Südossetien Bombe tötet sieben russische Soldaten

Anschlag in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali: Eine Autobombe explodierte neben dem Kommandostab der russischen Friedenstruppen. Die Führung der von Georgien abtrünnigen Region hält den georgischen Geheimdienst für den Urheber.


Moskau - Bei einer Bombenexplosion in dem von Georgien abtrünnigen Gebiet Südossetien sind nach Behördenangaben sieben russische Soldaten ums Leben gekommen, sieben weitere wurden verletzt. Der Sprengsatz detonierte am Freitag neben dem Kommandostab der russischen Truppen in der Hauptstadt Zchinwali, meldete die Agentur Itar-Tass. Die Führung Südossetiens sprach von einem Anschlag des georgischen Geheimdienstes. Georgien bestritt jede Beteiligung an dem Anschlag. Nach ersten Berichten war die Bombe in einem zuvor auf georgischem Gebiet beschlagnahmten Geländewagen versteckt gewesen.

Explosion bei den russischen Friedenstruppen in Zchinwali: Sieben Menschen starben
AFP

Explosion bei den russischen Friedenstruppen in Zchinwali: Sieben Menschen starben

Bei einer zweiten Explosion am Freitag in Südossetien wurden mehrere Menschen verletzt. "Wir haben keinen Zweifel, dass diese Terroranschläge vom georgischen Geheimdienst verübt wurden", sagte der südossetische "Präsident" Eduard Kokoity. Nach seinen Angaben sei die Autobombe in Zchinwali explodiert, als sich sowohl Soldaten wie auch Zivilisten in dem Fahrzeug aufhielten. Sechs Menschen kamen am Tatort ums Leben. Auf dem Weg zum Krankenhaus starb ein weiteres Opfer. In Südossetien wurde spekuliert, der Sprengsatz sei möglicherweise per Fernschaltung gezündet worden.

Vor einer Woche war in der ebenfalls abtrünnigen Provinz Abchasien nach Angaben der dortigen Führung ein Sprengstoffanschlag auf den Geheimdienst verübt worden. Dabei entstand lediglich Sachschaden.

Bereits vor dem Südkaukasus-Krieg waren in der Konfliktregion beinahe jede Woche Anschläge auf beiden Seiten verübt worden. Georgien griff Anfang August das abtrünnige Gebiet Südossetien an der Grenze zu Russland an. Daraufhin holte Russland zu einem großangelegten Militärschlag gegen Georgien aus und besetzte Teile des georgischen Hinterlandes. Südossetien hat nach der Anerkennung seiner Selbständigkeit durch Russland Ende August Moskau um dauerhaften militärischen Beistand gebeten.

Es blieb zunächst unklar, ob der jüngste Anschlag Auswirkungen auf den Abzug der russischen Truppen aus der sogenannten Pufferzone um Südossetien haben könnte. In Übereinstimmung mit internationalen Abkommen hatte Russland am Mittwoch eine Beobachtermission der Europäischen Union in die Sicherheitszone um die abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien gelassen.

Der russische Präsident Dmitrij Medwedew hat zugesagt, bis zum 10. Oktober seine Truppen aus georgischem Kerngebiet abzuziehen. Dann sollen die EU-Experten vor den Grenzen von Südossetien und Abchasien die Kontrolle übernehmen und die Einhaltung der Waffenruhe überwachen. Derzeit sind etwa 225 EU-Experten, die meisten von ihnen Polizisten, im Einsatz. Geleitet wird die Mission vom deutschen Diplomaten Hansjörg Haber.

cai/dpa/afp



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