Südkorea Hardliner fordern Bestrafung Kims

Nordkoreanische Flaggen werden angezündet, Kim-Jong-Il-Puppen verbrannt: Konservative Gruppen in Südkorea drängen auf eine härtere Gangart ihrer Regierung gegen die Stalinisten im Norden. Dabei galt Präsident Lee selbst lange als Hardliner.

REUTERS

Von Malte E. Kollenberg, Seoul


Sie demonstrieren mitten in Seoul, in der Nähe der US-Botschaft: Knapp 100 Anhänger der konservativen "Korea Parent Federation" fordern ein härteres Vorgehen der Regierung gegen die Angriffe aus Nordkorea. Kim Jong Un, den designierten Nachfolger des amtierenden nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il, beleidigen sie als "Baby Schwein" und wünschen ihm den Tod.

Nordkoreanische Flaggen und Staatschef Kim Jong Il als Puppe werden auf der Straße in Brand gesteckt. Einer der Demonstranten hält ein Transparent hoch: Die Armee soll auf die Bevölkerung hören und Nordkorea für die Angriffe bestrafen. In den letzten Tagen gab es bereits ähnliche Proteste an anderen Orten in Seoul.

Auch Park Chan Sung und seine ultrakonservative Gruppe mit dem komplizierten Namen "Nationale anti-nuklear- und anti-Kim-Konferenz" haben sich unter die Protestanten gemischt. Auch er ruft zu einer härteren Gangart der Regierung auf: "Wir, die Südkoreaner, müssen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Nordkorea in die Schranken weisen", fordert er den Präsidenten und das Verteidigungsministerium auf.

Seine Kritik richtet sich auch gegen die Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen: "Die internationale Gemeinschaft und die Länder im Sicherheitsrat müssen mit einer Stimme sprechen." In der Bevölkerung Südkoreas staue sich der Frust auf die Regierung. "Die Reaktionen bisher waren nicht adäquat", empört er sich.

Dabei hatte sich der Ton Südkoreas gegen den Nachbarn im Norden bereits schlagartig verschärft, als der amtierende südkoreanische Präsident Lee Myung Bak Anfang 2008 die Regierung übernahm. Ohne Gegenleistung des Nordens sollte es keine Unterstützung mehr geben, lautete das Credo der Grand National Party. Von weiten Teilen der eigenen Bevölkerung wie auch von internationalen Beobachtern wurde Lee daraufhin als Hardliner bezeichnet. Sein neuer Kurs war ein klarer Bruch mit der Sonnenscheinpolitik seiner beiden Vorgänger.

Doch jetzt, nach der relativ besonnenen Reaktion auf die Angriffe auf die Insel Yeonpyeong, stellen die Ultrakonservativen Lee und seine Nordkoreapolitik nun auf eine Stufe mit der Linie seiner progressiven Vorgänger.

Doch längst nicht alle in der südkoreanischen Bevölkerung denken so wie die ultrakonservativen Hardliner. Die meisten Passanten lässt der scharfe Protest gegen die Regierung weitgehend kalt. Kaum jemand bleibe stehen, um sich das Spektakel anzuschauen, sagt Lee Ho Jeong, Manager im Elektronik-Ausstellungsraum eines angrenzenden Telekommunikationsanbieters. Auch er hat nicht viel übrig für die Demonstranten. "Gegen Nordkorea wird hier fast jeden zweiten Tag protestiert", erklärt er. "Das war auch schon vor den Angriffen auf Yeonpyeong so." Vielleicht seien es jetzt ein paar mehr Demonstranten, aber grundsätzlich anders sei die Situation nicht.

Ihn sorgt aber etwas anders: Als Reservist würde er im Falle eines Krieges sofort eingezogen. "Wenn es so weit kommt, dann werde ich meine Familie und meine Freunde verteidigen", sagt er.

Martialische Töne aus Nordkorea

Mit martialischen Tönen warnte Nordkorea am Freitag vor einer Eskalation der Gewalt auf der koreanischen Halbinsel. Wegen der anstehenden gemeinsamen Militärmanöver der USA und Südkoreas gerate die ganze Region an den Rand des Krieges, hieß es in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.

"Armee und Volk der Volksrepublik sind äußerst aufgebracht über die Provokation des Marionettenregimes (Südkorea)", hieß es in dem Bericht. "Sie bereiten sich darauf vor, furchtbare Feuergarben loszuschicken und das Bollwerk der Feinde in die Luft zu jagen, sollten diese es erneut wagen, die Würde und Souveränität der Volksrepublik auch nur auf das Geringste zu verletzen."

insgesamt 3605 Beiträge
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Seite 1
werner thurner, 23.11.2010
1. Gefährliche Situation
Angesichts der Verschuldung des Westens, der US Wirtschaftskrise und des Politikwechsels 2008 in Südkorera (Abkehr von der Annäherungspolitik) und des Verbohrtseins beider Seiten ist dies sehr gefährlich. Die Einordnung der Zwischenfälle an der Grenze von Nord-und Südkorea ist gelinde gesagt unklar.
Der andere Genosse 23.11.2010
2.
Na, sooo falsch ist es nicht...die Juche-Ideologie ist Kommunismus mit anderem Aufkleber... Warum will eigentlich jeder der ehemaligen UdSSR oder Nordkorea das Kommunismus-Etikett abnehmen? Weil dort der Kommunismus/Sozialismus versagt hat und so etwas aus linker Sicht nicht sein kann und somit auch nicht sein darf?
Dirk Ahlbrecht, 23.11.2010
3. ...
Zitat von werner thurnerAngesichts der Verschuldung des Westens, der US Wirtschaftskrise und des Politikwechsels 2008 in Südkorera (Abkehr von der Annäherungspolitik) und des Verbohrtseins beider Seiten ist dies sehr gefährlich. Die Einordnung der Zwischenfälle an der Grenze von Nord-und Südkorea ist gelinde gesagt unklar.
Na, Herr Thurner, etwas mehr Mut bitte: Schreiben Sie doch ruhig, daß Sie den Verlautbarungen Pjöngjangs mehr Glauben schenken, als denen Seouls oder des Westens.
ColynCF 23.11.2010
4.
Juche ist aber stark kommunistisch geprägt. Wollen Sie die kommunistische Ideologie von irgendewelchen bösartigen Regimen freiwaschen? (ich frag nur)
Dirk Ahlbrecht, 23.11.2010
5. ...
Den Bürgern Nordkoreas, Tastenhengst, wird es wohl egal sein, ob die Mangelernährung kommunistischer Natur ist; oder unsere Freunde der Juche-Ideologie den Leuten nichts auf den Teller zaubern.
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