Bürgerkrieg im Südsudan 383.000 Menschen an Gewalt und Kriegsfolgen gestorben

Der Bürgerkrieg im Südsudan und seine Folgen haben bislang fast 400.000 Menschenleben gekostet, schätzen Forscher. Die Menschen starben in dem fünf Jahre dauernden Konflikt durch Gewalt, Hunger und Krankheit.

Zwei Jugendliche in Kapoeta, Südsudan, auf dem Schulweg
AP

Zwei Jugendliche in Kapoeta, Südsudan, auf dem Schulweg


Durch den Bürgerkrieg im Südsudan sind nach Schätzungen von britischen Wissenschaftlern fast 400.000 Menschen gestorben.

Zwischen Dezember 2013 und April 2018 seien rund 383.000 Menschen direkt oder indirekt durch den Konflikt ums Leben gekommen, teilten Forscher um Francesco Checchi von der London School of Hygiene and Tropical Medicine mit.

Dazu gehörten auch Menschen, die etwa wegen Krankheiten oder mangelnder medizinischer Versorgung starben. Rund 190.000 Menschen seien gewaltsam getötet worden.

Die Zahl der Opfer ist schwer genau zu bestimmen. 2016 hatte ein Uno-Experte die Zahl der Kriegstoten zuletzt auf rund 50.000 geschätzt. Dem Konflikt liegt ein Machtkampf zwischen den Volksgruppen der Dinka und der Nuer zugrunde, die Gewalt ist oft ethnisch motiviert und geht gleichermaßen von Rebellen und Regierungssoldaten aus.

Das Uno-Menschenrechtsbüro warf in einem Bericht von Anfang Juli vor allem der Nationalarmee Gräueltaten vor, auch Frauen und Kinderwürden "vorsätzlich, skrupellos und brutal" attackiert und getötet.

Die Wissenschaftler nutzten nach eigenen Angaben Bevölkerungsdaten und mehr als 200 Umfragen, um ein statistisches Modell zu schaffen. Damit rechneten sie die Zahl der Tode hoch.

Die Erkenntnisse zeigten unter anderem, dass die humanitäre Hilfe derzeit unzureichend sei und Helfer schleunigst besseren Zugang zu betroffenen Gegenden bekommen müssten, sagte Checchi. Eine Forderung, die auch der Südsudan-Koordinator des Uno-Flüchtlingshilfswerks bereits im Juni in einem SPIEGEL-Interview gestellt hatten. Zudem müsse der Konflikt dringend gelöst werden.

Der Bürgerkrieg in dem ölreichen Staat brach Ende 2013 zwischen den Anhängern von Präsident Salva Kiir und denen seines früheren Vizepräsidenten Riek Machar aus. Die Konfliktparteien unterschrieben jüngst ein Friedensabkommen. Allerdings kam es in der Vergangenheit bereits zu ähnlichen Vereinbarungen, die aber alle scheiterten.

Versuch eines Friedens: Präsident Kiir und sein Ex-Vize Machar waren schon Feinde, ehe 2011 der Südsudan gegründet wurde
AFP

Versuch eines Friedens: Präsident Kiir und sein Ex-Vize Machar waren schon Feinde, ehe 2011 der Südsudan gegründet wurde

Die Londoner Wissenschaftler wollen nach eigenen Angaben die Methode auch in anderen Konflikten einsetzen. Zudem könne das Modell genutzt werden, um die Sterblichkeit in einem Konflikt vorherzusagen und so politischen Akteuren und humanitären Organisationen zu helfen. Die Forschung wurde unter anderem vom US-Außenministerium finanziert.

cht/dpa/Reuters

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