Südsudan Armee macht Jagd auf Frauen der Nuer-Volksgruppe

Der Bürgerkrieg im Südsudan ist wieder aufgeflammt, aus der Hauptstadt Juba kommen verstörende Berichte: Regierungsanhänger sollen dort laut Uno gezielt Mitglieder der Nuer-Volksgruppe vergewaltigt und getötet haben.

Flüchtlingscamp in Juba, Uno-Truppen
AP

Flüchtlingscamp in Juba, Uno-Truppen


Regierungssoldaten und Sicherheitskräfte im Südsudan haben offenbar Dutzende Zivilisten hingerichtet und Frauen bei Gruppenvergewaltigungen geschändet. Dabei sollen sie gezielt gegen die Ethnie der Nuer vorgegangen sein, teilten Uno-Vertreter am Donnerstag mit.

Anfang Juli waren in der Hauptstadt Juba Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Anhängern des oppositionellen Vizepräsidenten ausgebrochen. Ende des Monats entließ Präsident Salva Kiir den Vizepräsidenten Riek Machar, der wie die Opfer der jüngsten Grausamkeiten der Nuer-Volksgruppe angehört.

Die Kämpfe der vergangenen vier Wochen nutzten die Anhänger des Präsidenten offenbar zu Hetzjagden auf Zivilisten und besonders für sexuelle Angriffe auf Frauen. Uno-Offizielle hätten 217 Fälle sexueller Gewalt seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe erfasst. Die meisten Gräuel seien von Regierungskräften begangen worden und hätten sich gegen Frauen der Nuer-Volksgruppe gerichtet. Das teilte Uno-Menschenrechtskommissar Zeid Raad al-Hussein mit.

In mindestens 73 Fällen seien Zivilisten von Regierungsanhängern ermordet worden. Man habe sie "gezielt attackiert, weil man sie für Nuer hielt", so der Uno-Kommissar. Die tatsächliche Zahl könnte noch deutlich höher liegen. Die Spannungen seien weiterhin "sehr hoch", die Gewalt dauere im ganzen Land an.

Menschenrechtsgruppen hatten dem britischen "Guardian" berichtet, mehrere Taten hätten sich in unmittelbarer Nähe eines Uno-Flüchtlingslagers in der Hauptstadt zugetragen. Dorthin waren Tausende Nuer vor den Kämpfen geflohen.

Das Wiederaufflammen der Kämpfe Anfang Juli hatte die geplanten Feierlichkeiten zur fünfjährigen Unabhängigkeit Südsudans überschattet. Am Jubiläumswochenende gab es hunderte Tote und viele Verwundete. Bei einem Angriff auf Uno-Truppen starben drei chinesische Blauhelmsoldaten. Deutschland zog daraufhin seine Blauhelm-Polizisten aus dem Land ab und holte, wie andere westliche Länder auch, eigene Bürger aus dem Land zurück.

Die Zuspitzung der ethnischen Gewalt hat eine neue Flüchtlingswelle ausgelöst: Allein über die Grenze zum südlichen Nachbarn Uganda flohen in den vergangenen Wochen 52.000 Menschen, die meisten waren Frauen und Kinder. Seit dem fünften Unabhängigkeitstag registrierte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR insgesamt 60.000 neue Flüchtlinge aus dem Südsudan.

Das Land hatte sich 2011 nach mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg vom Sudan gelöst, doch die Einwohner des jungen Staates kennen fast nur grausame Gewalt und Krieg: Ein erbitterter Machtkampf zwischen Kiir und seinem Vize Machar mündete im Dezember 2013 in einen Bürgerkrieg, Zehntausende Menschen wurden getötet, mehr als 2,5 Millionen vertrieben. Rund fünf Millionen Menschen sind inzwischen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen.

Wie im Friedensvertrag von 2015 festgelegt, war Machar erst im Frühjahr in die Hauptstadt zurück gekehrt. Präsident Kiir machte ihn erneut zu seinem Vizepräsidenten - doch lange hielt die vermeintliche Verbrüderung nicht. Schon bis dahin kaum existent, darf der Friedensschluss nach der Ernennung des Oppositionsvertreter Taban Deng zum neuen Vize als gescheitert gelten. Deng entstammt wie der geschasste Machar der Sudanesischen Befreiungsbewegung in Opposition (SPLM-IO).

cht/AP/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
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Frida_Gold 04.08.2016
1. Schande
Spon, könntet ihr bitte aufhören, den Begriff "geschändet" zu benutzen? Den Frauen wurde durch Vergewaltigung keine Schande angetan. Sie wurden brutal gequält und missbraucht. Schande haben dadurch ihre Peiniger über sich gebracht, aber die Frauen haben sich für nichts zu schämen!
HansGnodtke 05.08.2016
2. war leider vorhersehbar
Teil der Katastrophe war auch, dass vor allem die amerikanische Aussenpolitik (teilweise auch in Europa) in Sachen Sudan von militanten Kirchen und einer Armee von Unterstützer-NGOs beeinflusst wurde, die entgegen jeder Erfahrung davon ausgingen, dass zwei blühende Gemeinwesen entstehen, wenn man einen dysfunktionalen Staat in 2 teilt. Sie taten das sicher aus lobenswerten humanitären Motiven heraus, aber die Hobby Afrikanisten und Lobbyisten um George Clooney waren leider auch blind für einige evidente Tatsachen. Dabei hatten die Kampfverläufe in den Nuba Bergen, Abjei oder Aequatoria, die häufigen Konflikte und dadurch ausgelösten Seitenwechsel der südlichen Milizen deutlich gemacht, welch ungeheurer Konfliktstoff sich auch innerhalb des sehr heterogenen Südens angesammelt hatte und Explosivkraft entfalten kann, wenn erst mal der Druck durch den gemeinsamen Gegner entfällt. John Garang, letzter unumstrittener südsudanesische Rebellenführer, der leider schon 2005 tödlich verunglückte, ahnte das und hatte mehrfach angedeutet, vielleicht sei die Unabhängigkeit Südsudans doch nicht die beste Option. Nun hat die Welt in Afrika nach Biafra, Kongo, Tschad Rwanda usw. schon wieder ein prekäres Gebilde zu versorgen, dem so ziemlich alles fehlt was jeder souveräne Staat zum Gedeihen braucht vor allem der demokratische Basiskonsens, ohne den "Nation Building" nicht funktionieren kann. So werden die Südsudanesen trotz Oelreichtums wohl noch Jahrzehnte am Tropf der internationalen Staatengemeinschaft hängen und immer wieder kostspielige UN Einsätze und Nothilfe Maßnahmen erfordern. Eine Tragödie und kein gutes Zeugnis für westliches Krisenmangement, die man weder Putin noch den Chinesen in die Schuhe schieben kann.
swandue 05.08.2016
3.
Was kann der nächste Schritt sein? Die Spaltung in Westsüdsudan und Ostsüdsudan oder ein auf Militär gestützter "starker Mann", der feststellt, die Menschen in seinem Land seien noch nicht soweit, selbst übe ihr Leben zu entscheiden?
broväsor 05.08.2016
4. Krieg, Tod, Flucht, und kein Ende
"Ein erbitterter Machtkampf zwischen Kiir und seinem Vize Machar..." Worum geht es in diesem Machtkampf, der unzähligen Zivilisten das Leben gekostet hat/kosten wird, eigentlich? Diese Frage wurde im Artikel nicht beantwortet. Geht es vielleicht um Öl? "Der Südsudan verfügt über Bodenschätze, insbesondere Erdöl..." schreibt Wikipedia.
spon-facebook-10221036045 05.08.2016
5. zum weinen
habe mir gerade noch mal die tollen fotos von L. Riefenstahl angeschaut die noch als greisin die Nuba im Südsudan mit großer liebe fotografierte. traumhaft schöne menschen in irrer landschaft. gerade 40 jahre her und doch wie aus anderem zeitalter. trauerspiel...
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