Südkorea Moon Jae In gewinnt Präsidentschaftswahl

Ein Menschenrechtsanwalt wird der neue Präsident Südkoreas. Moon Jae In liegt kurz vor Ende der Auszählung weit vorne, seine Gegner räumten ihre Niederlage ein. Im Atomstreit mit Nordkorea setzt er auf Dialog.

Moon Jae In
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Moon Jae In


Der linksgerichtete frühere Menschenrechtsanwalt Moon Jae In ist voraussichtlich zum neuen Präsidenten Südkoreas gewählt worden. Nach Auszählung von knapp 80 Prozent der abgegebenen Stimmen sei Moon der Sieg sicher, berichteten südkoreanische Sender. Der 64-Jährige lag demnach mit fast 40 Prozent der Stimmen weit vor seinen Mitbewerbern.

Der Konservative Hong Joon Pyo von der Regierungspartei der abgesetzten Staatschefin Park kam laut der ersten Hochrechnung auf 25,6 Prozent der Wählerstimmen, der Mitte-Politiker Ahn Cheol Soo auf 21,4 Prozent. Beide gestanden noch vor Ende der Auszählung ihre Niederlage ein.

Moon will Dialog

Die Neuwahlen in Südkorea waren notwendig geworden, nachdem die bisherige Präsidentin Park wegen eines Korruptionsskandals ihres Amtes enthoben worden war. Die Abstimmung hat große strategische Bedeutung für Asiens viertgrößte Volkswirtschaft. Im Präsidialsystem des Landes trifft das Staatsoberhaupt fast alle wichtigen Entscheidungen.

Moons Wahlsieg könnte nun eine Kursänderung Seouls gegenüber Nordkorea und den USA zur Folge haben. Moon befürwortet einen Dialog mit dem Nachbarn im Norden. Er erklärte, dass er zu einem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Pjöngjang bereit sei und sprach sich für eine mögliche Wiedereröffnung des Industrieparks Kaesong im Grenzgebiet zwischen beiden Ländern aus. Südkorea hatte den Industriepark im Februar 2016 aufgegeben, nachdem Nordkorea eine Langstreckenrakete gestartet hatte.

Sohn nordkoreanischer Flüchtlinge

Zudem plädiert Moon für eine größere Unabhängigkeit von den USA, die mit Zehntausenden in Südkorea stationierten Soldaten zu den engsten Verbündeten des Landes zählen. Kritiker werfen Moon einen zu zurückhaltenden Kurs gegenüber Pjöngjang vor.

Der neue Präsident ist der Sohn nordkoreanischer Flüchtlinge und ein ehemaliger Menschenrechtsanwalt, der einst wegen Protests gegen die Diktatur von Parks Vater Park Chung Hee in Haft saß.

sep/dpa/AP



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
nach-mir-die-springflut 09.05.2017
1. Erst das Wasser, dann die Säure
Da sich der Konflikt mit Nordkorea hochpeitscht, Tillerson sagte in einer Grundsatzrede vor seinem Ministerium jetzt, dass er Nordkorea die Daumenschrauben angelegt hat und China hierbei testet, wie weit China auf der Seite der USA steht, Tillerson den Grad der Daumenschrauben bei 25 % angezogen sieht, dürfte alles, was Süd- und Nordkorea miteinander kommunizieren lässt, entspannend auf die Region wirken, von der schnell der Nuklearkrieg losgehen kann. Die Stationierung der THAAD-Raketensysteme durch die USA in Südkorea ist allen Parteien dort dort ein Dorn im Auge, China, Russland, der Mongolei, Vietnam, denn sie wollen - natürlich - keinen neuen Krieg dort.
pnegi 09.05.2017
2. Und wieder ein Kriegsgrund weniger...
Der ganze Zirkus, den das Pentagon via Trump hat aufführen lassen bezüglich Nord-Korea, galt eigentlich diesen Wahlen in Süd-Korea. Man wollte mal schnell, noch bevor Moon Jae In gewählt worden ist, die Raketen, die eigentlich gegen China gerichtet sind, noch eilig in Stellung bringen. Dumm nur, dass zig-tausende Süd-Koreaner spontan und durchaus sichtbar (leider nicht bei SPON) dagegen protestiert haben. Könnte also gut sein, dass nun der neue Präsident mit der Rückendeckung seiner eigenen Bevölkerung und mit der üblichen Asiatischen Höflichkeit den Herrn Trump bitten wird, diese Raketen wieder einzupacken und woanders aufzustellen. Mal sehen, ob Herr Trump dieser Bitte dann nachkommen wird ... :-)
hugotheKing 09.05.2017
3. Kaesong Industriepark
Ich möchte dem Artikel noch ergänzen, dass es schwer sein wird den Kaesong Industriepark wieder in Betrieb zu setzen. Nicht nur technisch, sondern auch aus anderen Gründen. Das nordkoreanische Regime hat viele Anlagen dort schon demontieren lassen um sie woanders einzusetzen. Die Park-Administration hat Kaesong Industriepark auf Druck der USA schließen lassen, weil die USA argumentiert hat, dass Nordkorea mit dem verdienten Geld in Atombombe investiert hat. Park Geun-hye hat auch den früheren Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung für seine Sonnenscheinpolitik kritisiert, weil nach ihrer Meinung, der Bau der Atombombe durch seine Politik ermöglicht wurde. Vielleicht sollte der neue südkoreanische Präsident einfach eine Mrd. Dollar an Kim im Norden überweisen und ihm bitten auf seine Atomwaffen zu verzichten. Das ist genau die Summe, die Präsident Trump von Südkorea für die THAAD-Stationierung verlangt. Die USA können Ihr THAAD-System wieder einpacken und die Chinesen können ihre Wirtschaftssanktionen gegen Südkorea einstellen. Dadurch hätten doch alle, was sie erreichen wollten, oder?
ubbo 09.05.2017
4. THAAD-Raketensysteme?
Zitat von nach-mir-die-springflutDa sich der Konflikt mit Nordkorea hochpeitscht, Tillerson sagte in einer Grundsatzrede vor seinem Ministerium jetzt, dass er Nordkorea die Daumenschrauben angelegt hat und China hierbei testet, wie weit China auf der Seite der USA steht, Tillerson den Grad der Daumenschrauben bei 25 % angezogen sieht, dürfte alles, was Süd- und Nordkorea miteinander kommunizieren lässt, entspannend auf die Region wirken, von der schnell der Nuklearkrieg losgehen kann. Die Stationierung der THAAD-Raketensysteme durch die USA in Südkorea ist allen Parteien dort dort ein Dorn im Auge, China, Russland, der Mongolei, Vietnam, denn sie wollen - natürlich - keinen neuen Krieg dort.
Warum, und mit welchem Recht regen sich die Nachbarn auf wenn Südkorea ein Raketenabwehrsystem installiert?
pnegi 09.05.2017
5. Ist das Ihr Ernst? Auf welchen Planeten leben Sie denn?
Zitat von ubboWarum, und mit welchem Recht regen sich die Nachbarn auf wenn Südkorea ein Raketenabwehrsystem installiert?
Es waren die US-Besatzungstruppen, welche THAAD installiert haben. Gegen den sehr lauten, spontanen Protest von zig-tausenden von Süd-Koreanern. Leider wurde das im Mainstream total unter den Teppich gekehrt. Aber Sie können ja gerne mal googeln. Allein die Bilder sagen mehr als tausend Worte... https://www.google.ch/search?q=south+korea+protest+thaad&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwiSsY70zOPTAhVHIlAKHc-xA0oQsAQIKg&biw=1883&bih=937#spf=1
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