Alternative zum Militär Südkorea führt Zivildienst ein

Junge Männer, die aus Gewissensgründen nicht zum Militär wollen, können in Südkorea ab 2020 ersatzweise Dienst in einer Justizvollzugsanstalt leisten. Der ist zwar länger - aber bisher müssen Wehrdienstverweigerer in Haft.
Soldaten aus Südkorea: Der zweijährige Wehrdienst ist für Männer unter 30 verpflichtend

Soldaten aus Südkorea: Der zweijährige Wehrdienst ist für Männer unter 30 verpflichtend

Foto: JUNG YEON-JE/ AFP

Bislang wurden in Südkorea jährlich Hunderte Wehrdienstverweigerer zu Haftstrafen verurteilt. Denn der zweijährige Dienst an der Waffe ist im Land Pflicht. Nun führt Südkorea einen seit Langem geforderten Zivildienst als Alternative ein. Südkoreaner, die aus religiösen oder anderen persönlichen Überzeugungen den Pflichtwehrdienst verweigern, könnten von Beginn des nächsten Jahres an einen dreijährigen Dienst in einer Justizvollzugsanstalt antreten, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul mit.

Der Zivildienst wird damit bei Weitem länger als der Militärdienst sein, der in Südkorea je nach Waffengattung 21 bis 24 Monate dauert.

Südkoreas Parlament hatte am Freitag das Gesetz verabschiedet. Es folgte damit einer Entscheidung des Verfassungsgerichts vom vergangenen Jahr, wonach bis Ende 2019 eine Regelung eingeführt werden müsse.

Das Urteil der Verfassungsrichter wurde damals von den Gruppen, die sich für die Rechte der Wehrdienstverweigerer einsetzten, begrüßt. Doch kritisierte Amnesty International in einer Reaktion auf den Parlamentsbeschluss, dass Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen durch die jetzige gesetzliche Regelung "weiterhin bestraft und stigmatisiert" würden.

Alternativer Dienst laut Amnesty International weltweit der längste

"Menschen darauf einzuschränken, in einem Gefängnis zu arbeiten, und das fast zweimal so lang wie beim normalen Militärdienst, respektiert nicht ihr Recht auf Gedanken-, Gewissens-, Religions- oder Glaubensfreiheit", sagte der Ostasienforscher bei Amnesty, Arnold Fang. Mit 36 Monaten ist laut Amnesty der alternative Dienst in Südkorea der längste weltweit.

Haftstrafen für Wehrdienstverweigerer konnten in der Vergangenheit 18 Monate lang oder länger sein. Die meisten Betroffenen waren oder sind Mitglieder der christlichen Glaubensgemeinschaft Zeugen Jehovas.

mfh/dpa
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