Neuer Bürgermeister von Kapstadt Mit Soldaten gegen Gangster

Kapstadt gilt als lebenswerteste Metropole Afrikas. Dabei grassiert die Kriminalität, die Armenviertel gelten als "Killing Fields". Der neue Bürgermeister hat eine einfache aber umstrittene Strategie.
Kapstadts künftiger Bügermeister Dan Plato

Kapstadts künftiger Bügermeister Dan Plato

Foto: Bartholomäus Grill

Daniel "Dan" Plato steht auf der Aussichtsplattform seines Ministeriums, hinter ihm sieht man das prächtige Panorama von Kapstadt, Hochhäuser, den Tafelberg. Bald wird er in ein größeres Büro im Rathaus umziehen und einen noch schöneren Blick auf das imposante Felsmassiv haben: Plato ist der neue Bürgermeister seiner Stadt.

Der 57-jährige Berufspolitiker, bisher Sicherheitsminister der Provinz Westkap, freut sich auf das Amt. Aber er kennt auch die gewaltigen Herausforderungen, die ihn erwarten: ausufernde Kriminalität, Kollaps des Nahverkehrssystems, Wohnungsnot, Wasserkrise.

Im Frühjahr dieses Jahres drohte Kapstadt als erster Millionenmetropole der Welt das Wasser auszugehen. Das gute Image der Stadt war angekratzt, verunsicherte Urlauber aus Europa stornierten Reisen ans Kap.

Eine Gefahr abgewendet, zig Probleme ungelöst

Aber der D-Day, der Tag X, an dem kein Tropfen mehr aus den Hähnen kommt, konnte gerade noch abgewendet werden. "Nach dem guten Winterregen liegt das Schlimmste hinter uns", sagt Plato. "Die Dürre und die leeren Staudämme haben allen die Augen geöffnet. Wir müssen in Zeiten des Klimawandels unsere Lektion lernen." Mittlerweile wurden drei Meerwasserentsalzungsanlagen in Betrieb genommen, die pro Tag sieben Millionen Liter Trinkwasser produzieren sollen.

Die Bürger hätten ihr Verhalten verändert und würden sparsamer mit der kostbaren Ressource umgehen, lobt Plato. Auch er befolgt die neuen Regeln: "Wenn ich dusche, sammle ich das Wasser in einem Kübel und verwende es dann für die Klospülung."

Der Wassernotstand war absehbar. Vor 25 Jahren hatte Kapstadt rund zwei Millionen Einwohner, heute sind es nahezu doppelt so viele. Die Stadtverwaltung hat die drohende Versorgungslücke lange Zeit sträflich ignoriert und erst in letzter Sekunde gehandelt.

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Kapstadt: Es fehlt das Wasser

Foto: Halden Krog/ dpa

Dan Plato will das so nicht stehen lassen. Er war schon einmal Bürgermeister, von 2009 bis 2011 - und habe damals bereits gewarnt. Aber sein Report sei von den zuständigen Behörden nicht beachtet worden und in irgendeiner Schublade verschwunden. "Dann wurde ich abgesetzt."

Zweite Chance für Plato

Nun tritt er zum zweiten Mal an, als Nachfolger von Patricia de Lille, die von den eigenen Parteifreunden der Democratic Alliance (DA) gestürzt worden ist; sie warfen ihr Missmanagement und Verstrickungen in Korruptionsfälle vor, konnten aber bis heute keine stichhaltigen Beweise vorlegen. Monatelang tobten in der Stadtverwaltung Diadochenkämpfe, auch Plato soll an der Demontage seiner Vorgängerin mitgewirkt haben.

Kaum gewählt, übernimmt er de Lilles bewährte Abwehrstrategie: Die Hauptschuld an allen Missständen in Kapstadt wird reflexartig der nationalen Regierung zugeschoben.

Jüngstes Beispiel ist der Zusammenbruch des Personennahverkehrs von Metrorail, einem Ableger der staatlichen Eisenbahngesellschaft. Zeitweise rollten auf der Kapstädter Zentrallinie nur noch acht von 33 Zügen, Zehntausende von Pendlern strandeten jeden Morgen auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen in der City. "Dafür ist die Regierung verantwortlich, sie hat die Bahn jahrelang vernachlässigt", sagt Plato.

Noch viel gravierender sind die Versäumnisse bei der Bekämpfung der Kriminalität. In der jüngsten landesweiten Verbrechensstatistik liegt die Provinz Westkap ganz vorn, hier werden pro Tag im Durchschnitt zehn Menschen ermordet und 19 Sexualverbrechen verübt. Kapstadt ist die Mordhauptstadt Südafrikas, Nyanga, Mfuleni, Elsies Rivier und andere Armenviertel werden als "Killing Fields" bezeichnet. 2016 waren in der Township Philippi East 93 Prozent der Haushalte von Straftaten betroffen.

"Die Gangster haben die Macht übernommen"

Mehr als 130 Banden terrorisieren die Bevölkerung in den verwahrlosten Vororten der Stadt. "Mancherorts haben Gangster die Macht übernommen", räumt Plato ein. Auch darin sieht er ein Versagen der Zentralregierung. "Sie hat Tausende von Polizeireservisten aus den betroffenen Townships abgezogen und eine Spezialeinheit aufgelöst. Dadurch wurden die Schleusen der Drogen- und Bandenkriminalität geöffnet."

Ein korrupter nationaler Polizeichef habe sogar Verbindungen zur Kapstädter Unterwelt gepflegt und sei von Schwerkriminellen gekauft worden. "Wie kann es sein, dass ein Großteil der 40 Feuerwaffen, die jede Woche in Kapstadt konfisziert werden, aus den Beständen der Polizei stammen?" fragt Plato. Vor zwei Jahren gestand ein ehemaliger Polizeioberst, 4200 Gewehre und Pistolen an Zwischenhändler geliefert zu haben, die diese an Gangster weiterverkauften.

Es hat in Kapstadt Tradition, den schwarzen Peter an die Regierung in Pretoria weiterzugeben, das frisch gewählte Stadtoberhaupt macht da keine Ausnahme. Das lenkt von der eigenen Stümperei in vielen Bereichen ab, von der Armutsbekämpfung über die Gesundheitspolitik bis zum Wohnungsbau.

Hinter diesem "Blame Game" steht der Kampf um Wählerstimmen: Die liberale Democratic Alliance hält die Mehrheit im Westkap und in Kapstadt. Sie wird überwiegend von weißen Südafrikanern gewählt und verkauft sich als solide Partei, die angeblich besser regiert als der von korrupten Funktionären dominierte African National Congress (ANC) auf nationaler Ebene.

Vor Amtsantritt umstritten

"Unter der Führung von Dan Plato wird sich gar nichts verbessern", prophezeit Thandi Makasi, die ANC-Fraktionschefin im Stadtparlament. Der Mann sei wenig vertrauenswürdig, weil auch er geheime Deals mit den Gangstern gemacht habe und selbst "im Sumpf schwimmt".

Derweil wächst in den vernachlässigten Vororten der Volkszorn auf die Politiker aller Lager. Die Slumbewohner leiden unter Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität, jede Woche werden Schulkinder entführt, vergewaltigt oder bei Bandenkämpfen erschossen. Sie können es nicht mehr hören, wenn sich untätige und inkompetente Politiker gegenseitig beschuldigen.

"Wir werden uns die Lügen der DA und des ANC nicht mehr gefallen lassen, sie haben beide versagt", erklärte Axolile Notywala. Er ist der Generalsekretär der "Koalition für soziale Gerechtigkeit", einer Basisbewegung in den Townships. In seiner Wutrede nannte er auch Dan Plato beim Namen.

Aber der lässt sich jetzt erst einmal die goldene Kette des Bürgermeisters umhängen. Dann will er aufräumen, und er hat eine einfache Strategie gegen die Gewaltauswüchse: Sicherheitskräfte aufrüsten, Spezialeinheiten bilden, Polizeistationen in den Krisenvierteln massiv verstärken. "Ich bin auch dafür, Soldaten in die Townships zu senden." Plato redet, als seien Teile seiner Stadt im Kriegszustand. Fraglich ist allerdings, ob hier ein Einsatz der Armee die Lösung ist.

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