Massenproteste 500.000 Südkoreaner fordern Rücktritt der Präsidentin

Südkorea geht gegen das eigene Staatsoberhaupt auf die Straße. Mehr als 500.000 Demonstranten verlangten in Seoul, dass Präsidentin Park Geun Hye zurücktritt. Ihr wird Vetternwirtschaft vorgeworfen.

DPA

In Südkorea nimmt der Druck auf Präsidentin Park Geun Hye zu, ihr Amt abzugeben. An einer Protestdemonstration im Zentrum der Hauptstadt Seoul beteiligten sich am Samstag mehr als eine halbe Million Menschen. Die Polizei sprach von 220.000 Teilnehmern, die Veranstalter nannte die Zahl 850.000.

Die Menschen waren aus dem ganzen Land angereist. Zug- und Bustickets nach Seoul waren für Freitagabend und Samstagmorgen nur schwer zu bekommen. Die Demonstranten riefen "Tritt zurück", tritt zurück!" Im Zentrum der Affäre steht mit Choi Soon Sil eine Freundin Parks, die sich ohne offizielle Funktion massiv in die Regierungsgeschäfte eingemischt haben soll.

Vetternwirtschaft und Korruption

Zwei öffentliche Entschuldigungen Parks für die Korruptionsaffäre um ihre Vertraute Choi Soon Sil konnten die Südkoreaner bisher nicht beschwichtigen. Choi, die mittlerweile in U-Haft sitzt, ist die Tochter eines früheren Sektenführers und Förderers von Park.

Fotostrecke

13  Bilder
Massenproteste: "Park Geun Hye, tritt zurück!"

Bei den Ermittlungen geht es auch darum, ob Choi neben der Bearbeitung von Reden Parks Zugang zu Geheimdokumenten hatte. Sie soll außerdem ihre Beziehungen zu Park dazu genutzt haben, um südkoreanische Unternehmen wie Samsung zu Spenden für von ihr gegründete gemeinnützige Stiftungen zu bewegen. Diese soll sie zu ihrer eigenen Bereicherung genutzt haben.

Samsung-Millionen an Dressurreiterin?

Im Zusammenhang mit dem Fall haben Ermittler bereits am Dienstag mehrere Büros des größten Unternehmens Südkoreas durchsucht. Am Samstag verhörten Staatsanwälte einen Samsung-Manager. Der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge wird geprüft, ob das Unternehmen einer Tochter Chois unzulässige finanzielle Unterstützung gewährt habe.

Südkoreanischen Medienberichten zufolge soll Samsung 2,8 Millionen Euro unter dem Vorwand eines Beratervertrages an ein Unternehmen Chois in Deutschland überwiesen haben. Das Geld wurde angeblich für das Training der Tochter Chois, einer Dressurreiterin, verwendet.

Im Zuge der Krise hat Park bereits mehrere ihrer engsten Berater verloren und zuletzt Ministerpräsident und Finanzminister ausgetauscht. Vor einer Woche stellte ein Gericht Haftbefehle gegen zwei ehemalige Berater der Staatschefin aus. Ihnen wird unter anderem versuchte Erpressung und die Weitergabe geheimer Informationen zur Last gelegt.

Park immer unbeliebter

Eine vergleichbar große Demonstration hatte es in Südkorea zuletzt 2008 gegeben. Damals protestierten Hunderttausende gegen die Entscheidung der Regierung, Rindfleischimporte aus den USA wieder zu erlauben. Hintergrund war die Angst vor der Krankheit BSE.

Präsidentin Park mit Beratern
DPA

Präsidentin Park mit Beratern

Die Ablehnung Parks zieht sich inzwischen durch alle Bevölkerungsschichten. An der Demonstration in Seoul nahmen auch Familien mit kleinen Kindern teil sowie Schüler und Studenten. Selbst Leute an Krücken und in Rollstühlen schlossen sich dem Demonstrationszug an.

An vorangegangenen Protesten gegen Park hatten sich vor allem kämpferische Gewerkschafter und Aktivisten beteiligt, die sich oft gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten. Mittlerweile wird Park Umfragen zufolge nur noch von etwa fünf Prozent der Wähler unterstützt.

Druck auf Präsidentin wächst

Auch öffentliche Entschuldigungen von Park und ihre erklärte Bereitschaft, mit der Opposition im Parlament bei der Bildung eines neuen Kabinetts zusammenzuarbeiten, konnten die Stimmung nicht beruhigen.

Die Teilnahme einiger Oppositionspolitiker an dem Protestmarsch zeigte, dass es auch im Parlament zunehmend Forderungen nach einen Rücktritt Parks gibt. Konkrete Maßnahmen für ein Amtsenthebungsverfahren wurden indes noch nicht angestoßen.

hda/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.