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11. Mai 2015, 05:14 Uhr

Demokratische Allianz

Südafrikas Opposition wählt erstmals Schwarzen an die Spitze

Mmusi Maimane ist erst 34 Jahre alt, aber schon jetzt Hoffnungsträger der südafrikanischen Opposition. Nun hat die Demokratische Allianz den "Barack Obama von Soweto" zu ihrem Vorsitzenden gekürt.

Südafrikas wichtigste Oppositionspartei hat erstmals einen Schwarzen zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Die Demokratische Allianz (DA) bestimmte den 34-jährigen Mmusi Maimane zum Nachfolger der bisherigen Parteivorsitzenden Helen Zille.

Der Fraktionsvorsitzende im Parlament galt als klarer Favorit für die Wahl, an der sich 1425 Delegierte aus dem ganzen Land beteiligten. Die Wahl eines Schwarzen an die Parteispitze stärkt die Chancen der Partei, den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) eines Tages an der Macht abzulösen.

Maimane wurde bei einem Parteikongress in Port Elizabeth gewählt. Seine Wahl wurde von den Delegierten mit Jubel und Gesang begrüßt. Die Partei veröffentlichte kein genaues Wahlergebnis.

Maimane wuchs im Township Soweto auf, das eine Hochburg des Widerstands gegen die Apartheid war. Erst 2009 trat der Theologe, der als tief gläubig gilt und regelmäßig in einer konservativen evangelikalen Gemeinde in Johannesburg predigt, der DA bei.

Im Jahr 2014 wurde der wegen seines Talents als Redner manchmal auch der "Barack Obama von Soweto" genannte Politiker mit Unterstützung von Zille zum Fraktionsvorsitzenden im Parlament gewählt. Als Oppositionschef tat Maimane sich mit Kritik an der ANC-Regierung von Präsident Jacob Zuma hervor. Die "Sunday Times" bezeichnete Maimanes Wahl am Sonntag als einen "Meilenstein für die DA und die südafrikanische Politik".

Die Partei war acht Jahre lang von der früheren Journalistin und Anti-Apartheid-Aktivistin Zille geführt worden. Die frühere Bürgermeisterin von Kapstadt ist die Großnichte des Berliner Zeichners und Schriftstellers Heinrich Zille. Ihre Eltern mussten vor den Nazis nach Südafrika fliehen.

Die DA ist eine liberale Partei, die aus einer kleinen weißen Anti-Apartheid-Gruppe hervorging. Bei der Parlamentswahl 2014 kam sie auf 22,2 Prozent der Stimmen.

Sie wird vor allem von Weißen und Coloured gewählt, die jeweils neun Prozent der Bevölkerung in Südafrika stellen. Auch bei der kleinen indischen Minderheit sowie bei Schwarzen, die von dem seit dem Ende der Apartheid 1994 regierenden ANC enttäuscht sind, findet sie Anklang.

syd/AFP/AP

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