Südsudan Human Rights Watch warnt vor Völkermord wie in Ruanda

Tausende Menschen sind in den vergangenen Monaten bei Kämpfen im Südsudan gestorben, Hunderttausende sind auf der Flucht. Human Rights Watch ist alarmiert und sieht gefährliche Parallelen zum Völkermord in Ruanda.

Rebellenkämpfer im Südsudan: Land am Abgrund
REUTERS

Rebellenkämpfer im Südsudan: Land am Abgrund


Berlin - Angesichts der Gewalt im Südsudan kommt die Organisation Human Rights Watch zu der erschreckenden Einschätzung, dem Land drohe ein Völkermord wie in Ruanda. "Die Anzeichen und die Methoden sind ganz ähnlich wie damals", sagte der Leiter des Deutschlandsbüros der Menschenrechtsorganisation, Wenzel Michalski, im rbb-Inforadio.

Wie bei dem Bürgerkrieg 1994 in Ruanda würden auch im Südsudan über Radiosender "Bevölkerungsgruppen aufgefordert, die andere Bevölkerungsgruppe zu massakrieren". Gemeint sind damit die Kämpfe zwischen den Volksgruppen der Dinka und der Nuer. Der jahrzehntelange Konflikt ist nach der Staatsgründung des Landes im Jahr 2011 wieder aufgeflammt.

Mitte Dezember 2013 eskalierte ein schwelender Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und dem entmachteten Vizepräsidenten Riek Machar. Seitdem liefern sich die Truppen der beiden Politiker, die den rivalisierenden Ethnien angehören, grausame Kämpfe. Tausende Menschen wurden getötet. Hunderttausende sind auf der Flucht.

Human Rights Watch forderte die Uno auf, die versprochenen 7500 Blauhelmsoldaten rasch in das Land zu schicken. Bislang seien erst tausend Soldaten im Einsatz. "Die paar Leute versuchen, die Flüchtlingslager zu beschützen, aber das gelingt ihnen natürlich nicht", sagte Michalski. Regierung und Opposition im Südsudan forderte er auf, sich deutlich von der Gewalt zu distanzieren.

Der Uno-Sicherheitsrat droht beiden Konfliktparteien mit Sanktionen. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben Anhänger von Vizepräsident Machar nach der Wiedereroberung der Stadt Bentiu im Norden des Landes in der vergangenen Woche Hunderte Menschen anderer Stämme getötet. Die Anhänger von Präsident Kiir werden dagegen für einen Angriff auf den Uno-Stützpunkt Bor verantwortlich gemacht, bei dem fast 50 dorthin geflohene Zivilisten umgebracht wurden.

Bei dem Völkermord in Ruanda waren im Jahr 1994 rund 800.000 Menschen getötet worden. Die meisten Opfer des Genozids waren Angehörige der Bevölkerungsminderheit der Tutsi, die von Angehörigen der Hutu umgebracht wurden.

kpp/AFP

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attis 25.04.2014
1. Der Westen muss sich völlig
von Kompromissen lösen. Demokratische Grundgesetze sind zwingend notwendig und dürfen nicht verhandelbar sein. Ich bestehe natürlich darauf, dass dazu auch das Grundgesetz gehört, dass niemand wegen seiner Ethnie oder sexuellen Orientierung usw. verfolgt wird. Dieser Kulturquatsch, durch den sich sinnlose Diskriminierungen erlauben, ist nur hinderlich zur Werdung der Menschen. Als Vater eines afrikanisch-stämmigen Kindes darf ich mir erlauben zu befinden, dass diese völkischen Gemetzel Schimpansenkulturen sind. Aber im Norden scheint´s auch nicht weit entfernt davon zu sein. Bewusstsein kommt - und zu diesem Bewusstsein gehört die Erkenntnis, dass Liebe keine Kompromisse braucht, doch das schlechte Gewissen sucht sich immer einen Raum für Kompromisse. Im Übrigen sollten global agierende Unternehmen höhere Steuern an die UNO zahlen müssen; so kann die UNO handlungsfähiger gestalten. Und Staaten, die dies verweigern, haben kein Stimmrecht in der UNO.
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