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12. Juli 2016, 06:43 Uhr

Kämpfe im Südsudan

Berlin bereitet Evakuierung von Deutschen vor

Die Bundesregierung sorgt sich um die Sicherheit der Deutschen im Südsudan. Eine EU-Delegation ist wegen der blutigen Kämpfe bereits abgezogen worden.

Angesichts heftiger Kämpfe im Südsudan sind nach Informationen der Zeitung "Die Welt" Vorbereitungen für eine mögliche Evakuierung von rund 100 bis 200 Deutschen aus dem Krisengebiet angelaufen. In den vergangenen Tagen sei der Krisenstab der Bundesregierung im Auswärtigen Amt (AA) zur Entwicklung im Südsudan mehrfach zusammengetreten, bestätigte eine AA-Sprecherin.

Die Europäische Union habe angesichts der Kämpfe rivalisierender Militäreinheiten ihre Delegation aus dem Südsudan abgezogen, berichtete das Blatt weiter. Die Mitarbeiter seien bereits am Sonntagmittag zunächst nach Nairobi ausgeflogen worden, hieß es unter Berufung auf hohe EU-Diplomaten. Zuvor hatten bereits die USA angekündigt, die meisten ihrer Diplomaten aus dem Südsudan abzuziehen.

In der südsudanesischen Hauptstadt Juba liefern sich Soldaten der regulären Streitkräfte mit ehemaligen Rebellen seit Tagen Gefechte. Bei den jüngsten Kämpfen, die unmittelbar vor dem fünften Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes am 9. Juli ausbrachen, wurden zwischen Freitag und Sonntag nach Regierungsangaben in Juba mehrere hundert Menschen getötet. Bewohner berichteten am Montag von schweren Angriffen mit Artillerie und Handfeuerwaffen sowie Explosionen. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind Tausende Menschen vor den neuen Gewaltausbrüchen geflohen.

Konfliktparteien rufen Feuerpause aus

Die US-Regierung hat die Kämpfe im Südsudan scharf verurteilt. Die nationale Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, forderte die Kämpfenden auf, in ihre Häuser zurückzukehren. Durch die Auseinandersetzungen würde alles aufs Spiel gesetzt, was die Menschen im Südsudan in den vergangenen fünf Jahren erreicht hätten.

Am Montag hatten beide südsudanesischen Konfliktparteien einseitige Feuerpausen ausgerufen. Zunächst ordnete Präsident Salva Kiir eine sofortige Waffenruhe an. Die Kampfhandlungen sollten um 18 Uhr Ortszeit eingestellt werden, sagte Informationsminister Michael Makuei im staatlichen Fernsehen.

Alle Kommandeure der Regierungsarmee müssten sich an das Dekret halten, ihre Truppen kontrollieren und die Zivilbevölkerung und deren Eigentum schützen. Der Schutz jeder ethnischen Gruppe müsse gewährleistet werden.

Der mit dem Präsidenten im Machtkampf stehende Vizepräsident Riek Machar sagte dem Hörfunksender Eye Radio, seine Truppen würden die Kampfhandlungen am Montagabend ebenfalls abbrechen. Damit wolle er auf die Ankündigung seines Rivalen Kiir reagieren. Reuters-Mitarbeiter berichteten allerdings von anhaltendem schweren Gewehrfeuer in der Hauptstadt Juba.

Das Land hatte sich am 9. Juli 2011 nach mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg vom Sudan gelöst, doch die Einwohner des jungen Staates kennen nur grausame Gewalt und Krieg: Ein erbitterter Machtkampf zwischen Kiir und seinem Vize Machar mündete im Dezember 2013 in einen Bürgerkrieg, Zehntausende Menschen wurden getötet, mehr als 2,5 Millionen vertrieben. Rund fünf Millionen Menschen sind inzwischen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen.

Auf Grundlage eines Friedensabkommens vom August vergangenen Jahres stehen die einstigen Rivalen seit dem Frühjahr wieder gemeinsam an der Spitze des jungen Staates. Doch die Gefechte nähren die Angst, dass der Südsudan zurück in einen Bürgerkrieg rutschen könnte.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief den Sicherheitsrat in New York auf, umgehend ein Waffenembargo gegen den Südsudan zu verhängen. Zudem müsse die Uno-Friedensmission verstärkt werden.

anr/dpa/Reuters

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