Südchinesisches Meer China wirft USA Provokation auf See vor

Im Atomkonflikt mit Nordkorea fordert Trump Unterstützung von China. Nun fuhr ein US-Zerstörer durch Gebiete, die von Peking beansprucht werden. Die Regierung gibt sich "sehr verärgert".

USS "John S. McCain" (Archiv 2010)
US NAVY/REUTERS

USS "John S. McCain" (Archiv 2010)


Die Regierung in Peking hat den USA vorgeworfen, mit einem Seemanöver im Südchinesischen Meer bewusst auf Provokation gesetzt und gegen geltendes Recht verstoßen zu haben. Am Donnerstag war der US-Zerstörer "John S. McCain" durch Gewässer in der Nähe der Spratly-Inseln gefahren. Er näherte sich dabei bis auf wenige Seemeilen der Inselgruppe, die von China beansprucht wird.

Die politischen Beziehungen zwischen den USA und China sind derzeit ohnehin angespannt: Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte in der Vergangenheit wiederholt beklagt, Peking tue nicht genug, um Nordkorea von seinen ehrgeizigen Atomplänen abzubringen. Dabei, so Trump via Twitter, könne China "das Problem ganz leicht lösen". China ist der einzig wichtige Verbündete Nordkoreas und setzt in dem Konflikt auf Deeskalation (mehr zu Nordkoreas Freunden und Feinden lesen Sie hier).

Dass die "John S. McCain" nun nahe der Spratly-Inseln kreuzte, wird in Peking als Affront aufgefasst. China sieht dieses Gebiet als seine Hoheitsgewässer an, obwohl es nach einem Urteil des Schiedsgerichtshof von Den Haag keinen Anspruch darauf besitzt. Auch die USA erkennen diesen Anspruch nicht an - wie das Seemanöver nun einmal mehr zeigte.

Im Gebiet der von mehreren asiatischen Ländern beanspruchten Spratlys lässt die chinesische Regierung schon seit Längerem künstliche Inseln aufschütten, um Hafenanlagen und Flugplätze zu bauen. Die USA werfen Peking vor, auf den auf Korallenriffen entstehenden Inseln vor allem militärisch nutzbare Einrichtungen wie Landepisten, Radartürme, Bunker und Geschützstellungen anzulegen (mehr zum Streit im Südchinesischen Meer lesen Sie hier).

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China gibt sich "sehr verärgert"

Unter dem Titel "Freedom of Navigation" ("Fonop") hatte es unter dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama immer wieder ähnliche Operationen in der Region gegeben. Das Manöver der "John S. McCain" am Donnerstag war nun das dritte unter US-Präsident Donald Trump.

Aus dem Außenministerium in Peking hieß es nun, die Operation habe gegen internationale sowie chinesische Gesetze verstoßen und die Souveränität und die Sicherheit Pekings "ernsthaft gefährdet". China sei "sehr verärgert" und werde das Thema mit den Amerikanern besprechen, heißt es in einer Mitteilung der Behörde.

Aus dem Pentagon gibt es bisher keinen Kommentar zu dem Fall. Es teilte lediglich mit, sämtliche Manöver würden in Einklang mit internationalen Gesetzen durchgeführt.

aar/Reuters



insgesamt 69 Beiträge
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GueMue 11.08.2017
1. Trump geht vorbei, Amerika muss bleiben
Die Neigung der Elitejournalisten im Zweifel fuer ehemals unter dem Imperialismus leidende Laender Position zu beziehen bleibt noch eine Weile. Besonders auffaellig, wenn es sich um eher autoritäre Regime handelt. Ausser Tuerkei. Wenn das nur nicht der Wunsch nach Ordnung ist? Die Chinesen betreiben massiven Imperialismus gegen Vietnam, Japan und die Philippinen. Ohne USA wuerde es klappen. Mag man die USA deshalb nicht?
nach-mir-die-springflut 11.08.2017
2. Vienna, Australia
Ist ja schon symbolisch, wenn Papa McCain, nach dem das Boot benannt ist, Krieg machte, den Sohnemann McCain so dringend sucht heute. Die USA also machen Manöver, die die Auslöschung Nordkoreas üben, der Kim lässt daraufhin seine Raketen steigen, mit denen er den USA zeigt, dass er zurückschlagen wird. Oder ist es umgekehrt, nicht die USA sind irre, sondern der Kim, der Weltmachtansprüche hat und der totale Aggressor ist, der den Suizid anstrebt, indem er die USA angreift? China und Russland stehen auf der Seite Nordkoreas, nicht unbedingt, aber bedingt. Trump dagegen tut so, als hätte er nach einem halben Jahr im Amt den Überblick. Man bekommt den Eindruck, ein Ami-Präsident muss erst die Feuertaufe bestehen, um als Präsident anerkannt zu werden, und die heißt, dass er mal was kaputtbomben muss.
karit 11.08.2017
3. Unrecht kann niemals Recht sein!
Haben die Chinesen nichts gelernt von ihren Philosophen und Vordenkern? Bitte unbedingt weiter so machen liebe USA betreffs den von China beanspruchten Inseln, dessen chinesischer Anspruch international überhaupt nicht anerkannt ist! Ich würde jeden Tag was Militärisches vorbei schicken ... !
quark2@mailinator.com 11.08.2017
4.
Darum geht es doch auch eigentlich. Trump hatte doch angesagt, daß er China diese Inseln wegnehmen will.
Flauschie 11.08.2017
5. Leider zeigt auch dieses Beispiel wie sehr eine starke USA noetig ist
China wird immer aggressiver und die USA ist als Gegenpol noetig
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