Nach Gipfel-Debakel Seoul will zwischen USA und Nordkorea vermitteln

Das Treffen sollte eine Lösung im Streit über atomare Abrüstung und Sanktionen bringen. Doch dann brachen Donald Trump und Kim Jong Un ihre Gespräche ab. Jetzt bietet ausgerechnet Südkorea Hilfe an.

Südkoreas Präsident Moon Jae In
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Südkoreas Präsident Moon Jae In


Nach dem erfolglosen Gipfel zwischen den USA und Nordkorea in Hanoi will sich die südkoreanische Regierung als Vermittler anbieten. Unter Vorsitz von Präsident Moon Jae In tagte am Montag in Seoul der Nationale Sicherheitsrat Südkoreas mit dem Ziel, einen weiteren Dialog über die Abrüstung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms anzustoßen.

Er hoffe, US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un kämen in naher Zukunft wieder zusammen, sagte Moon laut seinem Büro. "Bei diesem Prozess ist unsere Rolle erneut sehr wichtig geworden."

Der zweite Gipfel zwischen Trump und Kim war überraschend ohne Abschlusserklärung zu Ende gegangen. Beide waren sich in der zentralen Frage uneins, wie das Atomwaffenarsenal Nordkoreas abgebaut wird und welche Gegenleistungen es dafür geben soll.

Moon lobt Fortschritte

Moon wies die Mitglieder des Sicherheitsrats an, zunächst die Differenzen zu analysieren, die ein Abkommen zwischen beiden Seiten verhindert haben. Im nächsten Schritt sollten Wege gefunden werden, die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Trotz fehlender Vereinbarungen habe es auch Fortschritte gegeben, sagte Moon.

Südkoreas Außenministerin Kang Kyung Wha sprach bei der Sitzung von der Möglichkeit, dass sich erneut Unterhändler der beiden koreanischen Staaten und der USA sowie unabhängige Experten der drei Länder treffen könnten.

Trump hatte Moon nach Angaben des Präsidialamts in Seoul schon im Anschluss an den Gipfel in Hanoi am vergangenen Donnerstag in einem Telefongespräch gebeten, ähnlich wie im vergangenen Jahr eine Vermittlerrolle zu übernehmen.

kev/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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sven2016 04.03.2019
1. Weshalb steht hier "ausgerechnet Südkorea"?
In den letzten Monaten war es vor allem die geduldige Gesprächsführung der südkoreanischen Regierung, die die US-Kapriolen in Bezug auf Nordkorea relativierten. Das Land versucht, die unmittelbare Bedrohungslage zu mindern und eine wirtschaftliche Entwicklung auch für den Norden anzustoßen. Amerika ist von Nordkorea kaum militärisch bedroht, Südkorea direkt.
lkohlbecher 04.03.2019
2. Marketing statt solider Vorbereitung
Hätten Trump's Verhandlungsführer Ihren Job gemacht und vor dem Treffen mit Kim Jong-Un die Knackpunkte reduziert oder zumindest kommuniziert wäre es nicht so weit gekommen. Trump's Dilletantismus ist und bleibt gefährlich.
hanji 04.03.2019
3. warum "ausgerechnet" Südkorea?
Der südkoreanische Präsident hat doch von Anfang an alles in die Wege geleitet mit seiner Pingpong-Diplomatie. Er hat sein Wahlkampfversprechen wahr gemacht und aus der extremen Konfrontation zwischen USA+NK, die er aus der Ära seiner Vorgängerin Frau Park geerbt hat, immerhin einiges erreicht. Und jetzt muss er dem unberechenbaren Trump (der seinen eigenen plötzlichen Abgang vom Verhandlungsort den bösen Demokraten und ihren Intrigen in die Schuhe schiebt) mal wieder nachhelfen durch "Vermittlung".
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