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25. Juni 2015, 23:43 Uhr

Marikana-Massaker

Kommission fordert Ermittlungen gegen Südafrikas Polizei

Das Massaker von Marikana hat Südafrika tief erschüttert, 34 streikende Minenarbeiter wurden 2012 von der Polizei erschossen. Ein offizieller Untersuchungsbericht empfiehlt nun strafrechtliche Ermittlungen.

Eine falsche Polizeitaktik hat wesentlich zu dem Marikana-Massaker beigetragen, bei dem 34 Minenarbeiter starben. Zu diesem Ergebnis kommt eine offizielle Untersuchung der Ereignisse vom August 2012. Die Beamten hätten die Demonstranten steuern wollen und dabei die Kontrolle verloren.

Die Polizei eröffnete damals das Feuer auf streikende Minenarbeiter in der Stadt Marikana, nordwestlich von Johannesburg. Die Behörden sprachen von Notwehr, doch Augenzeugen berichteten von einem geplanten Einsatz.

Eine von der Regierung eingesetzte Kommission untersuchte jahrelang die Geschehnisse und stellte nun ihren Abschlussbericht vor. Sie empfiehlt strafrechtliche Ermittlungen gegen die Polizei. Die politische Führung sei indes nicht für die Morde verantwortlich.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma bezeichnete das Massaker als "schreckliche Tragödie". "Wir sollten als Nation aus dieser schmerzhaften Erfahrung lernen und eine einheitliche und friedliche Gesellschaft bauen", sagte Zuma.

Die Kommission stellte fest, dass die Minenbesitzer und die Gewerkschaftsführer mehr hätten tun können, um die Konfrontation zu vermeiden. Aber die streikenden Bergleute hätten den Konflikt auch gefördert, sagte Zuma. Hintergrund der Auseinandersetzungen waren unter anderem Differenzen zwischen zwei Gewerkschaften. Es ging darum, wer mit dem Minenbesitzer über Löhne verhandeln soll.

Außerdem bemängelte die Kommission unter dem Vorsitz des mittlerweile pensionierten Richters Ian Farlam, dass es etwa eine Stunde gedauert habe, bis medizinische Hilfe kam.

Der Bericht der Untersuchungskommission liegt Präsident Zuma bereits seit März vor. Erst jetzt wurden erste Ergebnisse bekannt. Einige Betroffene demonstrierten in Pretoria. Sie forderten die vollständige Veröffentlichung des Berichts.

kbl/AP/Reuters

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