Südossetien Russischer Befehlshaber bei Anschlag getötet

Anschlag in Südossetien: Bei einer Bombenexplosion wurden acht Menschen getötet, darunter auch der russische Stabschef der Region. Russland macht Georgiens Regierung dafür verantwortlich. Die wies eine Beteiligung zurück - und unterstellt der Gegenseite eine Verzögerungstaktik.


Moskau - Bei einer Bombenexplosion in dem von Georgien abtrünnigen Gebiet Südossetien wurden mindestens acht Menschen getötet. Darunter auch der Stabschef der russischen Truppen in der Region. Oberst Iwan Petrik sei durch die Detonation des etwa 20 Kilogramm schweren Sprengsatzes neben dem Kommandostab am Freitag in seinem Büro tödlich verletzt worden, sagte ein Militärsprecher am Samstag in Moskau der Nachrichtenagentur Interfax. Die russische Staatsanwaltschaft machte Georgien offiziell für den "Terrorakt" verantwortlich.

In der russischen Zeitung "Kommersant" hieß es unter Berufung auf den südossetischen Innenminister Michail Mindsajew, das mit Sprengstoff beladene Auto sei vor Petriks Fenster im russischen Armeestützpunkt in Zchinwali in die Luft gegangen. Das in der Sicherheitszone um Südossetien abgestellte verdächtige Fahrzeug sei zuvor zur Kontrolle zu dem Stützpunkt gebracht worden, berichtet "Kommersant". In früheren Berichten war dagegen davon die Rede gewesen, russische Soldaten hätten vor der Explosion der Bombe vier georgische Zivilisten festgenommen, in deren Autos Waffen und Granaten versteckt gewesen seien. Bei einer genauen Durchsuchung der Fahrzeuge sei dann eines von ihnen explodiert.

Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Moskau sagte laut russischer Nachrichtenagentur RIA Nowosti, die russischen Ermittler vor Ort hätten "allen Grund" zu der Annahme, dass der georgische Geheimdienst hinter dem Attentat stecke. Die russische Generalstaatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren wegen Terrorismus, wie Interfax berichtete.

Tiflis wies eine Beteiligung zurück. Der Anschlag sei eine Taktik, um den russischen Abzug aus der Pufferzone um Südossetien zu verzögern, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Mit dem Anschlag wolle sich Moskau einen Grund für einen späteren Abzug seiner Truppen aus Georgien als zum international vereinbarten Termin, dem 10. Oktober, verschaffen, behauptet das Innenministerium in Tiflis. Der Sprengsatz hatte sich in einem zuvor auf georgischem Gebiet beschlagnahmten Wagen befunden.

Russland sieht Friedensplan "untergraben"

Russlands Staatschef Dmitrij Medwedew hat nach dem Anschlag verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. Das Verteidigungsministerium solle "alle notwendigen Schritte zur Verhinderung krimineller Akte gegen die russische Friedenstruppe und die Zivilbevölkerung" in Südossetien und der anderen abtrünnigen georgischen Region Abchasien ergreifen, erklärte der Kreml am Samstag.

Medwedew ordnete nach Angaben des Kreml zudem eine "gewissenhafte Untersuchung" des Anschlags an, der am Freitag vor dem Hauptquartier der russischen Friedenstruppe für Südossetien mit einer Autobombe verübt worden war. Die Anordnung sei mit der südossetischen Führung abgestimmt worden, hieß es in der Erklärung. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, mit dem Anschlag solle das von der EU vermittelte Friedensabkommen zwischen Georgien und Russland untergraben werden.

Medien in Tiflis zufolge plant Georgien als Folge des August-Krieges mit Moskau ein "Museum der russischen Aggression". Unter anderem soll dort auch ein Denkmal für Sowjetdiktator Josef Stalin (1878-1953) zu sehen sein, das jetzt noch im Zentrum seiner georgischen Geburtsstadt Gori steht. Auch wenn Stalin ethnisch Georgier gewesen sei, habe nach dem Südkaukasus-Krieg eine solche Statue im öffentlichen Raum eines freien Georgiens nichts mehr zu suchen, sagte ein Regierungssprecher laut Medien in Tiflis.

ore/AFP/dpa/Reuters



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