Südfrankreich Mehr als 30 Pakistaner in Lastwagen entdeckt

Sie reisten dicht gedrängt: An einer Mautstelle nahe der französisch-italienischen Grenze wurden 30 Menschen aus Pakistan aus einem Lastwagen geholt. Auch Minderjährige waren darunter.


Bei einer Verkehrskontrolle in Südfrankreich sind mehr als 30 Pakistaner entdeckt worden, die sich in einem Lastwagen versteckt hielten. Wie die Staatsanwaltschaft in Nizza mitteilte, wurden sie bei einer Routinekontrolle an einer Mautstelle bei La Turbie nahe der italienischen Grenze aufgespürt.

Die Pakistaner seien an die italienischen Behörden übergeben worden. Unter ihnen sollen auch zwei Minderjährige im Alter von 14 und 15 Jahren gewesen sein, wie es in einem TV-Beitrag des Senders France Info heißt. "Die Leute im Laster waren dichtgedrängt", sagt darin Polizeikommissar Jean Gazan, Chef einer Einheit, die sich mit illegaler Einwanderung befasst.

Der Fahrer des Lastwagens, der ebenfalls aus Pakistan stamme, sei festgenommen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen Ermittler nun prüfen, ob Schleusernetzwerke und Auftraggeber hinter dem Vorfall stehen. Sollte dies nicht der Fall sein, werde der Fahrer des Lastwagens unverzüglich einem Strafrichter vorgeführt und wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung angeklagt.

Fall Essex: Verdacht auf Menschenschmuggel

Erst vor wenigen Tagen hatte eine illegale Einreise nach Europa per Lastwagen ein tödliches Ende gefunden. In der Nacht zum 23. Oktober wurden in einem Industriegebiet östlich von London die Leichen von 31 Männern und acht Frauen in einem Lkw-Kühlcontainer entdeckt. Nach derzeitigen Erkenntnissen der Polizei soll es sich bei den Toten um vietnamesische Staatsbürger handeln.

"Wir glauben, dass die Opfer Vietnamesen sind und stehen in Kontakt mit der vietnamesischen Regierung", teilte die britische Polizei mit. Es gebe "direkten Kontakt" zu einigen Familien in Vietnam und Großbritannien. Die britischen Ermittler hatten die Opfer zunächst für Chinesen gehalten.

Der aus Nordirland stammende Lkw-Fahrer wurde festgenommen, er befindet sich in Untersuchungshaft. Dem 25-Jährigen werden Totschlag, Verschwörung zum Menschenhandel und Geldwäsche zur Last gelegt.

Eine Sprecherin der vietnamesischen Regierung erklärte, Vietnam appelliere an die Länder in der Region, die Zusammenarbeit im Kampf gegen das Schlepperwesen zu verstärken.

Am Freitag hatten die Behörden in der vietnamesischen Provinz Ha Tinh, aus der ein Großteil der Todesopfer stammen soll, zwei Menschen wegen des Verdachts des Menschenschmuggels festgenommen. Den Verdächtigen werde vorgeworfen, in den Fall verwickelt zu sein. Ihr Geschäftsmodell sei es, die Ausreise und den "illegalen Aufenthalt" im Ausland für andere Menschen zu organisieren.

jus/AFP

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