Südkorea Hunderttausende fordern Rücktritt der Präsidentin

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye hat nach einem Korruptionsskandal das Vertrauen der Bevölkerung verspielt. Erneut gingen Hunderttausende gegen sie auf die Straße. Es könnte zum Amtsenthebungsverfahren kommen.


Die Proteste gegen Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye wegen eines Korruptionsskandals um eine ihrer Freundinnen reißen nicht ab. Erneut gingen in der Nähe des Präsidentenpalastes in Seoul mehrere hunderttausend Südkoreaner auf die Straße, um den Rücktritt der konservativen Staatschefin zu fordern. Laut Nachrichtenagentur dpa versammelten sich nach Angaben der Veranstalter am frühen Abend (Ortszeit) landesweit etwa eine Million Teilnehmer. Es sind die fünften Massenproteste innerhalb von fünf Wochen.

Die Polizei sprach von 140.000 Protestierenden allein in der Hauptstadt Seoul, wie die Nachrichtenagentur AFP meldet. Auch in anderen südkoreanischen Städten waren Proteste gegen Park geplant. "Park, verschwinde jetzt", riefen einige Demonstranten, auch aus Lautsprechern an Lastwagen ertönte dieser Ruf. Die Proteste verliefen bislang friedlich. Einer aktuellen Umfrage zufolge fordern neun von zehn Südkoreanern den Rücktritt von Park.

Zu den neuen Protesten kam es eine Woche nachdem die Staatsanwaltschaft die Präsidentin der Mithilfe in einem Skandal um ihre Freundin Choi Soon Sil beschuldigt hatte. Choi soll ihre Beziehung zu Park ausgenutzt haben, um Sponsorengelder für zwei private Stiftungen einzutreiben und sich persönlich zu bereichern. Parks Büro weist den Vorwurf der Mittäterschaft gegen die Präsidentin zurück. Die Präsidentin wird zudem beschuldigt, ihrer langjährigen Vertrauten ohne offizielles Amt erlaubt zu haben, sich in die Regierungsgeschäfte einzumischen.

Bereits in der kommenden Woche könnte es im Parlament eine Abstimmung über Parks Amtsenthebung geben. Mittlerweile unterstützen auch zahlreiche Abgeordnete der Regierungspartei Parks Absetzung.

kry/AFP/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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C. V. Neuves 26.11.2016
1. Mehr Krise der Demokratie
Dass derzeit mit dem Brasilianer Temer und der Südkoreanerin zwei bedeutendere Staatsoberhäupter der "demokratischen Welt" Zustimmungswerte von unter 5% haben bezeugt dass es doch mittlerweile sehr gewichtige systemische Probleme gibt. Unter anderem, welche beschämend, abstoßenden Gestalten hochgepuscht werden. Dazu zählte ja auch die Clinton die trotz einer globalen Megakampagne abgelehnt wurde. Demokratie war nicht als Formalismus zur Systemerhaltung gedacht sondern als Mittel zur raschen, dynamischen Anpassung einer Gesellschaft an neue Anforderungen.
hugahuga 26.11.2016
2.
Ich wünschte mir für unser Land mehr Einsatz der Bürger. Leider wird bei uns die Unzufriedenheit nicht physisch und für alle sichtbar in Straßendemos in ausreichender Art und Weise bekundigt. Das geschieht hier eher durch Stammtisch- Meckerei oder via Internet. Bereits in Frankreich ist "Volkes Stimme" viel häufiger auf den Stassen des Landes zu vernehmen. In Asien - Thailand, Korea etc - scheinen die Menschen mehr Mumm in den Knochen zu haben und weniger der eigenen Bequemlichkeit zu frönen. Grund dazu hätten wir hier ausreichend. Und - nimmt man an einer Demo teil - z.B. gegen TISA - so ist immer erschreckend feststeellen zu müssen, wie desinteressiert die Cafébesucher und Schnick-Schnack-Konsumenten reagieren. Viele scheinen an ihrem eigenen Schicksal erst dann interessiert zu sein, wenn der Schlag sie direkt trifft. Traurig aber leider wahr.
olivonkloesterlein 26.11.2016
3. Ich möchte
an dieser Stelle, der Südkoreanischen Bevölkerung meine Hochachtung aussprechen. Wie ich von Freunden in Seoul erfahren habe, sind die Proteste in den vergangenen fünf Wochen friedlich und kreativ gewesen. Es wurde viel gesungen und Musik gespielt. Nach Einschätzungen eines Freundes waren Heute in Seoul ca. 1,5 Millionen Menschen auf den Strassen. Ich finde es schön, dass der Spiegel nun auch über diese Proteste berichtet, wünsche den Menschen in Südkorea Erfolg und Durchhaltevermögen.
horst.koehler.2 26.11.2016
4.
Zitat von C. V. NeuvesDass derzeit mit dem Brasilianer Temer und der Südkoreanerin zwei bedeutendere Staatsoberhäupter der "demokratischen Welt" Zustimmungswerte von unter 5% haben bezeugt dass es doch mittlerweile sehr gewichtige systemische Probleme gibt. Unter anderem, welche beschämend, abstoßenden Gestalten hochgepuscht werden. Dazu zählte ja auch die Clinton die trotz einer globalen Megakampagne abgelehnt wurde. Demokratie war nicht als Formalismus zur Systemerhaltung gedacht sondern als Mittel zur raschen, dynamischen Anpassung einer Gesellschaft an neue Anforderungen.
Warum erwähnen sie nicht auch den künftigen US-Präsidenten Trump, der angeblich "den Sumpf austrocknen" will, selbst aber bereits eifrig an der Verstrickung seiner Position als Präsident und seines Firmen-Imperiums arbeitet, also einen eigenen Sumpf installiert? Das fängt z.B. schon mit der Weigerung an, seine Firmen in einen echten "blind trust" zu überführen, also eine treuhänderische Verwaltung seiner Firmen durch neutrale Dritte. Statt dessen übergibt Trump die Leitung an seine Kinder und behauptet, dass diese natürlich keine "insider information" von ihm erhalten würden. Ja nee, schon klar ... Also, warum erwähnen sie ihn nicht auch?
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