Kämpfe im Südsudan Bundeswehr bringt Deutsche in Sicherheit

Die Bundeswehr arbeitet daran, alle Deutschen aus dem Südsudan auszufliegen. Eine Transall hat bereits mehrere Dutzend Diplomaten und Entwicklungshelfer in Sicherheit gebracht. Rund hundert weitere Personen sollen bald folgen.

Kämpfer und Flüchtlinge im Südsudan
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Kämpfer und Flüchtlinge im Südsudan

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In einer seit Tagen geplanten Rettungsaktion haben Transall-Flieger der Bundeswehr rund 50 Deutsche aus dem krisengeschüttelten Südsudan ausgeflogen. Am Vormittag landete eine der gegen Raketenangriffe geschützten Maschinen auf dem Flughafen von Juba, lud die deutschen Staatsbürger ein und flog sie nach Uganda aus.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sollen am Nachmittag alle rund hundert Deutschen, die sich noch im Südsudan befinden, bei der vom Krisenstab des Auswärtigen Amts (AA) geplanten Aktion gerettet werden. Die meisten von ihnen sind Diplomaten und Entwicklungshelfer. Zudem wird die Bundeswehr einige andere Europäer mitnehmen. Nach mehreren Tagen in Angst geht es ihnen den Angaben nach gut.

Die Evakuierung wurde bereits seit Samstagabend genau geplant. Der Krisenstab hatte wegen der anhaltenden Kämpfe für deutsche Diplomaten und andere Deutsche die Gefahrenstufe 3B ausgerufen, diese sieht eine umgehende Schließung aller deutschen Einrichtungen vor. Um die Rettungsaktion der Bundeswehr abzusichern, telefonierte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) extra mit seinem Amtskollegen in Juba.

In der südsudanesischen Hauptstadt Juba liefern sich Soldaten der regulären Streitkräfte mit ehemaligen Rebellen seit Tagen Gefechte. Bei den jüngsten Kämpfen, die unmittelbar vor dem fünften Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes am 9. Juli ausbrachen, wurden zwischen Freitag und Sonntag nach Regierungsangaben in Juba mehrere Hundert Menschen getötet.

Deutsche drohten ins Kreuzfeuer zu geraten

Bewohner berichteten von schweren Angriffen mit Artillerie und Handfeuerwaffen sowie Explosionen. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind Tausende Menschen vor den neuen Gewaltausbrüchen geflohen. Die Deutschen drohten damit immer stärker ins Kreuzfeuer der Kämpfe zu geraten. Auch die EU hatte bereits Diplomaten und anderes Personal aus Juba abgezogen.

Für die Bundeswehr war die Aktion risikoreich. Da die Gefahr bestand, dass die Militärflugzeuge bei der Rettung beschossen werden, schickte die Luftwaffe die Transall-Flugzeuge, die zumindest gegen Raketenangriffe mit einem Täuschersystem ausgestattet sind. Insgesamt flogen drei der alten, aber zuverlässigen Maschinen, eine kam aus Mali, wo die Bundeswehr im Einsatz ist, zwei weitere wurden aus Deutschland nach Dschibuti geflogen.

Auf dringende Bitte des Krisenstabs hatte SPIEGEL ONLINE nicht über die Planungen berichtet, um die Aktion nicht zu gefährden. Die Bundeswehr wurde in den vergangenen Jahren bereits mehrmals für Evakuierungen von Deutschen aus Krisengebieten aktiv. Zuletzt hatte es Aufsehen gegeben, als die Truppe 2011 eine Gruppe aus dem umkämpften Libyen ausgeflogen hatte.

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