Regierungskrise in Südkorea Zehntausende demonstrieren gegen Präsidentin Park

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye steht wegen einer Korruptionsaffäre massiv in der Kritik. Zehntausende Demonstranten in Seoul forderten ihren Rücktritt.

Demonstranten in Seoul
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Demonstranten in Seoul


Tausende Demonstranten sind am Samstag in Seoul auf die Straße gegangen, um die in einen Korruptionsskandal verwickelte Präsidentin Park Geun Hye zum Rücktritt aufzufordern. Polizeiangaben zufolge versammelten sich am Samstag etwa 43.000 Menschen, etwa 20.000 Polizisten überwachten die Demonstration.

Im Zentrum des Skandals steht Parks langjährige Freundin Choi Soon Sil. Sie soll ihre Beziehungen zu Park dazu genutzt haben, um südkoreanische Unternehmen wie Samsung zu Spenden für von ihr gegründete gemeinnützige Stiftungen zu bewegen. Diese soll sie zu ihrer eigenen Bereicherung genutzt haben. Darüber hinaus wird Choi vorgeworfen, Einfluss auf die Regierungsarbeit Parks genommen zu haben.

Choi war am Donnerstag wegen des Verdachts auf Betrug und Machtmissbrauch festgenommen worden. Sie ist die Tochter des Sektengründers Choi Tae Min, der bis zu seinem Tod im Jahr 1994 Parks Mentor war.

Park war durch den Skandal zunehmend in Bedrängnis geraten, zumal sie sich selbst dem Vorwurf gegenübersah, einem religiösen Kult verfallen zu sein. Bei einer Fernsehansprache am Freitag hatte sie sich gegen die Vorwürfe gewehrt, sich aber gleichzeitig für "die jüngsten Entwicklungen" entschuldigt. Sie sei bereit, auszusagen. In einem Versuch, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen, hatte Park ihr Kabinett umgebildet und Berater ausgetauscht.

Die Umfragewerte der Präsidentin erreichten in dieser Woche ein historisches Tief und sanken auf fünf Prozent - der niedrigste Wert, den ein Staatsoberhaupt in Südkorea je erzielte. Dass Park zurücktritt, gilt aber als unwahrscheinlich. Beobachter gehen davon aus, dass sie bis zum Ende ihrer Amtsperiode 2018 Präsidentin bleiben wird.

bim/Reuters/AFP/AP



insgesamt 2 Beiträge
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Probe 05.11.2016
1. Die Zahl der Demonstranten
"Polizeiangaben zufolge" versammelten sich am Samstag etwa 43.000 Menschen.. -> Aber es ist nach Angaben südkoreanischer Sender und bürgerlicher Verbände schon klar geworden, dass sich viel mehr bzw. etwa 200.000 Menschen versammelten. Die Polizei, die an der Seite der korrupten Regierung steht, wollte die Kraft der Bürger so einfach verdrehen.
hanji 05.11.2016
2. Polizei, Militär, Justiz, Shlüsselmedien ...
... alles längst gleichgeschaltet in einem Land, in dem schon der zweite Kandidat/in des rechten Lagers (Saenuri Partei) regiert und seit 8 Jahren mit Hochdruck an der Unterhöhlung der einstigen Vorzeigedemokratie Asiens arbeitet. Mich wundert eher, dass sich da noch jemand traut gegen die Regierung zu demonstrieren. Normalerweise wird man dafür sofort als "Handlanger Nordkoreas" abgeführt. Aber Frau park ist eben schon vogelfrei, so dass jetzt auch die konservative Presse über sie herziehen darf.
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