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17. August 2007, 12:13 Uhr

Südafrika

Ex-Polizeiminister kommt mit milder Strafe für Mordversuch davon

Freiheitsstrafen, aber nur auf Bewährung: Wegen eines Mordversuchs vor 18 Jahren sind ein südafrikanischer Ex-Polizeiminister aus der Apartheid-Ära und vier Polizisten verurteilt worden. In Südafrika sorgte der Prozess für große Kontroversen.

Pretoria - Die Strafe ist mild - weil sich Ex-Minister Adriaan Vlok, der ehemalige Polizeichef Johann van der Merwe und drei frühere Polizeioffiziere heute in einer Art Vergleich mit dem Staat vor dem Gericht in Pretoria für schuldig erklärten. Vlok und van der Merwe wurden zu einer zehnjährigen Haftstrafe, die drei Anderen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Alle Angeklagten müssen die Strafe aber nur verbüßen, wenn sie innerhalb von fünf Jahren straffällig werden sollten.

Ex-Minister Vlok: Milde Strafe
REUTERS

Ex-Minister Vlok: Milde Strafe

Das Verfahren 13 Jahre nach der demokratischen Wende wegen Verbrechen aus der Zeit der Apartheid hatte erregte Debatten ausgelöst. Während Kritiker den fragilen Versöhnungsprozess zwischen Schwarz und Weiß in Gefahr sahen, sprachen die Angehörigen der Opfer von Apartheid-Gräueltaten von einer lange überfälligen Aufarbeitung.

In dem Prozess ging es um einen Giftanschlag gegen den damaligen Generalsekretär des südafrikanischen Kirchenrates, Frank Chikane, der heute als Staatssekretär im Präsidialamt arbeitet. Chikane verlor bei dem Anschlag fast sein Leben. Er hat erklärt, Vlok vergeben zu haben. Der tief religiöse Exminister hatte Chikane im vergangenen Jahr in einer Versöhnungsgeste die Füße gewaschen.

Vlok war von 1986 von 1989 Minister für Recht und Ordnung unter Präsident F.W. de Klerk. Sein Name galt in Südafrika als Synonym für den Terror des Apartheid-Regimes. De Klerk, der 1993 gemeinsam mit Nelson Mandela den Friedensnobelpreis erhielt, hat bestritten, von irgendwelchen Gräueltaten gewusst zu haben.

Die Republik Südafrika hatte einst mit ihren Versöhnungskomitees weltweit Lob und Anerkennung geerntet. All jene, die vor der Kommission geständig waren und politische Motive für ihre Gewalttaten nachweisen konnten, waren amnestiert worden. Jenen, die nur halbherzig oder gar nicht auspackten, war dies aber verwehrt worden. Sie müssen nun ebenfalls mit Strafverfolgung rechnen.

Überlebende Folteropfer sowie Angehörige von Getöteten oder Verschwundenen demonstrierten vor dem Gericht, ebenso wie Familien von Opfern, die bei Bombenanschlägen des ANC getötet worden waren.

flo/dpa/AP

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