Südossetien Neuer Regierungschef kommt aus Russland

Das von Georgien abtrünnige Südossetien hat einen neuen Regierungschef. Er stammt aus Russland und hat 20 Jahre für den dortigen Geheimdienst gearbeitet. Schon sein Vorgänger galt als Mann Moskaus.

Moskau - Ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter Russlands ist neuer Regierungschef von Südossetien. An diesen Mittwoch stimmte das Parlament in Zchinwali für Aslanbek Bulazew, meldete die russische Agentur Interfax.

Die von Georgien abtrünnige Region hat damit einen russischen Staatsbürger mit langjähriger Spionage-Erfahrung als neues Oberhaupt. Aslanbek Bulazew stammt laut Interfax aus der russischen Teilrepublik Nordossetien und ist Finanzexperte. Aus seiner offiziellen Biografie geht hervor, dass der 1963 geborene Bulazew zwei Jahrzehnte direkt für den Moskauer Inlandsgeheimdienst gearbeitet hat.

Die georgische Regierung wirft Russland seit Jahren vor, die Geschicke in Südossetien durch eigene Leute in der Führung zu steuern. Auch der frühere Regierungschef Juri Morosow galt als Mann Moskaus.

Nahtstelle zwischen Europa und Asien

Nach dem Südkaukasus-Krieg Anfang August hatte Russland gegen internationalen Protest die Unabhängigkeit Südossetiens und Abchasiens von Georgien anerkannt. Der südossetische Präsident Eduard Kokojty entließ Mitte August seine Regierung mit der Begründung, die Minister hätten nach dem Krieg nicht schnell genug Hilfsgüter an die notleidende Bevölkerung verteilt.

Die frühere Sowjetrepublik Georgien gilt als Nahtstelle zwischen Europa und Asien. Sie liegt am Schwarzen Meer. Mit knapp 70 000 Quadratkilometern ist das "Balkon Europas" genannte gebirgige Kaukasusland etwa so groß wie Bayern. Unter den rund 4,6 Millionen Einwohnern sind 84 Prozent Georgier und 1,5 Prozent Russen. In den ersten Jahren nach der 1991 erlangten Unabhängigkeit verhinderten innere Konflikte, Korruption und der Druck des großen Nachbarn Russland, dass der Staat wirtschaftlich auf die Beine kam. Etwa eine Million Georgier verließen das Land.

Die friedliche "Rosenrevolution" führte Ende 2003 zum Sturz von Präsident Eduard Schewardnadse und brachte Michail Saakaschwili an die Macht. Seitdem arbeitet die Kaukasusrepublik an einer Integration in westliche Organisationen, einschließlich der Nato. Im August 2008 führte Georgien um seine abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien einen Krieg mit Russland.

Konflikt im Kaukasus - Georgien, Südossetien, Abchasien

jch/dpa

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