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Manöver im Südchinesischen Meer: Türkisblaues Wasser, graue Kanonenboote

Foto: Zha Chunming/ AP

Seemanöver von Russland, China, USA Kalter Krieg zwischen Korallen

Es ist eine gewaltige Waffenschau im Südchinesischen Meer: Zwischen Korallenatollen starten Russland und China sowie die Philippinen und die USA gleichzeitig Seemanöver. Offiziell soll der Kampf gegen Piraten trainiert werden. Tatsächlich geht es um Rohstoffe und Handelsrouten.

Washington/Peking/Wladiwostok - Es dürfte in den kommenden Wochen eng werden rund um die Spratly-Inseln. Eigentlich sind es kaum mehr als ein paar Korallenflecken im Südchinesischen Meer, weitgehend unbewohnt, der höchste Punkt der Inselgruppe ragt gerade einmal vier Meter über den Meeresspiegel. Doch nun rauschen gleich zwei Flottenverbände in die entlegene Region: Russland und China planen dort ein gemeinsames Seemanöver, gleiches haben die USA und die Philippinen vor. Es droht ein militärisches Muskelspiel im Pazifik.

Denn so klein die Gruppe aus rund hundert verstreuten Atollen sein mag, so groß ist ihre strategische Bedeutung. Durch das Südchinesische Meer verlaufen wichtige internationale Handelsrouten. Noch brisanter jedoch: Im Meeresboden rund um die Inseln werden große Rohstoffvorkommen vermutet. Da verwundert es kaum, dass sowohl China als auch die Philippinen einen Anspruch auf die Spratly-Inseln erheben. Auch Vietnam, Taiwan, Malaysia und das Sultanat Brunei sind stark interessiert - und auf einzelnen Inselchen militärisch präsent. Seit Jahren schwelt der Konflikt.

Nun wagen Russland und China eine neue, gemeinsame Machtdemonstration. Vier Kriegsschiffe, ein Raketenkreuzer und drei Anti-U-Boot-Schiffe sind seit Sonntag auf dem Weg von Wladiwostok in die Region. Sechs weitere sollen noch folgen. Über mehrere Wochen sollen dort Waffensysteme getestet, gemeinsame Taktiken einstudiert und die Abwehr von Piraten trainiert werden. Die Region ist berüchtigt für regelmäßige Überfälle durch Seeräuber. Gleichzeitig dürfte das Manöver jedoch als Signal in Richtung der Philippinen und USA zu werten sein.

Schließlich hatte US-Präsident Barack Obama erst im November 2011 den asiatisch-pazifischen Raum zum neuen Fokus seiner Außenpolitik erklärt. Militärisch wie wirtschaftlich wollen die USA ihren Einfluss in der Boom-Region ausbauen. Die US-Präsenz in der Gegend habe in seiner Regierung oberste Priorität, betonte Obama während seiner Ansprache beim Gipfeltreffen der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean) in Indonesien mehrfach. Besonders die militärische Entwicklung Chinas wird in Washington misstrauisch beobachtet.

Mit entsprechender Wucht beteiligen sich die USA an der, nach Obamas richtungweisenden Rede ersten Auflage ihres regelmäßig durchgeführten Manövers zusammen mit den Philippinen. "Balikatan 2012" heißt die Aktion, die parallel zur russisch-chinesischen Waffenschau in derselben Gegend stattfindet. "Schulter an Schulter" bedeutet der Titel in Tagalog, der wichtigsten Sprache auf den Philippinen. Rund 6800 Soldaten nehmen teil. Rund zwei Drittel kommen aus den USA, dazu noch etwa 1200 philippinische Männer und Kämpfer aus Japan, Australien und Südkorea. Die Aktion läuft noch bis zum 27. April.

Zwischenfall mit chinesischen Fischerbooten

Wie angespannt die Situation im Südchinesischen Meer derzeit ist, zeigt ein Zwischenfall in der vergangenen Woche. Die philippinische Marine hatte nach eigenen Angaben chinesische Fischereischiffe im Bereich des Scarborough-Riffs westlich des Landes aufgebracht. Diese hatten in den von Manila beanspruchten Gewässern gefischt.

Die Marine wollte die Matrosen festnehmen, doch seien zwei chinesische Aufklärungsschiffe zwischen die Fischer und das philippinische Kriegsschiff "BRP Gregorio del Pilar" gefahren und hätten es blockiert, teilte das Außenministerium mit. Der Konflikt wurde später auf diplomatischer Ebene weitergeführt.

Offiziell bemühen sich beide Lager darum, die politische Symbolik der Parallel-Manöver kleinzureden. "Es gibt für niemanden einen Grund, sich bedroht zu fühlen", sagte US-Marinekommandant Curtis Hill vor dem Beginn der Operation. Zuvor war er nach einer möglichen Reaktion Chinas gefragt worden.

Auch aus Moskau kommen beschwichtigende Worte. Das Manöver sei seit langem geplant und nicht als Antwort oder Reaktion auf irgendetwas zu verstehen, hieß es aus dem Verteidigungsministerium.

jok