Südkorea Hinweise auf Torpedo-Angriff verdichten sich

Was brachte das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan zum Untergang? Ein Monat nach der rätselhaften Havarie, bei der 46 Menschen starben, verdichten sich die Hinweise darauf, das die Korvette per Torpedo versenkt wurde.

REUTERS

Seoul - Vier Wochen nach dem plötzlichen Untergang der südkoreanischen Korvette Cheonan in einem Seegebiet unweit der umstrittenen Seegrenze zu Nordkorea verdichten sich die Hinweise darauf, dass der Untergang durch Fremdeinwirkung verursacht wurde. Schon am 27. März, ein Tag nach dem Untergang, war klar, dass die Havarie durch eine Explosion verursacht wurde, die eine Seitenwand des Schiffes aufriss. Über mögliche Ursachen hatte es Spekulationen gegeben, mit Schuldzuweisungen hielt sich die südkoreanische Regierung in Seoul in Anbetracht des zuletzt wieder gespannteren Verhältnisses zum nordkoreanischen Nachbarn aber zurück.

Jetzt, nach der Bergung zahlreicher Wrackteile, scheint klar, dass die Ursache wohl kein Unfall, keine Explosion im Inneren des Schiffes gewesen war. Als mögliche Ursachen werden weiterhin das Auffahren auf eine Seemine sowie der Beschuss mit einem Torpedo genannt. Letzteres, so Südkoreas Verteidigungsminister Kim Tae Jung am Sonntag, sei aber die wahrscheinlichste Unglücksursache. Die Untersuchung sei aber noch nicht abgeschlossen, auch andere Erklärungsmöglichkeiten würden weiter geprüft. Kim hatte die Möglichkeit eines Torpedobeschusses schon kurz nach dem Untergang des Schiffes in die Diskussion gebracht, seine Äußerungen kurz darauf aber relativiert.

Nach der mit Hilfe eines Krans nun erfolgten Bergung der zweiten Schiffshälfte am Samstag bestätigte ein Untersuchungsteam erste Einschätzungen, wonach die Cheonan infolge einer heftigen äußeren Explosion versenkt worden sei. Vermutlich sei eine schwere Sprengladung aus kurzer Distanz unter dem Rumpf detoniert. Kim sagte, höchstwahrscheinlich sei das Schiff infolge einer "Druckwelle" auseinandergebrochen, die durch eine Unterwasserexplosion ausgelöst worden sein könnte.

Das Schiff war auf Patrouillenfahrt im Gelben Meer vor der Westküste Südkoreas, als es in der Nähe der südkoreanischen Insel Baengyeong unterging. 46 der 104 Besatzungsmitglieder starben.

Die Seegrenze im Gelben Meer ist umstritten. In der Vergangenheit kam es wiederholt zu Gefechten zwischen Kriegsschiffen beider koreanischer Staaten. In Medien wurde mehrfach über einen nordkoreanischen Angriff auf die Cheonan spekuliert. Die Regierung in Seoul machte Nordkorea bislang aber nicht direkt verantwortlich. Nordkorea weist jede Verwicklung in den Vorfall von sich.

pat/AFP/apn/dpa



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