Südkorea Präsidentin boykottiert Korruptionsermittlungen

Hunderttausende fordern wegen eines Korruptionsskandals den Rücktritt der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye. Die möchte die Fragen der Staatsanwaltschaft plötzlich nicht mehr beantworten.

Park Geun Hye
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Park Geun Hye


Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye hatte eigentlich versprochen, aufrichtig mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Nun machte die Staatschefin einen Rückzug: Park könne der Bitte der Ermittler um eine persönliche Befragung am Dienstag leider nicht nachkommen, sagte ihr Anwalt Yoo Young Ha. Die Präsidentin sei zu beschäftigt mit den Regierungsgeschäften und der Vorbereitung ihrer Verteidigungsstrategie gegen die Vorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die Präsidentin der Beteiligung in einem Skandal, in den eine ihrer Freundinnen verwickelt ist. Die Freundin namens Choi Soon Sil soll die Beziehung zu Park ausgenutzt haben, um Sponsorengelder für zwei private Stiftungen einzutreiben und sich persönlich zu bereichern.

Die Präsidentin wird zudem beschuldigt, ihrer langjährigen Vertrauten ohne offizielles Amt erlaubt zu haben, sich in die Regierungsgeschäfte einzumischen. Die 60-jährige Choi sitzt inzwischen wegen des Verdachts auf Betrug und Machtmissbrauch in Haft, laut der Staatsanwaltschaft spielte aber auch Park selbst eine "erhebliche Rolle" in der Affäre. Parks Büro weist den Vorwurf der Mittäterschaft zurück.

Die Staatsanwaltschaft hatte der Präsidentin in der vergangenen Woche ein Ultimatum gestellt: Am Dienstag wäre demnach die letzte Möglichkeit für eine Befragung, bevor im Dezember eine unabhängige Untersuchungskommission die Ermittlungen übernimmt. Ob Park mit den neuen Ermittlern zusammenarbeiten wird, ist bislang unklar.

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Südkorea: Millionen gegen Park

In Seoul hatten am Samstag erneut Hunderttausende Menschen gegen Park protestiert. Einer aktuellen Umfrage zufolge fordern mittlerweile neun von zehn Südkoreanern Parks Rücktritt. Bereits in den kommenden Tagen könnte es in dem von der Opposition kontrollierten Parlament zudem eine Abstimmung über Parks Amtsenthebung geben.

mho/dpa

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spon-1169297082377 28.11.2016
1. Grüsse aus Busan!
Bin gerade in Busan bei meinem koreanischem Arbeitgeber. Es ist schon unglaublich was sich Frau Park geleistet hat und wie schwierig es ist Sie abzuseten. Ich bewundere die friedlichen Demonstrationen und dass sich die meisten Koreaner ruhig verhalten. Hoffentlich bekommt Südkoea dann in spätestens einem Jahr endlich einen Präsidenten (in) der die Wiedervereinigungsidee und die Sunshine Politik wieder aufnimmt. Ich würde mich freuen wenn Frau Park nicht im Juli 2017nach Hamburg kommt.....ich drücke Korea die Daumen......meine meisten Arbeitskollegen sind mittlerweile Politikmüde und ziemlich frustriert.......
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