid das Wort reden will, aber wenn die Revolution darin besteht dass sich einfach nur andere die Taschen füllen, das Staatswesen den Bach runtergeht, sich die Situation der Schwarzen verschlechtert und dieses Land von einem funktionalen Analphabeten regiert wird, dann sollte man die Revolution doch nochmals überdenken. Ganz Schwarzafrika ist mehr oder weniger eine einzige Katastrophe. Und Nordafrika ist auch nicht besser. Südafrika war immer das ungeliebte aber erfolgreiche Land. Nach der Revolution hat es sich brav in die Katastrophenstaaten eingereiht. Nun von allen geachtet geht es den Weg aller afrikanischen Staaten direkt in die Korruption, Misswirtschaft und Unfähigkeit. Ein verhängnisvoller Weg der Europa irgendwann dann auch noch Flüchtlinge aus dem südlichsten Zipfel dieses Kontinents beschert. Gute Nacht Südafrika.
Konstruktor 05.08.2016
5.
Jetzt muß man hoffen, daß die Wahlen (die ja scheinbar transparent und wohl auch fair waren) jetzt auch reale und hoffentlich im wesentlichen konstruktive Konsequenzen haben, damit die Demokratie in Südafrika vorankommt. Zuma ist offenbar primär ein Populist, der mit dem ANC noch von der Aura seines Vorgängers Mandela zehrt. Gerade bei der DA muß man hoffen, daß die es schafft, wirklich für *alle* Bevölkerungsgruppen zu arbeiten und nicht nur korrupte Klientel-Politik zu machen, wie das offenbar beim ANC immer weiter eingerissen zu sein scheint. Solange die Leute den ANC wirklich wollen, muß das respektivert werden. Wenn das aber nicht mehr der Fall ist, muß auch das respektiert werden. Ich drücke Südafrika die Daumen, daß es dort wirklich möglichst demokratisch weitergeht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.